Erzählkaffee: Hinter Gittern... und dann?

Seelsorge im Frauengefängnis in Berlin

An diesem Nachmittag erzählt Sr. Annette Fleischhauer von ihrer Arbeit im Frauengefängnis Berlin Lichtenberge. „Gefängnis … das kannte ich im besten Fall aus dem Fernsehen. Bei meiner Arbeit betrete ich es nun mehrmals in der Woche. Menschen im Gefängnis stehen am äußersten Rand unserer Gesellschaft. Ich lerne kriminelle Energie und unglaubliche Schicksale kennen…. und Menschen, die auf der Suche nach ihrem Platz im Leben sind.“ 

Die Gefängnisseelsorgerin hat für die Sorgen und Nöte der Frauen ein offenes Ohr, egal ob beim Kirchencafé nach dem Gottesdienst, im Einzelgespräch in ihrem Beratungszimmer oder auf dem Gefängnisgang, hinter dem die Zellen liegen. Knapp 100 Frauen sind im geschlossenen Strafvollzug in der Lichtenberger Justizvollzugsanstalt, die meisten wegen Drogendelikten oder Beschaffungskriminalität. 

Sie hat Zeit. Für viele Inhaftierte ist ihr Büro wie eine Ruheoase. Dabei geht es in den Gesprächen oft gar nicht um Gott. Meist reden die Frauen über ihre Familie: von ihren Kindern, die ohne ihre Mutter aufwachsen, oder von Beziehungen, die in die Brüche gehen. Anders als Sozialarbeiter muss Sr. Annette bei den Gesprächen die Inhaftierten nicht beurteilen, nicht entscheiden, wie es für sie nach der Haft weitergehen soll.

Sie urteilt – und vor allem – sie verurteilt nicht: „Ich bin für die Menschen da“, betont sie, „für alles andere sind Richter und Staatsanwälte zuständig.“ Immer mehr merke sie, wie wichtig es sei, „einfach nur zuzuhören“. Mit Gott redet Schwester Annette, wenn sie Gespräche nicht loslassen, ihr Begegnungen auch nach Dienstschluss nicht aus dem Kopf gehen. „Guter Gott“, betet Sr. Annette dann, „ich habe getan, was ich tun konnte, jetzt musst du den Rest machen.“
 

Begleitung:
Sr. Annette Fleischhauer

Anmeldung:
Tel: 07392 9714 578
E-Mail: belegung@kloster-laupheim.de

Kursgebühr:
Spende für die Mission

Hinweis: Veranstaltungen können momentan nur von Geimpften, Getesteten und Genesenen besucht werden.