Trigger
12.02.2018

Grauer Alltag - eine Kostbarkeit

Vor kurzem feierte Sr. Ada Link, im Einsatz für Flüchtlinge in Griechenland, ihren 79. Geburtstag. Auf die vielen Glück- und Segenswünsche, die sie dazu bekam, hat sie nun mit einem Erfahrungsbericht geantwortet.

Ganz vielen und herzlichen Dank jeder einzelnen Schreiberin und allen, besonders den Kranken, die auch für mich gebetet haben! Ich erwähne das Gebet immer wieder und ganz bewusst, weil wir es wirklich sehr nötig haben, um unsere Mission auch wirklich zu leben. Ich darf aber auch sagen, dass ich oft und oft spürbar erlebe, wie sehr Er hinter uns steht und mit uns geht! Anders ginge das nicht!

Mir persönlich geht es wieder gut, nachdem ich einige Wochen arge Rückenschmerzen hatte, (zum 1. Mal!) durch das Heben einer schweren Matratze. Aber nun weiß ich, dass ich keine Bäume mehr ausreißen darf und ich doch nicht mehr ganz jung bin. Davon abgesehen, oft und oft danke ich morgens beim Aufstehen für meine Gesundheit!

Ansonsten ist es bei uns wie immer: abwechslungsreich! Das Wetter ist kühl; es wird aber stundenweise in der Nacht geheizt. Sr. Preethi aus Indien leidet am meisten darunter; sie ist schnell verkühlt. Dafür geht sie auch öfters in unser Kleiderlager - aus aller Welt gesponsert - wo es genug warme Sachen gibt. Es ist täglich für Flüchtlinge und Arme rund um uns herum geöffnet. Mohammed aus Pakistan, der schon viele Jahre in Athen eine zweite Heimat gefunden hat, ist dafür verantwortlich und unsere Freiwilligen helfen ihm beim Verteilen und Ordnen. Wie gut und schön, dass ehedem viele Sachen aus St. Koloman den Weg zur Caritas gefunden haben, jetzt verstehe ich das noch besser!

Wir hatten für einige Wochen vier Afrikaner in unserem Haus. Gleich am nächsten Tag habe ich sie in das Kleiderlager geschickt, worum sie sehr froh waren. Mittlerweile sind die jungen Männer aber wieder in ein afrikanisches Camp verlegt worden, weil das hier für alleinstehende Männer/Burschen, nicht das Geeignete wäre.... Es waren Christen aus Kamerun und ganz nette Leute. Sie kamen auch immer zu unserer gemeinsamen hl. Messe. Ich sagte ihnen ganz ausdrücklich, dass wir uns freuen über ihre Anwesenheit, wofür ein strahlendes Lächeln die Antwort war. Zwei davon sprachen Französisch und zwei konnten auch etwas Englisch. Warum sie hier sind usw. - das alles weiß ich nicht. Und so schnell kann man auch nicht fragen! Ich denke, sie sind auf Arbeitsuche. Nun erwarten wir eine Afrikanerin mit Kind; das Zimmer ist fertig.

Kleine Feiern und Feste erhellen unser aller Alltagsleben: vorige Woche war es der Geburtstag unserer zweijährigen Lila (Name geändert) aus Pakistan. Der Papa hat bereits einen Teil-Job als Übersetzer, weil er gut Englisch spricht. Und ein drei Monate altes Baby wartet auch auf ihn, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt. Es ist eine ausgesprochen nette Familie und die kleine Lila ist für uns alle ein Sonnenschein. Die Familien selbst gestalten das Fest bzw. Essen und so. Wein gibt es allerdings keinen - auch beim Faschingsfest vor zwei Tagen nicht! Für Österreicher unvorstellbar! Dafür wird aber viel gelacht und getanzt - auch die Kinder auf dem Rücken ihrer Väter oder von P. Mauruc SJ tanzen mit und es ist ein echtes Freudenfest! Eine besondere Freude bereiten auch die verschiedenen Landestrachten der Frauen.

So, nun denke ich, habe ich genug von hier erzählt. Das ist aber mehr die Sonnseite - das andere ist sowieso unser eher graue Alltag, dafür aber eine Kostbarkeit, den wir Schwestern mit unseren Flüchtlingen mitleben dürfen! Vorige Woche wollte eine junge Frau unbedingt wieder zurück nach Syrien, nachdem ihr Bruder dort von IS-lern entführt wurde. Es gab Streit und nur mit Mühe konnte sie ihr Mann zurückhalten und beruhigen.

Unseren Alltag bestimmt Großteils die Aussage von P. Freinademetz: "Die einzige Sprache, die alle Menschen verstehen ist die LIEBE!" Und das stimmt 100%ig! Das gilt sowohl für die meisten Neuankömmlinge, aber auch Ältere, die schon länger hier sind, denn diese lernen keine neue Sprache mehr. Daher verständigen wir uns halt mit viel Gestikulieren - mit Händen und Füßen, wie man so schön sagt. Außer einem griechischen Jesuiten-Pater, den ich ab und zu treffe, wenn er von seiner Außenstation zurückkommt, kann ich mit niemandem Deutsch sprechen. Wir freuen uns immer und ich weiß, dass er extra für mich betet. Das versprach er mir von Anfang an.

Damit komme ich langsam zum Schluss. Wir stehen kurz vor der Fastenzeit. Möge sie uns Allen zur Gnadenzeit werden! Das wünsche ich von Herzen! Dankbare Grüße bitte auch an unsere WohltäterInnen - sei es materiell oder geistig im Gebet! Wir sind ja wirklich Abhängige... dazu gehören auch Sr. Clara und Preethi. Und wir versprechen das Gebet auch unsererseits! Ein herzliches Vergelt`s Gott Euch allen!
 
Im Gebet verbunden grüßen froh und dankbar
Sr. Ada, Clara und Preethi