Trigger

Janina J. - Bolivien: Weihnachtsengel und Karnevalsumzüge

Seit dem letzten Rundbrief ist schon wieder echt viel Zeit vergangen.
Über Weihnachten und Silvester war ich in Tapacarí, einem Dorf im Departement Cochabamba, wo auch Steyler Schwestern sind. Dabei habe ich nochmal eine ganz andere Seite Boliviens kennengelernt: das Land.
Tatsächlich unterscheidet es sich in einigem von der gewohnten Stadt Potosí – nicht nur durch den höheren Brotpreis. Auf dem Land sprechen noch viel mehr Menschen Quechua (bzw. Aymara in anderen Regionen), also die nativen Sprachen des Landes. Während in Potosí und in Cochabamba Quechua teilweise erst später in der Schule gelehrt wird, wird auf dem Land (zumindest in den Dörfern) Spanisch schon im jungen Alter gelehrt.

Am Anfang meiner Zeit in Tapacarí haben wir eine Kommunität, eine Art winziges Dörfchen, besucht. Diese bestand aus etwa sieben Häusern. Es regnete heftig. Als wir ankamen, wurden wir sofort hereingebeten und mit heißem Tee versorgt.
Ich finde es erstaunlich, mit wie wenig man tatsächlich leben kann und mit wie viel Gastfreundschaft wir überhäuft wurden. Wir wurden zu reichlichem Essen eingeladen. Am nächsten Tag fand eine Hochzeit statt. Das war auch der eigentliche Grund unseres Besuches. Denn wir durften den Padre (Priester) und einen Seminarista (Priesteramtskandidaten), der sich noch in der Ausbildung zum Padre befindet, begleiten, da sie am nächsten Morgen einen Gottesdienst hielten.
Zu der Trauung kamen dann auch noch einige Taufen. Leider habe ich im Gottesdienst nicht viel verstanden, da sich mein Quechua auf wenige Worte beschränkt. Aber danach durften wir an die Kinder Süßigkeiten, welche der Padre mitgebracht hatte, verteilen, sodass wir auch einen kleinen aktiven Beitrag leisten konnten. Die Heimfahrt durch das bergige Land habe ich total genossen.

Weihnachten haben wir im Kreis der Schwestern und mit dem Padre und den beiden Seminaristas gefeiert. Nach dem Essen gab es einen Gottesdienst, der sich lustigerweise total nach uns gerichtet hat, da dieser ja nicht beginnen konnte, ehe der Padre aufgegessen hatte. Im Anschluss an den Gottesdienst haben die Kinder die tagelang vorher einstudierten Tänze aufgeführt. Das alles wurde in eine Art Krippenspiel verpackt, bei dem ich den Engel spielen durfte. Danach haben wir noch mit den Kindern frei im Kreis getanzt.
Für Silvester kam Hannah (eine weitere MaZ) nach Tapacarí, um mit uns zu feiern. Da die Schwestern und auch sonst niemand im Dorf großartig feierlustig wirkte, haben wir Silvester dann zu dritt mit Stockbrot und Schokolade genossen. Ein so warmes Silvester habe ich trotz dem letzten echt warmen Winter in Deutschland noch nicht erlebt.

In Oruro habe ich mit Sophie, einer österreichischen Freundin aus Potosí, und weiteren Freiwilligen sowie einigen Bolivianern Karneval gefeiert. Wir haben den riesigen Zug aus Tanzenden, die selbst bei strömendem Regen nicht ihre Eleganz verloren, von unseren trockenen Sitzplätzen aus bewundert.  Es wurde natürlich auch ganz viel mit Schaum gesprüht, da Wasser zu spritzen ja auf Grund des Wassermangels verboten ist.

Unsere erste Deutschstunde, die wir gestern gegeben haben, lief auch sehr gut. Wir hoffen, noch ein bisschen Werbung machen zu können, damit wir nächstes Mal über die vier Neugierigen hinauskommen. Nachmittags geben wir ab jetzt Montag bis Mittwoch jeweils eine Stunde Englischnachhilfe für die 6. Klasse und dienstagabends geben wir zusätzlich für alle, die Lust haben, Deutschunterricht und am Donnerstagabend für alle Interessierten Englischunterricht.
Außerdem haben wir uns in einem Fitnessstudio angemeldet, um uns das ganze gute Essen abzutrainieren und für mehr Bewegung zu sorgen.

In Potosí haben wir die letzten Ferientage genossen, währenddessen das leicht geruchsintensive Katzenzimmer gereinigt und in ein gemütliches Fernsehzimmer verwandelt, wo sich nun auch die neugeborenen Katzenbabys tummelten. Allerdings fürchten wir, die Katze ist erneut trächtig. Wir werden jetzt wohl erstmal auf eine Sterilisierung sparen.
Außerdem habe ich direkt schon wieder die Kinder von  der sonntäglichen Kindergruppe gesehen.

Dann ging auch schon die Schule los; der "Kinder" (Ich bezeichne ihn ungern als Kindergarten, da es eher eine Art Vorschule ist, wenn man bedenkt, was die Kinder mit ihrer Schreibarbeit schon leisten. Hinzu kommt, dass es auch hier schon Klassen gibt und kein freies Spielen, wie man es aus deutschen Kindergärten kennt) erst später.
Deshalb haben wir eine Woche zunächst in der ersten Klasse geholfen, so dass ich in meiner alten Klasse vom "Kinder" war. In der helfe ich jetzt auch donnerstags und freitags mit aus, während ich Montag bis Mittwoch in einer neuen Klasse im "Kinder" bin. Mit der haben wir an "Comadres" (Weiberfastnacht) auch schon ordentlich gefeiert. Anfangs waren noch viele am Weinen und wollten zu ihren Müttern, aber mittlerweile haben sie sich einigermaßen eingefunden und ich kann auch schon ein paar Namen.

Zwischendurch war ich in Santa Cruz zum Zwischenseminar, wo ich mich mit anderen Freiwilligen austauschen und Probleme besprechen konnte. Außerdem habe ich dort meinen Geburtstag gefeiert und wurde mit einem riesigen Kuchen, verziert mit Cerealien,  überrascht.
Glücklicherweise wurde mein Geburtstag auch zum Ausflugstag erkoren, sodass wir dort den Zoo und botanischen Garten sowie die Innenstadt besuchen konnten.

Veröffentlicht: 16.03.2017 / Martin Eibelsgruber

Mehr gibt's hier:
Freiwilligendienst MaZ (MissionarIn auf Zeit)
Weitere MaZ-Berichte