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Luisa Müllers - Bolivien: Tag des Kindes und des Göttlichen Kindes

Jetzt sind schon elf Monate vergangen und es fehlt nicht mehr viel bis zu meiner Rückkehr nach Deutschland. Doch noch bin ich hier und genieße die Zeit, die mir bleibt.
Kurz nachdem ich meinen letzten Rundbrief verschickte, bekam ich Besuch von meinen Eltern. Ich habe mich riesig gefreut, und wir hatten uns natürlich wahnsinnig viel zu erzählen. Wir erkundeten gemeinsam Sucre, Sopachuy und fuhren außerdem nach La Paz, wo wir die Inkaruinen von Tiwanaku besichtigten.

Ostern verbrachten wir hier in Sopachuy, und es war dem deutschen Ostern erstaunlich ähnlich, vor allem die Osternacht. Ich hätte das Osterfeuer und die Kerzen aber sonst auch sehr vermisst. Wir haben uns natürlich Ostereier gefärbt, auch wenn dies in Bolivien kein Brauch ist.
Dafür gab es natürlich wieder einen Stierkampf, diesmal allerdings mitten auf der Plaza, ohne Absperrung, Polizei oder sonst was. Wir standen ungefähr drei Meter vom Kampf entfernt, und obwohl der "Stier" eher eine kleine Kuh war, bekamen wir es schon mit der Angst zu tun, als er so frontal auf uns zugerannt kam.

Am Ostermontag war wieder normal Schule und somit auch Arbeit angesagt. Meine Eltern konnten so die Kinder kennenlernen und halfen mir auch bei der Arbeit, soweit dies ohne Spanischkenntnisse möglich war.
Highlight war natürlich das Eis zum Imbiss. Ich kann zwar nicht für meine Eltern sprechen, aber ich denke es hat ihnen gefallen, obwohl die Armut natürlich schockiert.

Kurze Zeit später bekamen wir weiteren hohen Besuch in Sopachuy, und zwar vom Präsidenten Evo Morales höchstpersönlich. Das war natürlich ein aufregender Tag und Sopachuy bekam auch viel Besuch aus den Nebendörfern und -städten. Es wurden viele Ansprachen gehalten – natürlich auch vom Präsidenten höchstpersönlich – und im ganzen Dorf waren Imbissbuden aufgestellt.
Ich war natürlich auch dabei, denn wann sehe ich den Präsidenten von Bolivien wohl nochmal live? Allerdings war die Veranstaltung für mich eher langweilig, da man durch die schlechte Qualität der Mikrofone kaum etwas verstehen konnte und zwischendurch ausschließlich in Quechua geredet wurde.
Aber wie sagt man so schön? Dabei sein ist alles.

Evo Morales ist der erste indigene Präsident in Bolivien und hat deshalb auch so viel Unterstützung vom Volk – besonders natürlich von der Bevölkerung auf dem Land. Auch ist er der erste Präsident, der die Dörfer besucht, was ihn natürlich noch einmal sympathischer macht.
Momentan ist er in seiner zweiten Amtszeit, die noch bis 2019 dauert, danach kann er nicht wiedergewählt werden.

Am 12. April war hier "Día del Niño" (Tag des Kindes) und dieser Tag wurde natürlich gebührend gefeiert. Die Kinder hatten keinen Unterricht, sondern wurden in der Schule gut mit Kuchen und anderen Leckereien versorgt. Somit gab es an dem Tag auch keine Hausaufgaben und die Kinder durften für eine Stunde an den Fluss.

Ende April, am 24., war außerdem das Fest des "Divino Niño" (Göttliches Kind), dem Namenspatron der Pfarre in Sopachuy.
Zu seinen Ehren feierten wir eine fast zweistündige Messe mit anschließender Prozession durchs Dorf, die mich an unser Fronleichnam erinnerte. Wir hielten bei mehreren Altären, die vor Häusern, Läden, dem Krankenhaus und auch vorm Comedor aufgebaut waren.
Die Messe und Prozession wurde vom deutschen Bischof Adolfo geleitet, der auch schon die Firmung letztes Jahr leitete.

Der Mai war genau wie bei uns voller Feiertage: Tag der Arbeit, Pfingsten, Fronleichnam, Muttertag (in Bolivien der 27. Mai), Jahrestag unseres "Bundeslands" Chuquisaca und natürlich mein Geburtstag. Letzteren habe ich mit meinen Freunden, die ich hier gefunden habe, gefeiert und es war ein toller Tag.

Seit Anfang Juli haben die Kinder nun Winterferien, und mit ihnen auch Lara und ich. Die erste der beiden Wochen verbrachte ich in Sopachuy, denn es war ziemlich viel los. Aus allen Ecken des Landes kamen Leute zu Besuch, es gab viele Marktstände, Viehverkauf, Fußballmeisterschaften der Männer und Frauen, Spiele für die Kinder, wie z.B. eine Hüpfburg, Pferderennen und vieles mehr.
In der zweiten Woche fuhr ich nach Santa Cruz de la Sierra, eine riesige und leider auch sehr dreckige Stadt im Osten Boliviens. Ich genoss die Wärme – hier ist es fast das ganze Jahr über warm, im Sommer wird es bis über 40°C heiß – denn in Sopachuy merkt man den Winter deutlich, vor allem nachts. Hier machte ich eine Woche Urlaub, bevor am Montag wieder die Arbeit anfängt – die letzten drei Wochen.

Zu guter Letzt würde ich gerne von meiner Arbeit im Comedor erzählen. Anfang April habe ich endlich Unterstützung durch eine neue Lehrerin bekommen. Sie heißt Ely und ist 20 Jahre alt. Wir verstehen uns sehr gut und sie erleichtert die Arbeit natürlich sehr. Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit meiner Arbeit und froh den Kindern helfen zu können, besonders denen, die sonst im Unterricht weit zurückfallen würden.

Veröffentlicht: 17.07.2016 / Martin Eibelsgruber