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27.01.2018

Ein Altar im Stadtzentrum beim Gebet um die Einheit der Christen.

Tricksen für die Ökumene – Rundbrief von Sr. Lioba aus Rumänien

Zur Gebetswoche um die Einheit der Christen haben sich unsere Schwestern und ihre katholischen wie orthodoxen Missionspartner etwas Besonderes einfallen lassen: Einen Marsch für die Einheit im Glauben. Von Laien und im Freien – so konnten sie auf kreative Weise das Verbot eines gemeinsamen Gebetes in der Kirche umgehen. Sr. Lioba berichtet davon in ihrem neusten Rundbrief.

Das neue Jahr hat bei uns erst sehr frühlingshaft begonnen, aber inzwischen ist der Winter auch angekommen. Diese Woche hatten wir -18 °C und alles ist schön mit Schnee und Raureif bedeckt. Die Kinder freuen sich natürlich sehr über die weiße Pracht. Ich freue mich auch, dass es erst geschneit hat und dann kalt geworden ist, damit es der frisch gesäte Rasen und die anderen Pflanzen leichter haben.

Der Roma-Bevölkerung wird nachgesagt, dass sie gegen Hitze und Kälte weniger empfindlich sind. Das konnte ich jetzt mit eigenen Augen sehen. Die Kinder sind bei -16 °C ohne Handschuhe und ohne dicken Anorak zur Schule gekommen. Und das waren nicht die Kinder von den ganz armen Familien, sondern von der Stadt, wo die Eltern teilweise ein Auto haben und im Ausland sind (Arbeiten?). Ich habe gefragt, wo hast du deine Handschuhe, und die Kinder sagten, die habe ich zu Hause vergessen. Mützen vergessen sie nicht, die haben sie sogar im Sommer.

Die älteren Frauen aus den Dörfern tragen eine Strickmütze und darüber ein Kopftuch. Das Kopftuch tragen sie das ganze Jahr. Am Sonntag ein Schönes mit Blumen und an den anderen Tagen ein Einfacheres. In viele orthodoxe Kirchen und Klöster dürfen die Frauen nur mit Kopfbedeckung eintreten. Auch, wenn die Hosen eng anliegen, müssen sie so eine Art Schürze darüber ziehen. Diese Kleidungsstücke kann man an der Pforte ausleihen.

Etwas anderes was ich an den Kindern beobachtet habe, hat mich sehr traurig gemacht und in gewisser Weise auch schockiert. Die Kinder beschimpfen sich sehr stark gegenseitig. Diese Schimpfworte habe ich nie gelernt und verstehe sie auch nicht, aber sie sind sehr vulgär und haben fast immer mit Verwünschungen zu tun. Oft wehrt sich dann das beschimpfte Kind und es kommt zu einer ernsten Keilerei. Sie wünschen den Tod der Mutter und solche Sachen. Oder sie beschimpfen ein Kind als Waise. Das hat mich sehr traurig gemacht, dass Waise zu sein so viel bedeutet wie schuldig, schlecht zu sein. Ich habe versucht, den Kindern zu erklären, dass es nicht die Schuld eines Kindes ist, wenn die Mutter gestorben ist.

Letzte Woche war ja die Woche, in der wir um die Einheit der Christen gebetet haben. Da habe ich mich gut erinnert an die Abende und Veranstaltungen in Langenargen, Moos und Laupheim. Hier in Rumänien, wo über 87% orthodoxen Glaubens sind, ist es nicht möglich gewesen, ein gemeinsames Gebet in der Kirche abzuhalten. Der orthodoxe Patriarch von Bukarest hat jede Aktivität verboten. Auch die Mädchen, die im Oktober von Taizé da waren, durften in der orthodoxen Kirche kein Gebet gestalten, nur an dem angebotenen teilnehmen. Bei den ganz Extremen gilt es sogar als Sünde, wenn ein orthodoxer Christ in eine katholische Kirche geht, und muss es beichten. Das Dilemma ist, dass es sehr viele Familien mit gemischten Ehen gibt, und dann bei den Familienfeiern Entzweiung.

Wir haben ja als Hauspatron den Hl. Arnold Janssen. Zu diesem Fest haben wir alle Leute und Gemeinschaften eingeladen, mit denen wir zusammenarbeiten. Das sind nicht nur katholische Gemeinschaften. Unser altes Haus (früheres Internat) vermieten wir ja an die Stiftung Hoffnung und Liebe, die von einem orthodoxen Priester geleitet wird. Der ist aber sehr aufgeschlossen und sehr nett zu uns. Auch in dem anderen Haus (ehemaliges Gebäude für Kindergarten) ist außer dem Reha-Zentrum für Alkoholiker noch ein Kulturverein eingemietet, der auch orthodox ist. Alle diese Leute und Pfarrer, Franziskaner usw. haben sich bei uns am 14.01. zur Feier getroffen. Dann haben sie einen Plan ausgeheckt, dass sie nur über die verschiedenen Stiftungen eine Veranstaltung im Stadtzentrum planen, wo um die Einheit der Christen gebetet wird, das aber nicht von und nicht in einer Kirche, sondern von Laien und im Freien. Ein Marsch für die Einheit im Glauben. Das war sehr beeindruckend.

Am Sonntag, den 14. Januar, haben wir unser Patronats-Fest gefeiert. Alle Schwestern von Iaşi und Răducăneni sind gekommen und dazu noch 20 eingeladene Gäste. Wir hatten am Nachmittag einen schönen feierlichen Gottesdienst mit 11 Priestern und danach ein internationales Festessen. In der Küche war ich hauptverantwortlich, aber Sr. Theresia Wini hat eine köstliche indonesische Suppe gezaubert und Sr. Jovita einen indischen Nachtisch. Jede Schwester konnte sich in ihrem Spezialgebiet austoben. So hat unsere extrem kreative Sr. Oktaviana die Dekoration gemacht, Sr. Patrizia die Liturgie gestaltet, Sr. Severine war für die Sakristei und für die Getränke bei Tisch verantwortlich. Sr. Jovita hatte in dieser Woche Küchendienst. Zum Andenken haben alle Gäste noch eine selbst gehäkeltes Glöckchen bekommen. So war es ein schönes gelungenes Fest.

Soviel für heute wieder. Ich wünsche Euch allen ein gesegnetes Jahr und vor allem Gesundheit. Im Gebet verbunden Grüße ich von Herzen,
Sr. Lioba Brand