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Elisa H. - Bolivien: Gut aufgenommen in Cochabamba.

Für ein Jahr werde ich in Bolivien in der Stadt Cochabamba mitleben, mitbeten und mitarbeiten.

In meinen ersten zwei Wochen in Cochabamba habe ich erstmal einen Sprachkurs besucht, um mein Spanisch noch ein bisschen zu verbessern. In dieser Zeit habe ich in einer Gastfamilie gelebt, um das Gelernte direkt anwenden zu können. Dadurch habe ich viel mehr gelernt, als in den zweieinhalb Jahren Spanischunterricht in der Schule. Mittlerweile klappt es schon ziemlich gut; ich verstehe immer mehr, nur das sprechen fällt mir noch schwer.
Nach diesen zwei Wochen bin ich mit meiner Mit-MaZlerin (Missionarin auf Zeit) Josefine, mit der ich hier in Cochabamba lebe und arbeite, in das Haus der Josefsschwestern gezogen. Wir leben hier in einer Art WG mit anderen Studentinnen (bzw. Auszubildenden) oder Frauen, die in Cochabamba arbeiten. Jeder hat sein eigenes Zimmer und wir teilen uns Küche und Bad sowie den Bereich zum Wäschewaschen.

Gott sei Dank war die MaZlerin, die vor uns auf der Stelle war, noch hier und konnte uns ein bisschen was über das Haus, die Arbeit und die Stadt im Allgemeinen erklären. Außerdem konnte sie uns zeigen, wie man Trufi fährt und wie man von hier nach da kommt. Trufis und Micros sind die öffentlichen Verkehrsmittel in Cochabamba. Trufis sind Kleinbusse, Mircos sind ein bisschen größer. Das System mit den Trufis finde ich wirklich gut, denn man muss dem Trufifahrer einfach nur kurz zuwinken, damit man signalisiert, dass man mitfahren möchte. Dann kann man solange mitfahren, wie man will, und man bezahlt immer denselben Preis. Das einzig Schwierige ist nur, dass es keinen Fahrplan gibt. Aber irgendwann kannte ich die Strecken und kenne mich jetzt auch ein bisschen besser aus.

Jetzt möchte ich gerne noch etwas über meine Arbeitsstelle hier in Cochabamba erzählen. Wir arbeiten in der Fundción "Estrellas en la calle", was übersetzt Stiftung "Sterne auf der Straße" bedeutet. Es gibt dort zwei verschiedene Projekte. Nach dem Sprachkurs haben wir erstmal zwei Wochen in Coyera gearbeitet. In diesem Projekt geht es darum für die Menschen ein Freund zu sein, denn das heißt Coyera übersetzt. Wir holen Straßenkinder von den Plätzen, wo sie sich immer aufhalten, und fahren mit ihnen auf einen Bolzplatz zum Fußballspielen. Manchmal machen wir auch Tagesausflüge wie z.B. Klettern. Zum Abschluss bekommt jeder noch etwas Warmes zu essen.
Wir arbeiten aber auch mit Erwachsenen, indem wir uns einfach zu ihnen setzen und ihnen zuhören oder etwas spielen. Ein Mann hat mir einmal unter Tränen erzählt, dass er keine Familie mehr hat und dass das Projekt Coyera das Einzige ist, was ihm noch bleibt. Er hat mir sein ganzes Herz ausgeschüttet, obwohl wir uns kaum kannten. Leider habe ich nicht alles verstanden, da mein Spanisch noch nicht so gut ist und der Mann auch durchgehend geweint hat. Aber das was ich verstanden habe, hat mich schon sehr getroffen. Anschließend hat er sich bei mir und bei allen anderen bedankt, dass wir ihm zuhören und dass wir einfach da sind. Dieses "Dankeschön" kam aus vollem Herzen, was mich schon sehr berührt hat.

Das andere Projekt ist Feníx, in dem wir jetzt schon seit zwei Wochen arbeiten. Dieses Projekt ist präventiv. Man arbeitet hier mit Kindern und Eltern aus sozialen Brennpunkten. Diese Kinder haben alle eine Familie und gehen auch zur Schule, im Gegensatz zu den Kindern aus Coyera. Wir versuchen, den Kindern diese Schulbildung zu ermöglichen, indem wir ihnen Schulsachen oder eine Schuluniform kaufen, wenn die Eltern kein Geld haben. Außerdem versuchen wir somit zu verhindern, dass die Kinder die Schule abbrechen oder sogar auf der Straße leben müssen. Die Kinder kommen jeden Tag in das Projekt und bekommen Frühstück und Mittagessen. Danach machen wir mit ihnen zusammen Hausaufgaben, was echt eine Herausforderung ist, da sie meistens keine Lust haben und sich außerdem schlecht konzentrieren können. Wenn die Hausaufgaben geschafft sind, spielen wir etwas mit ihnen. Die Kinder nehmen mich hier wirklich super auf und wollen dauernd etwas mit mir machen, was aber auch ziemlich anstrengend sein kann. Morgens sind ungefähr 40 Kinder im Projekt. Wenn diese dann in die Schule gehen, kommen die anderen Kinder, die morgens Unterricht hatten. Das sind nur etwa 15 Kinder, dann ist es wesentlich angenehmer.

Wir werden aber nicht nur von den Kindern und den Arbeitskollegen gut aufgenommen, sondern auch in der Gemeinschaft der Schwestern und in der Pfarrgemeinde bei uns in der Nähe. Jeden Samstag helfen wir den Schwestern bei der Katechese. Des Weiteren singen wir jeden Sonntag im Gottesdienst im Chor mit. Die spanischen Lieder werden mit dem Klavier und der Gitarre begleitet und meiner Meinung nach erfüllen diese Lieder den Gottesdienst mit mehr Freude, weshalb ich auch ganz gerne dort hingehe.