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Johanna M. - Philippinen: Umstellungen und Herausforderungen

Schon eigenartig, dass ich schon drei Monate hier auf den Philippinen bin und es sich anfühlt, als wäre ich erst letztens angekommen. Ich habe schon so viel in nur ein paar Monaten erlebt.  

Ich lebe nun hier in Dumaguete City, einer kleinen Studentenstadt.
Dort wohne ich in einer christlichen Organisation namens "YWAM" (Youth with a mission). Diese "Base" ist eine Art Jüngerschaftsschule. Ich wohne hier in einem normalen Familienhaus mit einer vierköpfigen Familie und mit noch 14 anderen Mädchen und einem Jungen zusammen. Die meisten Mitglieder der Base sind Studenten.
Anfangs war es eine ziemliche Umstellung auf einmal mit so vielen Menschen zusammenzuleben. Somit war ich anfangs etwas überfordet und wusste manchmal nicht, wie ich reagieren soll.
Aber mittlerweile gefällt es mir richtig gut und ich habe mich an vieles gewöhnt und konnte mich auf vieles einlassen.  

Meine eigentliche Arbeit ist aber außerhalb. Es handelt sich um eine  privaten Hilfsorganisation. Das "LCP" (Little Children of the Philippines) ist eine Organisation, die sich besonders für arme Familien einsetzt, indem sie Sponsoren für die Kinder suchen, Vorschulen bauen und Therapien für Kinder mit Behinderungen anbietet.

Im LCP arbeite ich in zwei Pprojekten. Morgens bin ich in der Physiotherapiestelle:
Das ist ganz anders, als ich mir das vorgestellt habe. Zunächst war ich etwas enttäuscht, aber jetzt freue ich mich jeden Morgen zur Arbeit zu gehen und mit den Kindern zu arbeiten und zu spielen - so weit dies möglich ist. Denn viele Kinder sind nicht nur physisch behindert, sondern auch geistig. Anfangs war es schwer in Kontakt zu kommen und mit ihnen umzugehen, aber ich bekomme täglich mehr Sicherheit.
Alle Kinder sind von Geburt an behindert und  haben Probleme mit Beinen und Hüfte. Ihre Muskeln verkrampfen sehr stark. Deswegen machen wir verschiedene Übungen, um Gelenke und Muskeln zu mobilisieren und geschmeidig zu halten, damit sie nicht versteifen.
Meine Aufgabe ist es, die Therapeuten bei den Übugen zu unterstützen oder auch die Kinder zu beschäftigen und abzulenken. Viele haben Schmerzen und fangen schnell an zu weinen und da bin ich dann gefragt.
Am Ende des Tages bin ich froh, wenn ich die Kinder auch nur einmal zum Lachen gebracht habe.

Nachmittags arbeite ich in der School on Wheels ("SoW"). Die School on Wheels ist eine besondere Schule für Straßenkinder. Sie werden mit einem Pickup aus ihrem Viertel in Dumaguete abgeholt und in das Klassenzimmer im LCP gebracht.
Es sind Jungs, die auf der Straße leben , da für sie ein Leben bei den Eltern nicht möglich ist. Misshandlungen, Drogensucht und natürlich Armut sind Gründe dafür.
Wer in der School on Wheels aufgenommen wird, hat später die Möglichkeit, auf eine staatliche Schule zu gehen. Beim Unterricht machen wir ganz viele verschiedene Sachen. Englisch, Mathe, aber auch Dinge wie die richtige Hygiene werden angesprochen und behandelt.

Es gibt es auch ein Hygieneprogramm. Bevor wir mit dem Unterricht starten, haben die Jungs Zeit sich zu duschen und nach dem Essen putzen wir zusammen Zähne. Die Schwierigkeit ist, dass alle Kinder einen anderen Leistungsstand haben. Manche wissen nicht, wie sie einen Stift sinnvoll halten sollen oder das ABC aufsagen können, andere können ein bisschen Englisch.
Es ist nicht so einfach, wie ich dachte, und zudem ist es meistens sehr laut. Viele haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und dann brauche ich sehr viel Geduld. Machmal ist es sehr frustrierend für mich.

Auch die Hitze ist ein wesentlicher Teil, der mein Leben hier beeinflusst. Es ist hier unglaublich heiß und schwül. Ich habe mich schon etwas daran gewöhnt, aber manche Tage sind unerträglich. Ich bin sehr dankbar für meinen Ventilator.
Der Verkehr war auch eine ganz schöne Umstellung. Die Straßen sind für meine Begriffe voll und unübersichtlich. Da sehe ich nur Chaos.
Das meist verwendete Verkehrsmittel sind keine Autos, sondern die kleinen, bunten Tricycles. Damit fahren wirklich alle, die Ärmeren, die Reichen, die Alten und auch die Kleinen. Das finde ich echt faszinierend.  

In Bezug auf unser Motto  "mitleben-mitbeten-mitarbeiten", kommt das mitbeten stark in der Base zum Ausdruck. Wir haben dreimal die Woche Worship (Anbetung) und sonntags Gottesdienst. Bei den Worships singen wir sehr viel und intensiv und machen verschiedene Dinge mit der Bibel.
Es werden zum Beispiel Bibelstellen vorgelesen und interpretiert und Gedanken ausgesprochen. Danach wird gebetet. Meistens betet man gegenseitig füreinander.

Zunächst war ich etwas überfordert und konnte damit nicht so gut umgehen, denn viele haben geweint. Und außerdem betet man hier laut. Anfangs konnte ich mich gar nicht auf mich und mein Gebet konzentrieren, weil alle wild durcheinander gebetet haben.
Doch die Worships finde ich immer sehr schön und genieße es, dass ich mehr Kontakt mit Gott und der Kirche habe. Vor allem ist ein ganz anderer und neuer Kontakt für mich. Es ist ein ziemlicher Unterschied und eine Umtellung, doch in meinen Augen ist es eine schöne Form sich mit Gott zu identifizieren.
Sie leben ihren Glauben sehr offen aus. Das finde ich echt bewundernswert.  
Mittlerweile sind wir hier in Base schon ziemlich in der Alltag eingebunden und gehören mit dazu.

Generell haben sich meine Erwartungen von der Vorbereitung erfüllt. Ich habe mich auf die neue Kultur und die offenen Menschen gefreut. Ich wollte den neuen Lebensstil hautnah miterleben und genau das tue ich. Ich bin mitten drin.
Für mich ist der Platz hier in Dumaguete echt super. Im LCP kann ich mich in so vielen verschiedenen Projekten einbringen und durch die Offenheit und Herzlichkeit der Philippinos bin ich schnell ein Teil von der YWAM- Base geworden.
Ich verstehe zwar noch nicht alles, aber das sorgt dann manches Mal für einen Lacher und lockert die Stuation sofort wieder auf.

Veröffentlicht: 17.12.2017 / Martin Eibelsgruber

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