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Die Brandts-Kapelle soll leben

Die Brandts-Kapelle ist ein Schmuckstück unter den Kirchen Mönchengladbachs. Wegen ihrer Architektur, aber mehr noch wegen ihrer Geschichte. Hier liegt vor rund 120 Jahren die Wiege des sozialen und politischen Katholizismus. Bis heute erfahren hier gerade die Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, Kirche als einen Ort, an dem sie zählen.

Der Erbauer der Kapelle, Franz Brandts (1834-1914), war ein bedeutender Textilfabrikant Mönchengladbachs, der sich für die Mitbestimmung und den Schutz der Arbeitnehmer stark machte. Er ist auch Mitbegründer des Volksvereins, einer gemeinnützigen Gesellschaft gegen Arbeitslosigkeit. Brandts ließ die Kapelle im Gedenken an seinen jung verstorbenen Sohn Rudolf erbauen. Am 5. Oktober 1896 wurde sie eingeweiht. In unmittelbarer Nachbarschaft gründete Brandts außerdem einen Kindergarten und einen Stift. Die Kapelle und der Stift gehören seit 2004 der Stiftung Volksverein. Seit 2011 befindet sich hier auch eine Gemeinschaft unserer Schwestern. Gemeinsam mit der Stiftung Volksverein und dem Volksverein GmbH betreiben sie hier den Treff am Kapellchen (TaK).

Zum diesjährigen Tag des Denkmals öffnete auch die Brandts-Kapelle ihre Türen, um über die vergangene und gegenwärtige Geschichte dieses denkwürdigen Ortes zu informieren. Der Tag begann mit einer Eucharistiefeier, zelebriert von Willi Bruners. Anlässlich des "Tages des offenen Denkmals“ betonte er, wie wichtig es sei, dass die Kirche nicht wie "in einem ICE-Zug entgegen der Fahrtrichtung" sitze und das Alte einfach konserviere, sondern nach vorne schaue. Manchmal sei Ungehorsam in der Kirche da direkt eine Tugend. Gerade in der Brandts-Kapelle und dem TaK geschehe viel Gutes eben dadurch, dass es sich nicht am System orientiere. So erleben Menschen, die sich selbst am Rande wähnen, wieder oder zum ersten Mal echte Gemeinschaft - ein Stück Himmel auf Erden.

Im Anschluss an den Gottesdienst war Gelegenheit, unter der Führung von Heinz Habrich, die Kapelle von außen und innen noch einmal genauer zu betrachten und interessante Details über die Hintergründe des Baus und seiner Geschichte zu erfahren. Besonders beeindruckend: Der Altar in Gestalt einer Werkbank. Auch ein Besuch an der Grabstätte Rudolf Brandts sowie des vor knapp zwei Jahren verstorbenen Pfarrers Edmund Erlemann durfte nicht fehlen. "Eddi", wie er liebevoll von allen genannt wurde, hat diesen Ort gemeinsam mit unseren Schwestern in den letzten Jahren maßgeblich mitgeprägt. Die Führung wurde im Laufe des Tages jeweils zur vollen Stunde für immer neue Besucher noch vier Mal wiederholt. Im TaK nebenan gab es derweil Suppe, Kaffee und jede Menge selbstgebackene Kuchen von Menschen, die diesem Ort verbunden sind.

Der Tag des offenen Denkmals möchte die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes sensibilisieren und gleichzeitig ihr Interesse für die Belange der Denkmalpflege wecken. So wies Sr. Luzia Schmuki, die den Treff am Kapellchen leitet, auch auf die Möglichkeit hin, mit einer kleinen Spende die Renovierungsarbeiten am Kapellchen zu unterstützen. Für jede Spende ab 6 Euro gab es einen kleinen Baustein zum Mitnehmen sowie einen symbolischen Baustein im Spendenbarometer. Denn, wie das Motto des Tages es ausdrückte: "Die Brandts-Kapelle soll leben!"