Was mir Kraft gibt... - Leben trotz Leid

Titelthema

Was habe ich davon, wenn ich Gott einen wichtigen Platz in meinem Leben einräume und mich an seine Gebote halte? Selten stellen wir diese Frage so ausdrücklich. Aber viele haben eine unausgesprochene Erwartungshaltung, dass sich ihre religiöse Praxis auch nützlich und heilsam für ihr Leben erweist. Das muss uns nicht erstaunen. Denn unsere Kultur ist von Nützlichkeitsdenken geprägt.
Wem als Kind die schulischen Aufgaben schwer fielen, dem macht man mit dem Hinweis Mut, dass sich die Anstregungen später bezahlt machen würden. Mit ähnlichen Versprechen versucht man uns auch im Erwachsenenalter zu einem "vernünftigen" Lebensstil anzuleiten.
So lecker auch süße Speisen sind, wir sollten darauf verzichten, um unsere Gesundheit nicht zu schädigen. Gesundheitsbewusste Ernähung und regelmäßiger Sport würden vor Erkrankungen schützen, größere Lebensfreude und längeres Leben schenken. Natürlich ist an den Empfehlungen etwas dran. Aber eine Garantie, dass der verheißene Gewinn wirklich eintritt, kann uns niemand geben. Viele, denen in der Schulzeit mathematische oder grammatische Übungen zur echten Qual wurden, stellten später als Erwachsene fest, dass sie das Erlernte in ihrem gewählten Beruf niemals benötigten. Sie kennen wahrscheinlich auch Menschen, die immer auf ihre Gesundheit geachtet und sich vorbildich an die Empfehlungen von Experten gehalten haben und doch eine schwere Erkrankung erlitten oder sogar früh sterben mussten.

Bei Menschen, die Gott in ihrem Leben einen besonderen Platz eingeräumt haben, scheint es ähnlich zu sein. Die Garantie, dass sich religiöses Verhalten positiv auf unsere Lebensqualität auswirkt, kann uns niemand geben. Auch Menschen, die ihren Glauben sehr ernst nehmen, müssen unter schlimmen Krankheiten leiden. Warum ist das so? Sind sie auch nur hochtrabenden Versprechen gefolgt? Oder haben sie vielleicht nicht richtig geglaubt und wurden darum von Gott bestraft? ...


© Ralf Huning SVD aus Geist und Auftrag 3/22 Seite 4

Veröffentlicht: 08.08.2022  / Angela Küppers