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Felicitas Z. - Philippinen: Sich überwinden lernen

Seit drei Monaten lebe ich nun schon in Dumaguete, einer kleinen Stadt auf der Insel Negros Oriental in der sogenannten Visayas-Region.
Hier lebe ich in einer Art Jüngerschaftsschule, mit 14 Philippinos. Diese werden in der sog. Base (Basis) zu Missionaren ausgebildet. Hier erfahre ich auch den auf den Philippinen stark verbreiteten christlichen Glauben ganz neu, da die Menschen den Glauben teils ganz anders ausleben als ich in Deutschland.

Das Leben hier ist einfach, mit unserem deutschen Standard nicht zu vergleichen. Diese Umstellungen fielen mir anfangs sehr schwer, aber ich habe mich durch die aufgeschlossene Art der Philippinos gut eingelebt. So konnte ich in der Base schnell Freunde, und somit eine zweite Familie finden. Trotz der vielen Umstellungen sind es Erfahrungen, von denen ich jede einzelne genieße.
Ich lerne, vieles aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, was viele kleine Erfahrungen groß erscheinen lässt, wie zum Beispiel das Jeepney-Fahren: Was für Philippinos zum Alltag gehört, erforderte anfangs viel Konzentration von mir: Finde ich den richtigen Platz, an dem ich aussteigen muss, da es hier keine festen Haltestellen gibt oder traue ich mich dem Fahrer in einer fremden Sprache zuzurufen, wo ich gerne aussteigen möchte?
Es gibt viele Situationen, in denen ich lernen muss, sich zu überwinden. Ist das aber erstmal geschafft, kann auch eine einfache Jeepney-Fahrt mit einzigartigen Begegnungen oder witzigen Ereignissen enden.

 

Ich arbeite in der amerikanischen NGO (Nichtregierungsorganisation) "little children of the philippines" (LCP) in verschiedenen Projekten, wie einer Preschool, der "school on wheels" (Schule auf Rädern) oder in der Physiotherapie für behinderte Kinder.
Obwohl die Projekte sehr unterschiedlich sind, kann ich mich in allen auf meine eigene Art einbringen. Dabei habe ich sehr viel Spaß.

 

In der Physiotherapie unterstütze ich meistens die Therapeuten und spiele nach der Therapie mit den Kindern. Am Anfang hat es mich viel Geduld gekostet, bis mich die Kinder wahrgenommen haben, und so freut man sich am Ende des Tages um so mehr, wenn man die Kinder auch nur einmal zum Lachen bringen konnte.
Einige der Kinder können sich recht gut bewegen und wenige ein bisschen sprechen, was mir das Spielen erleichtert.

 

Die School on Wheels (SoW) beginnt Mittags immer damit, dass die Kinder aus einem kleinen Stadtteil von Dumaguete abgeholt und zum LCP in ein kleines Klassenzimmer gebracht werden. Es handelt sich hierbei um Straßenkinder, hauptsächlich Jungen, die durch LCP die Chance haben, auf eine staatlich anerkannte Schule zu gehen, sofern sie sich in der SoW bereit zeigen, zu lernen.
Obwohl es manchmal sehr schwer ist mit den Jungs zu kommunizieren, da sie kaum bis gar kein Englisch sprechen, sondern nur Bisaya, die in der Visayas-Region gesprochene Sprache, macht mir die Arbeit mit ihnen sehr viel Spaß, da man merkt, dass es für die Jungs oft schon reicht, einfach für sie da zu sein.
Täglich kommen die Jungs im Alter von sieben bis 14 Jahren zur SoW, die auf Grund von Armut, Missbrauch in der Familie oder auch Drogensucht auf der Straße leben. Trotzdem sind sie mir jetzt schon ans Herz gewachsen, da sie mir trotz ihrer Geschichten sehr viel Vertrauen schenken und mir mit sehr viel Respekt gegenüberstehen, was mir den Antrieb verschafft, noch mehr mit ihnen zu arbeiten.
Außerdem haben mich die Begegnungen mit ihnen auch gelehrt, dass viele meiner Vorurteile gegenüber auf der Straße lebenden Menschen nicht berechtigt sind.

 

Auch in der Preschool hat es mich nicht viel Zeit gekostet, bis die Kinder mich akzeptierten und ich konnte mich schnell in einen geregelten Arbeitsalltag einfinden. Dadurch, dass die Kinder sehr neugierig und kaum schüchtern sind, fiel es mir sehr leicht Kontakt aufzubauen.
So versuchten die Kinder am Anfang oft, meine weiße Haut zu berühren, um zu testen ob es sich anders anfühlt, wobei ich jetzt jeden Morgen mit einem lauten und fröhlichen "hello Ate Feli!" begrüßt werde. "Ate"  bedeutet so viel wie "große Schwester" und ist hier ein Zeichen des Respekts.
Obwohl es oft nur Kleinigkeiten sind, die zu erledigen sind, sind es die Kinder, die mir den Ansporn geben meine Arbeit mit Freude zu machen, da die Kinder einem deutlich machen - sei es bei den Behinderten, bei den Straßenkindern oder in der Preschool - wofür man seine Arbeit macht.

 

Abseits meiner Projekte gibt es viele andere Möglichkeiten in LCP mitzuarbeiten. So hatte ich einmal die Chance, die sog. Communities zu besuchen, kleine Dörfer oder Zusammenschlüsse von Familien, die hauptsächlich aus den Bergen kommen, die von LCP unterstützt werden.
Dort konnte ich in einem "farming-Projekt" mithelfen und durfte zwischen Bananenstauden, Papayabäumen und auch leider einigen Mücken Mahagonibäume pflanzen, was mir anfangs sehr fremd erschien, aber sehr viel Spaß gemacht hat.

 

Täglich werde ich von vielen neuen, schönen, anstrengenden und auch schwierigen Situationen begleitet, wobei ich mich jeden Tag auf neue Erfahrungen freuen kann, obwohl mein Leben hier immer mehr zum Alltag wird.

Veröffentlicht: 20.11.2017 / Martin Eibelsgruber

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