Spurensuche: Den Glauben leben

Titelthema

"Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben muss man es vorwärts", sagte der dänische Philosoph Soren Kierkegaard. Darin steckt eine gute Portion Weisheit, denn wer immer unterwegs ist, hinterlässt Spuren: am Strand, im Schnee, auf dem feuchten Waldweg. Auch Spuren der Liebe, der Hingabe und des Vertrauens sind rückblickend in unserem Leben zu erkennen. Wer einen Weg in die Zukunft sucht, hält nicht selten Ausschau nach solchen Spuren, die ihm zeigen, welcher Richtung man in seinem Leben sinnvoll trauen kann. Das können Menschen sein, die glaubhaft für ihre Überzeugungen einstehen, oder Entwicklungen in Gesellschaft und Kirche die Zukunft versprechen. Insofern ist auch mein persönlicher Glaubensweg letztlich eine ständige, nie abgeschlossene Spurensuche nach Gott in meinem Alltag.

Weit über die Hälfte meines Lebens liegt bereits hinter mir. Auch ich reflektiere immer wieder die vergangenen Jahre. Dazu helfen mir Fotos aus vergangener Zeit, aber vor allem die Aufzeichneungen in meinen Tagebüchern. Wie sich das anfühlen kann, besingt Reinhard Mey sehr schön in einem Lied: "Beim Blättern in den Bildern meiner Kindheit, find' ich viele vergilbt in all' den Jahr'n. Und and're von fast unwirklicher Klarheit, von Augenblicken, die mir wichtig war'n! ... Wie manches, dem wir kaum Beachtung schenken, uns dennoch für ein ganzes Leben prägt. Und seinen bunten Stein als ein Andenken ins Mosaik unserer Seele trägt!" ...

© Norbert Cuypers SVD aus Geist und Auftrag 2/21 Seite 4

Veröffentlicht: 11.05.2021  / Angela Küppers