Trigger
11.06.2019

Symbolbild: pixabay.com

Ein Blick auf Familie von hier

Pauline M. ist gerade als MaZlerin in Dumaguete City auf den Philippinen. Dort arbeitet sie in einem großen Center, mit unterschiedlichen Angeboten für Kinder, die aus sehr armen Familien kommen oder die auf der Straße leben. In ihrem Rundbrief beschäftigt sich Pauline mit dem Thema Familie.

Du wolltest mal ein Buch schreiben
Für wen weiß ich nicht
Ein Buch ist heute nirgends
Dafür bin da ich
Ein Buch hätte dir sicher viel Geld eingebracht
Ein Kind dagegen nimmt Geld und oft auch die Nacht
Und gerade auch deshalb fragte ich mich so oft,
was hab ich dir gebracht?
Und mir so oft gewünscht, ich hätte euch stolz,
oder auch reich gemacht
Und genauso kann ich doch auch fragen;
was habt ihr mir bitte gegeben?
Die knappe Antwort wäre „Leben“
Ich kann mich über so was nur aufregen
Anders gesagt; ihr seid Schuld
An meiner Angst, meiner Wut, meiner Ungeduld
An meinem Hinterfragen und Hinfallen,
an meinem Klappe aufsperren und Türen knallen
Man könnte fragen, was eine Mutter ist
und das ist etwas, das mich bei der Arbeit manchmal anfrisst
Mein bester Schüler wird von seiner Mutter mit Kuss bis zur Tür gebracht
Meine schlechteste Schülerin wird von ihr bei den Prüfungen ausgelacht
Da sind Kinder, die schnüffeln Kleber,
weil sie keinen Halt mehr haben
Und ich höre, Armut sei, ohne Geld zu sein,
das ist, was sie sagen
Seit Jahren
bin ich das
am Hinterfragen
Armut ist nicht, ohne Geld, viel Essen und technischen Fortschritt zu sein
Armut ist von den Geliebten geschlagen, ungeliebt und allein
Armut trägt manchmal Gucci-Uhren und Armut ist nicht dreckig und klein
Denn das war ich auch mal, spielend, frei, tief im Wald
und heute bin ichs immer noch, nur in größerer Gestalt
Und unglaublich reich, denn ich habe Halt
Und du sagst, du würdest alt
Aber tatsächlich wirst du jeden Tag
neu geboren um zu leben
Das hast du mir beigebracht und
mir Sicherheit gegeben
Und du glaubst, wir gehen nun auf unterschiedlichen Wegen
Du denkst, wir hören uns nur mit Handy am Ohr
Tatsächlich bin ich dir näher als zuvor
Das ist, was Mama für mich ist
Selbst, wenn du nicht meine leibliche bist
Selbst, wenn du irgendwann meinen Namen vergisst
Und der Wind langsam deine Schnelligkeit frisst
Selbst los sagen und Selbst sein
Das Geheimnis ist, dass du der Reichtum bist
Weil du mir alles, was du hast gibst
Weil du mich bedingungslos liebst
Du wirst nie die beste Mutter der Welt werden oder sein
Egal wie viel 2€-Beste-Mama-Der-Welt-Tassen sich in deinen Schränken reihen
Dafür hast du mir zu oft den Kopf verglüht, mit dem Föhn
Aber gerade deine Fehler, das du sie zugibst, machen dich schön
Du heute im Norden, ich im Süden
Ich hier, du da drüben
Jede Woche sehe ich so viele Mütter in der Klinik sich um ihr Kind sorgen,
die, wenn es um ihr Kind geht, alles schaffen
Und jede Woche Kinder ganz ohne Eltern,
Erzeuger, die nur einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen
Und doch können diese Kinder lachen
Weil Mama nicht heißt, gebären zu können
Weil Mama heißt, ein Kind beim Namen zu nennen
Du wolltest mal ein Buch schreiben
Für wen weiß ich nicht
Ein Buch ist heute nirgends
Dafür ein Wesen, das spricht
Dem gesagt wird, dass es eine Mutter Andern ist
Ein Buch ist in der Ferne und daher nun auch ein Gedicht
Für dich
Weil du Mama bist