Den Wandel vertrauensvoll gestalten

Titelthema

"Wer mit beiden Füßen auf dem Boden steht, kann nicht vorwärts kommen!" Diese alte Volksweisheit macht deutlich, wie sehr wir Menschen der steten Veränderung bedürfen. Schon rein biologisch gesehen, verändern wir Menschen uns ständig: vom Kind zum Jugendlichen, vom jungen Menschen zum Erwachsenen, von der Mitte des Lebens zum Alter. Seit Kindheitsstagen müssen wir immer wieder Neues lernen, uns mit Ungewohntem anfreunden und Veränderungen stellen. Wir wachsen und lernen ständig dazu. Unser Leben ist geprägt von Zeiten der Entscheidung zwischen Verzweiflung und Hoffnung, zwischen Aufgeben und Durchhalten, zwischen Starre und Veränderung. Den Wenigsten wird allen Ernstes einfallen, auf einer früheren Entwicklungsstufe stehen zu bleiben. Peinlich wirkt es, wenn sich Erwachsene in der Öffentlichkeit wie ein Kind aufführen und Menschen im Rentenalter meinen, sich wie Jugendliche kleiden zu müssen. Der Wert von Verändung liegt genau darin, dass sie unserem Leben neue, oft ungeahnte Möglichkeiten und Chancen bietet. Darauf verweist eine Aussage des französichen Schriftstelleres André Gide: "Man entdeckt keine neuen Erdteile, ohne den Mut zu haben, alte Küsten aus den Augen zu verlieren."

Trotzdem machen Veränderungen vielen Menschen Angst. In unserer extrem schnelllebigen Zeit ändert sich vieles in unserer Gesellschaft und Kirche. Damit kann mancher Zeitgenosse nicht gut umgehen. Dann ist die Versuchung groß, sich dem Heute zu verschließen und an das Gestern zu klammmern, selbst dann, wenn man intuitiv spürt, dass manches nicht so weitergehen kann wie bisher. In der Tagespolitik viele Länder kann man beispielsweise beaobachten, wie rechtskonservative Parteien an Einfluss gewinnen, indem sie einfachgestrickte, populistische Antworten auf komplexe Sachverhalte geben. Auch in kirchenlichen Kreisen machen Traditionalisten lautstark von sich reden. ...

© Norbert Cuypers SVD aus Geist und Auftrag 4/21 Seite 4

Veröffentlicht: 12.11.2021  / Angela Küppers