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Nikolina F. - Bolivien: Cochabambinos viven para comer...

... no comen para vivir. (Die Einwohner Cochabambas leben, um zu essen, und essen nicht, um zu leben.)

Kaum zu glauben, wie die Zeit vergeht. Vor fast drei Monaten landete ich am frühen Morgen voller Euphorie mit meinen zwei Koffern, einer Packung Missionsgedanken und einem Haufen Vorfreude am Flughafen von Cochabamba in Bolivien.
Von da an habe ich schon so viel erlebt und es fühlt sich an, als wäre ich schon eine Ewigkeit hier. Es freut mich, euch darüber ein wenig zu berichten.

Die ersten zwei Wochen verbrachte ich in einer Gastfamilie, währenddessen ich in einer Sprachschule meine Spanischkenntnisse aufbessern konnte. Von meiner Gastmutter wurde ich reichlich mit den typischen Köstlichkeiten Cochabambas verwöhnt. Wie zum Beispiel: Pique Macho (Fleischstücke, Würstchen, Zwiebeln, Locoto, gekochte Eier und Senf und Ketchup), Chancho (Schweinebraten), Saice und so weiter.

Nach dreiwöchiger Sprachschule bin ich zusammen mit meiner Mitfreiwilligen Isabel in ein Wohnheim der Josef-Schwestern, im Norden von Cochabamba, gezogen. Mit zehn weiteren bolivianischen Mädchen teilen wir uns die Küche, den Waschraum und einige Aufenthaltsräume. Im Gegensatz zum überfüllten Zentrum und dem ärmeren Viertel im Süden ist der Norden der Stadt relativ ruhig.

Cochabamba ist bekannt für das Essen und man sagt auch, dass die "Cochabambinos" für das Essen leben und nicht essen, um zu überleben. In der Gastronomiestadt Boliviens schlechthin wird gefühlt jede zwei Meter auf der Straße Essen verkauft.
Mitten in der Stadt gibt es einen riesigen Markt. Dort kann man alles kaufen, was das Herz begehrt von Hygieneartikeln und Elektroartikeln bis zu (Haus-)Tieren und Gewürzen, einfach alles. Ich erlebe die Bolivianer als ein sehr offenes Volk und ich fühlte mich von Anfang an wohl.

Cochabamba liegt mitten in Bolivien und das auf 2.300 m Höhe, was sich in den ersten Tagen an meiner Ausdauer spürbar machte. Zurzeit befinden wir uns im Frühling und der Thermometer steigt auf 30 Grad.
Das Klima ist fast über das ganze Jahr konstant und wenn es 25 Grad hat, sagen die Bolivianer schon "hace frío" (es ist kalt). Bald beginnt die Regenzeit und auch Weihnachten steht vor der Tür. So bin ich sehr gespannt, ein Weihnachtsfest bei dieser Hitze zu erleben.

Wie bereits bekannt, arbeite ich in der "Fundacion Estrellas en la Calle" (Stiftung Sterne auf der Straße). Diese arbeitet mit Kindern und jungen Erwachsenen, die in extremer Armut oder auf der Straße leben.
Dabei gibt es zwei Projekte: "Coyera" ist das Projekt, das direkt mit auf der Straße lebenden Kindern, jungen Erwachsenen und Erwachsenen arbeitet. Das Team besteht aus Sozialarbeitern, Psychologen und einem Arzt, welche die Straßengruppen aufsuchen und Vorträge über Krankheiten, Drogen, ihre Rechte oder ihre Lebenspläne halten.
Oft unternimmt man mit ihnen Aktivitäten, dazu zählt Fußball auf der "Cancha" (Sportplatz), das Lösen von Kreuzworträtseln oder Malen. Währenddessen versucht man mit ihnen ins Gespräch zu kommen, um sie besser kennenzulernen und immer mehr Vertrauen zu gewinnen.

In "Wiñana" arbeiten wir mit Personen, die es geschafft haben, die Straße zu verlassen und wieder Fuß gefasst haben. Dabei unterstützt sie die Fundacion finanziell und begleitet sie auch bei ihren Einkäufen. Sie werden regelmäßig zu Hause besucht.
In diesem Projekt verbringe ich meine Nachmittage, indem ich meine Mitarbeiter des Projekts bei den Hausbesuchen begleite. Meistens spiele ich mit den Babys der Familien,  dabei mache ich ein paar Bilder, oder höre einfach nur zu. Zurzeit ist leider nicht mehr möglich, da ich der spanischen Sprache noch nicht mächtig bin und das gewisse Vertrauen noch aufgebaut werden muss, wobei das Vertrauen mit jedem Gespräch und Lächeln immer mehr wächst.

Das zweite Projekt heißt "Fenix" und ist eine Art Tagesbetreuung für Kinder, die in sehr armen Verhältnissen leben. Einige Kinder leiden unter häuslicher Gewalt oder Alkoholkonsum der Eltern. Dabei werden sie oft vernachlässigt und man versucht, den Kindern im Projekt eine schönere Kindheit und mehr Möglichkeiten im Leben zu bieten und präventiv zu verhindern, dass sie auf die Straße landen.
Dementsprechend werden sie in verschiedenen Bereichen gefördert, wie zum Beispiel im Bereich Artistik mit Tanz- und Gesangsunterricht und  sie bekommen Material für die Schule.

Zurzeit arbeite ich morgens in diesem Projekt. So klingelt mein Wecker schon früh, denn ich brauche ungefähr eine ganze Stunde mit dem Trufi, einem Sammeltaxi, zum Projekt.
Es gibt vier verschiedene Gruppen, getrennt je nach Alter. Die ganz kleinen von zwei bis sechs Jahren, zwei Gruppen von sechs bis elf Jahren und die Jugendlichen.

Um zehn Uhr gibt es für alle Frühstück: ein Brötchen, Tee oder Kakao. Und danach gibt es noch eine Aktivität. Die Kinder aus meiner Gruppe (sechs bis elf Jahre) lassen ihrer Kreativität beim Malen, Basteln oder Kneten freien Lauf. Meine Aufgabe ist, den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, da einige damit Probleme haben.
Außerdem helfe ich bei der Essensausgabe, spiele einfach nur mit ihnen oder mache eigene Aktivitäten mit ihnen. Es ist sehr schön, zu sehen, wie die Kinder lachen und Spaß dabei haben, und ich spüre, wie glücklich und sorgenlos sie dabei sind.
Auch wenn ich derzeit nicht viele Aufgaben habe, freut es mich, jeden Tag für die Kinder einfach nur da zu sein. Denn sie brauchen und suchen die Zuneigung, die sie zu Hause vielleicht nicht bekommen.

Nach dem Mittagessen wird das Haus geputzt und jedes Kind bekommt eine Aufgabe zugeteilt, unter anderem werden auch die Zähne geputzt.  Danach bekommen sie Fahrgeld und gehen alle in die Schule, bevor die Gruppe vom Nachmittag ankommt.

Veröffentlicht: 18.12.2017 / Martin Eibelsgruber

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