"Du sollst ein Segen sein"

Besinnungstage und -nachmittage in den Regionen Steyl und Saar-Mosel

Insgesamt waren 72 Mitglieder und Interessierte der Einladung gefolgt.  Für viele war es ein frohes Wiedersehen, da die Mitglieder aus verschiedenen Orten kamen. Nach einer kurzen Begrüßung begannen wir mit dem Thema: "Du sollst ein Segen sein."  Das Lied: "Meine Hoffnung und meine Freude" betteten wir in den Vortrag des Öfteren ein. Das lateinische Wort für segnen heißt: "bene dicere", wörtlich übersetzt: "Gutes sagen, Gutes sprechen" zu anderen und über andere.

Thematisch befassten wir uns mit verschiedenen Bibelstellen. Der Ausgangspunkt war Abraham, der den Auftrag von Gott bekam: "Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein. Ich will segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den will ich verfluchen. Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen." (Gen 12,2 ff)

Mit dieser Zusage Gottes  setzten wir uns auseinander. Wer je seine Heimat verlassen hat, aus welchen Gründen auch immer, oder mehrmals umgezogen ist, weiß, was das bedeutet: Weggehen. Neu anfangen. Hinter sich lassen. Abschied nehmen. Einerseits beflügelt die Kraft, die im Neuen liegt. Andererseits aber kann es auch Angst machen, da man nicht weiß, was die Zukunft bringt.  
Abraham macht sich auf den Weg mit der Zusage Gottes. Als Getaufte haben auch wir die Zusage Gottes empfangen, dass wir als Gesegnete auf dem Weg sind, und gleichzeitig haben wir den Auftrag erhalten, einander zu segnen. "Ich werde segnen, die dich segnen."  Wenn wir einander segnen, bedeutet das, einander Größe zuzusprechen, Gutes zu wünschen, sich in Ehrfurcht vor der göttlichen Anwesenheit im anderen zu verneigen, ihm und ihr Respekt und wenn möglich in Liebe zu begegnen.

Des Weiteren wurde uns bewusst, dass wir an all unseren Wegkreuzungen des Lebens mit Segen ausgestattet sind. Gottes Segen umgibt uns vom Anfang bis zum Ende unseres Lebens.

Wir sind nicht im AT stehengeblieben, sondern wir haben auch geschaut, was im NT steht. Da ist die Forderung Jesu: "Segnet eure Verfolger, segnet sie, verflucht sie nicht" (Röm 12,14). Und in Lk lesen wir: "Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen." Wir haben gespürt, dass das keine leichte Aufgabe ist, dennoch gibt es immer wieder Situationen, in denen wir spüren, dass es möglich ist.  Das haben wir anhand eines Textes von Dietrich Bonhoeffer verdeutlicht. Hier folgt der Text, den er im Gefängnis - kurz vor seiner Hinrichtung - geschrieben hat. "Segnen heißt: die Hand auf etwas legen und sagen: Du gehörst trotz allem Gott. So tun wir es mit der Welt, die uns solches Leid zufügt. …. Wir geben ihr - der Welt Hoffnung - und sagen, Gottes Segen komme über dich. Wir haben Gottes Segen empfangen im Glück und im Leid."

Es wurde uns bewusst, dass der Segen keine "Gelinggarantie" ist. Er kann weder Gefahren, Leid und Unglück abwehren noch automatisch Glück, Gesundheit, Wohlstand und Erfolg heraufbeschwören.

Nach dem Vortrag gab es einen regen Austausch bei Kaffee und Kuchen. Anschließend fand eine emotionale Segnungsandacht in diesem Kreis statt. Jede ging mit einem guten Gefühl und gestärkt nach Hause.

Ein Dank an alle, die dazu beigetragen haben, dass diese Tage und Nachmittage so gut vorbereitet waren.

Frau Bianca Maragliano-Pitzer und Sr. Radegundis Kaufmann