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Theresa F. - Bolivien: No podemos hacer grandes cosas

"No podemos hacer grandes cosas, pero sí cosas pequeñas con un gran amor"
("Wir können keine großen Dinge tun. Wir können nur kleine Dinge mit viel Liebe tun."- Mutter Teresa)

Das eine Mal wird man komisch angeschaut, das andere Mal wird man als "Möchte-gern-Weltretter" bezeichnet, wenn man von seinem MaZ-Einsatz berichtet. Doch bin ich mir sicher, man kann ein solches MaZ-Jahr nur machen, wenn man davon ausgeht, die Welt nicht retten zu können. Genau das ist mein Alltag hier in Sopachuy: Egal welche Arbeit ich gerade verrichte, es sind die kleinen Dinge die mein MaZ-Leben ausmachen und zu etwas Besonderem machen.

Nun bin ich bereits seit vier Monaten in Bolivien, wobei die ersten beiden Monaten mit dem dreiwöchigen Sprachkurs und dem Warten auf den langwierigen Prozess rund ums Visum ziemlich unspektakulär ins Land strichen. Umso mehr jedoch bin ich über die weiteren zwei Monate dankbar. Denn jeden Tag wird mir bewusster, dass es kein besseres Projekt für mich gäbe und ich die Arbeit, Sopachuy, die Menschen und die Kultur inzwischen sehr schätze.

Der "Comedor Popular Infantil" (dt. eigentlich "Kindervolkskantine"), das Projekt, in dem ich arbeite, wird geleitet von Josefsschwestern von Trier und ist ein Internat für ca. 20 Kinder, im Alter von sechs bis zwölf Jahren und bietet zusätzlich eine Hausaufgabenbeutreuung für 53 weitere Kinder des Dorfes bzw. der umliegenden Dörfer an. Wir (meine Mitfreiwillige Julia und ich) arbeiten dort mit Schwester Eufracia (Leiterin und unsere Mentorin), zwei Lehrern, zwei Köchinnen, einem Gärtner und einem anderen Freiwilligen zusammen.
Meine Arbeit ist ziemlich vielseitig. Mein Arbeitsalltag fängt um 7:00 Uhr mit dem Frühstück im Comedor an. Zweimal die Woche gehe ich danach direkt mit in die Grundschule, wo ich einmal nur das Unterrichtsgeschehen mit ansehe und das andere Mal als volle Lehrkraft eingesetzt werde. Dies ist jedoch spontan und kommt ganz auf den zuständigen Lehrer der Klasse an.
Die anderen Vormittage studiere ich Kirchenlieder zusammen mit einer Schwester für Festtage wie z. B. Kommunion, Firmung oder Weihnachten ein. Oder wir putzen den Comedor oder sind für den Garten zuständig.

Ab 13 Uhr geht es dann im Comedor mit dem Mittagessen und der Hausaufgabenbetreuung weiter. Gemeinsam mit einem anderen Lehrer bin ich für 24 Kinder und deren Hausaufgaben zuständig. Wenn sie damit fertig sind (was sich manchmal jedoch wirklich ziehen kann), dürfen sie ab 16:00 Uhr in den Spielesaal, in den Park oder auf den Sportplatz. Nach dem Abendessen gehen wir zweimal die Woche mit den Kindern in die Messe. Die anderen Tage gehen die Kinder bereits direkt nach dem Essen nach Hause.
Nach dem Arbeiten findet man mich oft auch bei Freizeitaktivitäten im Dorf z. B. beim Volleyballspielen oder Erkunden der wunderschönen Anden-Gegend. Und für den Festumzug der "Virgen de Remedios" (Mariengedenktag), der Patronin von Sopachuy haben wir mehrere Wochen traditionelle Tänze (Salay und Morenada) einstudiert.

Des Weiteren finde ich es super, dass wir durch die Schwestern auch viele weitere Möglichkeiten haben, die Menschen und die Kultur kennenzulernen. So gehen wir öfters auch auf Campos (ein Haus, welches sich in großer Entfernung zum Dorf befindet) und in verschiedene Comunidades (mehrere Häuser in großer Entfernung zum Dorf), um dort die Messe zu feiern, und haben dort z.mB. an Weihnachten Geschenke verteilt.
Außerdem bekamen wir die Möglichkeit eine Woche auf dem Campo mitzuleben, welches nochmals eine ganz besondere Erfahrung war. Wir waren bei einer Familie, die etwa drei Stunden von Sopachuy entfernt lebt und von welcher zwei Kinder unser Internat besuchen. Es hat mich ziemlich beeindruckt, wie sie in Einfachheit, zugleich auch in Zufriedenheit lebt.
Das einfache Lehmhaus, in dem gekocht wird und die Lebensmittel gelagert werden, wird ergänzt von einem neuen Betonhaus, welches vor wenigen Jahren von der Regierung gestiftet wurde.

Da es im Campo kein Strom für Licht gibt, wird mit der Sonne aufgestanden und auch wieder schlafen gegangen - die ersten Tage ziemlich gewöhnungsbedürftig, aber letztendlich gut machbar.
Tagsüber halfen wir beim Holzholen, Kartoffelernten, Brotbacken, Kochen, spielten mit den Kindern oder halfen einfach bei den anfallenden Arbeiten. So gingen die Tage viel zu schnell vorbei.

Einer meiner Höhepunkte jedoch ist definitiv die Geburtstagsfeier im Comedor gewesen, welche einmal im Jahr für alle Kinder gefeiert wird. Auch wenn wir erst wenige Tage in Sopachuy waren und die Kinder so gut wie gar nicht kannten, war es ein Fest, was mich überzeugt hat.
Angefangen von den strahlenden Kinderaugen beim Betreten des Speisesaales, als dieser mit Luftballons dekoriert war und das Festessen (Ente) auf dem Tisch stand, über die traditionellen Tänze bis hin zur Piñata (traditionelles Geburtstagsspiel) und der Geburtstagstorte hat man die Freude den ganzen 73 Kindern angesehen.
Besonders schön fand ich auch, als plötzlich alle Kinder auf uns zugestürmt kamen und auch uns, den Lehrern und den Schwestern mit vielen Umarmungen zum Geburtstag gratuliert haben.
Der Tag war sichtlich für die Kinder aber genauso für uns etwas ganz Besonderes.

Auch Weihnachten war eine besondere Erfahrung für mich, da ich es als absolut schwierig empfand, in Advents- bzw. Weihnachtsstimmung zu kommen aufgrund der Hitze und fehlenden Gewohnheiten, die man in Deutschland so hat.
Durch einen Plätzchen-Back-Tag und die Weihnachtslieder, welche wir eine Woche lang jeden Tag geprobt haben, gelang mir dies letztendlich doch noch. Und so konnte ich nicht nur die (für unsere Verhältnisse) mit schwungvollen Liedern gestaltete Messe mitfeiern, sondern auch an weiteren Traditionen von Weihnachten wie z. B. das Baden im Fluss und das mehrtägige Tanzen teilnehmen.

Ich bin sehr froh diese Erfahrungen hier in Sopachuy machen zu dürfen und bin für jede Kleinigkeit, die man mit viel Liebe machen darf, sehr dankbar und bin mir sicher, da wird es noch sehr viele davon geben.

Veröffentlicht: 18.01.2018 / 17.02.2018 / Martin Eibelsgruber

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