Aufgerichtet! - Herr ich bin würdig...

Titelthema

Der christliche Glaube ist mehr als das Für-wahr-Halten von Glaubenssätzen und das Befolgen bestimmter Gebote und Regeln. Er ist vor allem ein Ja zur Beziehung zu Gott. Beziehungen müssen gepflegt werden, sonst verkümmern sie. Eine wichtige Hilfe sind dabei Rituale. Ihre festen Strukturen wirken entlastend, müssen aber von Zeit zu Zeit erneuert werden, um nicht einmal als nichtssagend und leblos empfunden zu werden. Manches, was lange Zeit als "schön" und hilfreich empfunden wurde, kann irgendwann andere Gefühle auslösen. Das wird mir immer wieder von Menschen in der Geistlichen Begleitung erzählt. Seit Jahrzenten nahmen sie an gottesdienstlichen Feiern teil, sprachen ohne nachzudenken die rituellen Gebetsworte mit, und plötzlich war alles anders. Ein Wort oder bestimmte Gesten rufen in ihnen Widerspruch und Protest hervor. Mehrere Menschen erzählten mir, dass es ihnen so beim Gebet vor dem Empfang der heiligen Kommunion geht: "Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach..." Es sei ihnen kaum noch möglich, dieses Gebet mitzusprechen. Es mache sie wütend und erinnere an alte Verletzungen. Was ist da passiert?

Wer sich mit der eigenen Glaubensbiographie beschäftigt, erinnert sich dankbar an Eltern und Erzieher, die Vorbilder für Gottvertrauen und engagiertes Christsein waren. Andererseits wird heute auch manches als belastend oder gar lebensfeindlich erkannt. ...

© Ralf Huning SVD aus Geist und Auftrag 4/22 Seite 4

Veröffentlicht: 08.11.2022  / Angela Küppers