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Janina J. - Ereignisreiche letzte Wochen

An dem Tag, an dem ich meinen letzten Rundbrief abschickte, fuhren wir mittags aufs Land in ein Dorf in der Nähe Potosís. Dort haben wir mit zwei Lehrerinnen und ihren Familien gegrillt und gekocht und haben gesehen, wie die hier typischen fetten Bohnen (Habas) geerntet werden. Auf dem Land hier in der Umgebung ist es deutlich wärmer und es ist eine schöne Abwechslung, so viel Grün zu sehn.

Am darauffolgenden Wochenende konnten wir dann auch endlich den Retiro (spiritueller Ausflug, Einkehrtage) mit der Pastoral-Jugendgruppe verwirklichen. Wir sind zu der Lagune Lakachaka gefahren und haben dort einige Themen vor religiösem Hintergrund diskutiert. Unter anderem Liebe, Schuld und Vergebung.
Nebenbei blieb aber auch noch genügend Zeit, um mit einem kleinen Ruderboot auf den See hinauszufahren und zusammen zu kochen. Es gab auch frische Forelle und ich habe auf Grund einer starken Verspätung des Essens dann tatsächlich mal ein wenig probiert – frittiert- gar nicht so übel (wenn man eigentlich keinen Fisch mag).

In der Woche darauf regnete es so heftig, dass es zu Stromausfällen kam und man nicht mehr trockenen Fußes die Straße passieren konnte, da diese sich in einen reißenden Bach verwandelt hatte.
Außerdem war die Pastoralgruppe an der Reihe, den Kreuzweg der Gemeinde zu gestalten. Wir haben ein wenig geschauspielert. Ich spielte Maria. Der geborene Schauspieler bin ich wohl eher nicht. Aber ich denke, letztendlich war es ein Erfolg.

Im April bekam ich Besuch von meinem Freund und konnte mit ihm La Paz und die Umgebung erkunden. Ostern sind Dominik und ich nach Potosí gefahren, wo wir nach der Vorabendmesse noch einige Leute, die ich kenne, getroffen haben. Da es ein Wochenende war, konnten wir leider in der Schule niemanden antreffen. Aber dafür konnten wir ein paar schöne Orte in der Stadt besuchen (unter anderem den großen Wochenendmarkt, die Feria).
Leider hatte ich mir während der Zeit allerdings eine fette Grippe eingefangen und musste deshalb nach der Rückkehr erst einmal zum Arzt. Dank der guten Beziehungen der Schule zu dem naheliegenden Krankenhaus bekam ich auch gleich ein Inhaliergerät ausgeliehen, so dass es mir bald besser ging.

Am 5. Juli feierten wir den Tag des Lehrers. Morgens wurde erst im Coliseo (Aula)  getanzt und danach gab es in der Klasse zwei riesige Torten. In die eine wurden die Praktikantin und ich auch spontan bei dem traditionellen Anbeißen der Torte hineingedrückt, sodass unsere Gesichter voller Sahne waren und wir lachend und kaum Luft bekommend wieder auftauchten. Wir bekamen sogar kleine Geschenke von den Eltern der Kinder.
Mittags gab es ein Essen mit allen Lehrern, die vormittags unterrichten und abends wurde noch einmal mit allen Lehrern der Schule gemeinsam gegessen. Es gab wie immer reichlich Fleisch und mehrere Beilagen. Die Tische waren liebevoll dekoriert und alles wurde Tage vorher geplant. Etwas Vergleichbares habe ich in Deutschland nicht erlebt, bzw. davon gehört.

Im Fitnessstudio habe ich zwei Tanzkurse ausprobiert. Bei diesen zwei Malen lernte ich direkt zwei neue Freundinnen kennen, mit denen wir jetzt öfter etwas unternehmen. Sie haben uns auch beigebracht Pasteles, ein typisch bolivianisches, frittiertes Käse-Teigtaschen-Gebäck, welches z.B. zu Api (typisches Maisgetränk) serviert wird, zu machen. Allerdings sind sie uns nie so gut gelungen, wie die, die hinter dem Markt verkauft werden.
Außerdem sind wir an einem Wochenende zu heißen Quellen in ein etwas entfernteres Dorf namens Chaqui gefahren. Dort gab es unter anderem ein kleines Becken, in dem man mit dem Quellwasser Eier kochen konnte, da es dermaßen heiß war. Leider wurde unser erster Sack mit Eiern geklaut. Ich fürchte, der andere Mann, der dort kochte, nahm sie, in der Annahme, es seien seine, mit. Wir versuchten es aber noch einmal – mit Erfolg. Die Eier waren durch und sehr lecker.

Dann gab es noch den Peatón, einen Tag, an dem keine Autos fahren durften und alle zu Fuß gingen. Wer doch sein Auto nutzte, musste mit Geldstrafen rechnen. Wir liefen an diesem Tag nach der Messe mit der Pastoralgruppe durch die halbe Stadt, zu den Alasitas (Kirmes). Dort gab es auch wieder meine geliebten Erdbeeren mit Schokohülle für 5 Boliviano und darüber hinaus viel Essen, Schnickschnack, Spiel- und Schießstände und Fahrgeschäfte.

In den drei Ferienwochen besuchten wir mit einigen Leuten der Organisation meiner Mitfreiwilligen ein kleines Dorf in der Nähe von Tarija, namens Tariquia. Dort wanderten wir viel und aßen mit einer dort lebenden Familie zu Mittag. Danach durften wir noch die Schule des Dorfes besichtigen und bekamen ein paar Infos über das Schul- und Internatsleben vor Ort.
Am darauf folgenden Tag erkundeten wir Tarija. Wir fuhren raus zu den Weinbergen, machten eine Weinprobe, schauten uns die Stadt an und kauften leckeren Honig, der dort auf dem Land hergestellt wird.

Zurück in Potosí genieße die letzten Arbeitswochen hier mit den Kleinen. Ich bin eigentlich ganz zufrieden mit der Regelung, dass ich drei Tage in der Vorschule und zwei in der ersten Klasse arbeite. So arbeite ich zwar zwei Tage die Woche eineinhalb Stunden länger, als ich normal arbeiten würde, aber das ist echt nicht schlimm, weil jetzt alles auf Grund der Kälte eh eine Stunde später beginnt.
Das einzig Unangenehme ist, dass ich dadurch etwas spät zum Mittagessen komme, so dass die Schwestern und meine Mitbewohnerin schon fast fertig sind, wenn ich eintreffe.
Nachmittags singen wir jetzt auch fleißig auf Englisch mit den Sechstklässlern. Einige sind sehr begeistert dabei und kommen tatsächlich jedes Mal zu den Klassen, obwohl es freiwillig ist. Alles in allem bin ich sehr zufrieden und bin schon sehr traurig das alles bald verabschieden zu müssen.
Mir bleiben noch zwei Wochen und die habe ich vor, so gut wie möglich auszunutzen. Dies ist allerdings der letzte Rundbrief. Es war wieder eine sehr glückliche, ereignisreiche Zeit, auf die ich zurückblicken kann und an die ich mich mit Freude erinnern werde.

Veröffentlicht: 11.10.2017 / Martin Eibelsgruber

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