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"Wenn wir das Leben teilen wie das täglich Brot"

Berufungsgeschichte von Sr. Bettina Rupp

Das Leben teilen wie das tägliche Brot", das hört sich alltäglich an und gleichzeitig lebensnotwendig. Denn wer braucht nicht das tägliche Brot, und wer will nicht leben – so richtig leben?! Und vielleicht ist es das, was mich sicherlich unter ganz vielen verschiedenen Motivationen zu den Steyler Missionsschwestern geführt hat und was mich mit ihnen gemeinsam und voller Leidenschaft unterwegs sein lässt.

Es ist die Sehnsucht, die uns allen "innewohnt" – nach Leben. Und sie ist, wie Nelly Sachs sagt, "der Beginn allen Lebens". Diesem Beginn und jedem Anfang wohnt, frei nach Hermann Hesse, "der Zauber inne". Das möchte ich mit Ihnen, liebe LeserInnen, teilen – die Sehnsucht nach Leben, das Teilen des täglichen Brotes und den Zauber, der diesem alle innewohnt.

Eine Berufungsgeschichte? Ja, eine Berufungsgeschichte, wie die Lebens-, Sehnsuchtsgeschichte vieler eine Berufungsgeschichte ist.
1990 durfte dieser Zauber beginnen, und ich machte mich, von Ängsten begleitet, auf den Weg nach Chile, um dort als "Missionarin auf Zeit" in eine ganz andere Wirklichkeit einzutauchen und eine Zeit lang auszusteigen aus der mir bekannten, zwar lieb gewonnenen, doch meine Sehnsucht nicht stillenden Wirklichkeit.

Als Bankkauffrau ausgelernt und schon fast auf dem Wege einer "etablierten Ehefrau" stellte ich fest: ich muss weitergehen – es treibt mich und es hält mich zugleich; und doch: es treibt mich.
Ich bin weitergegangen, nicht mutig, aber konsequent. Nach meinem Einsatz in Chile war für mich klar, das Leben braucht oder verlangt von mir mehr als meine gut gemeinten und auch wichtigen Spenden – das Leben sucht nach mir selbst, es braucht mich. Und so wurden in einer Aufführung zum Fest des heiligen Dominikus die beiden Sätze: "Wenn du mehr willst, musst du auch bereit sein, mehr zu geben" und  "Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt" für mich zu Schlüsselerfahrungen, die mich losgehen ließen.
Ich gab Sicherheiten und vor allem die geliebte Heimat auf. Das hört sich jetzt dramatisch an und, ehrlich gesagt, das war es auch. Sagt man doch von den SaarländerInnen: Wenn sie nur vom Keller in das Dachgeschoss ziehen, sterben sie schon vor Heimweh. Und fast war es auch so. Es hat Jahre gedauert, bis mein Heimweh sich in Heimat verwandelt hat und in Leidenschaft für das "Mehr" im Leben. Aber zurückgehen, das hätte ich nie gekonnt, war doch da eine Sehnsucht, die trieb – der Zauber, den ich schmeckte und erahnte.

Heute darf ich teilen, was mich auf den Weg gebracht hat, "das Leben und das tägliche Brot".
Ich bin 1991 bei den Steyler Missionsschwestern eingetreten. Nach dem Noviziat in Österreich bin ich nach Berlin zum Studium für Sozialarbeit gegangen und anschließend hier nach Mönchengladbach. Hier durfte ich mit meinen Mitschwestern zusammen einen Treffpunkt für Menschen, die von Armut und Ausgrenzung betroffen sind, mit aufbauen. Mit den betroffenen Menschen gemeinsam gestalten wir einen Ort, der Teilhabe an Kirche und Gesellschaft wieder möglich macht.

Wir Steyler Missionsschwestern haben an diesem Ort jetzt eine Kommunität gegründet und möchten unser gemeinsames Haus offener gestalten.
Heimat soll entstehen. Heimat für Menschen, die keine Heimat haben. Heimat, wo das Leben und das tägliche Brot geteilt werden  – wohnt diesem nicht ein Zauber inne?

Sr. Bettina Rupp SSpS