Trigger
29.03.2018

Sr. Lioba mit einigen Kindern des Frühlingsspiels.

Das Fest der rot gefärbten Eier

Sr. Lioba Brand bereitet sich in Rumänien auf das Osterfest vor. Dabei lernt sie andere Traditionen kennen, wie die rot gefärbten Eier oder auch den sogenannten Cosonac. Was sich dahinter verbirgt, erklärt sie in ihrem neusten Rundbrief.

Dieses Jahr sieht es wirklich vor Ostern noch so aus wie vor Weihnachten. Wir haben immer noch -11°C letzte Nacht gehabt, und es liegen 30 cm Schnee. Wenn es dann endlich wärmer wird, wird es sehr viel Arbeit geben. Am Tage sind es Plus-Grade und der Schnee schmilzt. Dann ist es sehr gefährlich in der Stadt. Zum einen gibt es sehr viele Dächer, die ihre Dachrinnen einfach auf den Gehweg ableiten, und zwar schon vom Dach aus. Die anderen lassen die Dachrinne unten am Haus auf den Gehweg und die Straße laufen. Außerdem kommen sehr viele Dachlawinen herunter, auch große Eiszapfen hängen bedrohlich über dem Gehweg. Deshalb gehen viele Fußgänger einfach auf der Fahrbahn. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass die Entwässerung der Straßen nicht gut geregelt ist. Es sind zu wenige Gullys oder nicht gut angebrachte Gefälle, sodass oft, sehr große bis 15 cm tiefe Pfützen entstehen. Das ist bei jedem größeren Regen oder Schmelzwasser der Fall. Vor jedem Zebrastreifen ist eine große Pfütze, sodass es schwierig wird, wo man hintreten kann, ohne dass alles Wasser in die Schuhe läuft. In diesen Situationen bekomme ich schon immer mal wieder Heimweh nach Deutschland. Auch das Schneeräumen auf dem Gehweg ist nicht selbstverständlich, sobald ein Platz von Schnee befreit ist, wird der Gehweg zugeparkt. Deshalb bin ich in der Stadt am liebsten mit dem Fahrrad unterwegs.

Zum Mutter- und Frauentag am 8. März hatten wir eine sehr schöne Feier mit den Kindern. Unsere Gruppe hat ein Frühlingsspiel gemacht, wo die verschiedenen Frühlingsboten zu Wort kommen. Die Sonnenstrahlen, die Schneeglöckchen, die Grashalme, die Eichhörnchen und die Schwalben. Zuletzt ist die Natur-Fee gekommen.

Ich wollte unbedingt vor Ostern noch im Garten die Zwiebeln stecken und eine Beinwellsalbe machen, aber das war einfach unmöglich. Am Freitag hatten wir wieder 30 cm Schneefall und am Sonntagmorgen -10 °C. Auch die große Aufräumaktion und Gartenzaun-Herstellung im Olympia Dorf konnte ich noch nicht machen. Es ist immer noch wie im Winter.

Jetzt soll es ja wirklich wärmer werden, und nächste Woche haben wir Ferien. Das orthodoxe Osterfest ist am 8. April, eine Woche nach unserem Osterfest, und es ist das wichtigste Fest im Jahr. Die praktizierenden gläubigen orthodoxen Christen leben in der Fastenzeit vegan. Alle tierischen Nahrungsmittel sind verboten. Traditionell wird auch oft Suppe mit den wilden Frühlingskräutern gekocht, wie Brennnessel, Scharbockskraut, Bärlauch und Giersch. Man kann das teilweise auch auf dem Markt kaufen.

Wenn man hier die Kinder oder die Leute fragt, was ist wichtig für das Osterfest, oder was gehört dazu, dann kommen etwas andere Antworten als in Deutschland. Hier erwähnen die Kinder die Hasen überhaupt nicht. Natürlich gibt es jetzt auch in den Geschäften Schokoladenhasen, aber für die Kinder macht das keinen Unterschied. Sie würden auch einen Weihnachtsmann aus Schokolade nehmen. Was die Kinder sofort sagen sind die rot gefärbten Eier. Hier bei den meisten Leuten werden die Eier in den verschiedenen Rottönen gefärbt. Wer es natürlich mag, nimmt die Schalen von roten Zwiebeln zum Färben. Da in der Fastenzeit keine Eier gegessen werden dürfen, sammeln sie sich bis zum Osterfest an.

Dort, wo es noch etwas traditioneller zugeht, haben die Leute eigene Hühner. Das sind sehr alte Hühnerrassen, sogenannte Zwei-Nutzung-Rassen. Diese Hühner legen im Winter, wenn es kalt ist, keine Eier. Leute aus der Stadt sind ganz scharf auf die Eier der Hühner vom Land. Wenn jemand Eier als Geschenk mitbringt, was hier noch oft der Fall ist, wird das immer extra erwähnt, das sind Eier vom Land. Auf dem Land oder auch am Stadtrand laufen die Hühner im Obstgarten frei herum und bekommen außerdem noch den Maisschrot und andere Essensreste. Meist ist der Dotter richtig schön gelb. Sogar bei dem traditionellen Cosonac (Gugelhupf mit Füllung) können die Feinschmecker noch herausschmecken, ob er mit Landeiern oder mit Eiern aus der Hühnerfarm gemacht wurde.

Außer den roten Eiern gehört zum Osterfest noch Lammfleisch, und ein Osterkuchen, der traditionell mit Schafsfrischkäse gemacht wird, und natürlich der Cosonac. Das ist ein Hefekuchen wie Gugelhupf mit einer Füllung aus Walnüssen und anderen Zutaten.

Soviel für heute wieder. Ich wünsche Euch allen von Herzen ein frohes gesegnetes Osterfest. Christus ist auferstanden, ja er ist wahrhaft auferstanden!
Im Gebet verbunden grüße ich von Herzen,
eure Sr. Lioba Brand