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Lena B. - Philippinen: Ein Lachen sagt mehr als tausend Worte

Fast auf den Tag genau drei Monate befinde ich mich jetzt schon auf den Philippinen. 86 Tage, die wie im Flug vergangen sind, mich auf der anderen Seite trotzdem wie am ersten Tag fühlen lassen.
Zusammen mit meiner Mitfreiwilligen Anne bin ich im August in den Flieger gestiegen und habe mich in das MaZ-Abenteuer gestürzt.

Unser Leben spielt sich jetzt auf der Insel Cebu ab, ein Teil der Inselgruppe Visaya, die sich in den Mittelphilippinen befindet und neben zwei anderen Inselgruppen, Luzon und Mindanao, eine der größten ist.
Anne und ich leben in der Kleinstadt Talisay, die sich unmittelbar neben der Metropole Cebu City befindet.
Zusammen teilen wir uns ein Reihenhaus in einem Housing Village, welches ärmeren Familien eine Basis zum Leben geben soll.
Insgesamt wohnen mehr als 200 Familien in unserem Village, momentan wird es aber noch vergrößert und es sind weitere Häuser im Bau. Wie kann man sich das Leben in unserem Village vorstellen? Freundschaftlich – denn jeder kennt jeden und falls wir ein Problem haben, gibt es immer jemanden, der uns weiterhelfen kann. Gemeinschaftlich, denn es besteht trotz der Unterschiedlichkeit jeder Familie ein Zusammenhalt, der das Dorf wachsen lässt. Aber das San Pio Village ist vor allem eins: laut. Wenn wir uns nach einer langen Woche das Ausschlafen an einem Samstagmorgen wünschen, hat uns die Karaokemaschine unserer Nachbarn einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Von Montag bis Freitag haben wir zwei Freiwilligen eine einstündige Fahrt vor uns, die sich jedes Mal abenteuerlich gestaltet. Tricycle (ein Motorrad mit Anbau, das bis zu neun Personen transportieren kann) Jeepney (alte Militärtrucks, die zu Kleinbussen umgebaut worden und die je nach Größe bis zu 30 Personen mitnehmen können) und auch Kleinbus (gleiches Prinzip wie bei den Jeepneys, nur schnell fahrender) transportieren uns nach Cebu City.
Man stellt sich jedoch nicht an eine Haltestelle wie in Deutschland, sondern an die Straße und hofft, dass ein Fahrer irgendwann zwei Plätze frei hat.

Gegen neun Uhr kommen wir meistens bei unserer Arbeitsstelle an. Das Balay Samaritano, benannt nach dem barmherzigen Samariter, ist eine Anlaufstelle für Straßenkinder und Senioren von der Straße. Das Hauptanliegen ist, den Straßenkindern und Senioren eine warme Mahlzeit für den Tag zu servieren.
Das Balay Samaritano ist aber viel mehr als nur das. Für mich fühlt es wie eine kleine Familie an, die jeden Tag zusammenkommt und immer unterschiedliche Familienmitglieder mit sich bringt.

Unsere Arbeit gestaltet sich sehr vielseitig. Zum einen können wir unserer Köchin beim Kochen des Mittagessens helfen, zum anderen spielen wir mit den älteren Jungen draußen Basketball, zum nächsten gestalten wir Sportübungen für die Kinder mit, die sie vor ihrem Frühstückssnack, den sie gegen zehn Uhr bekommen, durchführen.
Unser Hauptaufgabe ist aber das Gestalten einer täglichen Unterrichtsstunde für die Kinder zwischen Frühstückssnack und Mittagessen. Das können Matheaufgaben sein, die die Kinder lösen, englische Wörter, die wir den Kindern beibringen oder auch Ausmalbilder, die die Kinder hier über alles lieben. Es ist oft schwierig, die Unterrichtsstunden zu planen, da wir nie genau wissen, wie viele Kinder kommen und wie alt die Kinder sind.
Letztendlich hilft es immer, spontan zu sein und situationsbezogen zu entscheiden. Da viele Kinder motiviert sind zu lernen, macht das Unterrichten sehr Spaß. Anfangs brauchten wir des Öfteren eine Starthilfe von den Scholars (ehemalige Straßenkinder, die jetzt von der Trägerorganisation JPIC IDC. mit einem Scholarship an der Schule/Universität unterstützt werden), da unsere Bisaya-Sprachfähigkeit noch zu wünschen übrig ließen. Mittlerweile kann ich jedoch schon auf "Kumusta ka?" ("Wie geht es dir?") mit mehr als nur einem "Gut" antworten.

An Donnerstagen wird das Balay Samaritano auch von den Steyler Missionsschwestern besucht, die in ihrer Kommunität sehr international geprägt sind. Zwei der Schwestern kannten wir schon aus unserer Mitlebezeit in Steyl, die anderen haben wir erst hier kennengelernt.
An Samstagen besuchen wir ebenfalls mit ihnen zusammen die Dumpside, ein Teil Cebu Citys, der von starker Armut geprägt ist. Vor allem, wenn wir zur Dumpside fahren, spüre ich, was für mich Mentalität der Filipinos ausmacht. Viele Familien leben auf zwei Quadratmetern zusammen und haben oft nicht mehr als das, was sich in ihrem Haus befindet. Sie begrüßen uns mit einem Lächeln auf den Lippen und offenen Armen.
Da wir dort wöchentlich dieselbe Gemeinde besuchen, kennen uns die Menschen auch schon und ich freue mich jedes Mal, sie wiederzusehen. Vor zwei Wochen fand dort ebenfalls ein Fest statt, das wir zusammen mit den Schwestern gefeiert haben.

Ein sehr wichtiges Thema, das immer automatisch mit Festen verbunden ist, ist das Essen. Wenn ich hier auf den Philippinen zum Essen eingeladen werde, bedeutet das viel mehr als nur Nahrung zu mir nehmen. Das Essen ist fast schon Teil des Kennenlernens einer Person, denn man unterhält sich, isst mehr und unterhält sich und isst noch mehr. Dabei probiert man jede Speise und sagt der Köchin, dass das Essen wirklich sehr lecker ist, selbst, wenn dem nicht so ist.
Das Hauptnahrungsmittel ist hier der Reis und der darf auf keinen Fall fehlen. Des Öfteren werden wir schief angeschaut, wenn wir einem Filipino/einer Filipina erzählen, dass wir nicht jeden Tag Reis essen, sondern auch einmal Nudeln oder Kartoffeln.

Filipinos haben sich mir gegenüber als sehr gastfreundliche Menschen gezeigt und der Gast ist hier noch mehr König, als ich es in Deutschland kannte. Oft kam es mir komisch vor, dass Gastgeber und Gast nicht zusammen essen, sondern erst wir als Gäste und dann die Familie.
In diesem Fall versuche ich jedoch einfach den Menschen mit unglaublicher Dankbarkeit zu begegnen und meine deutschen Vorstellungen in den Hintergrund zu rücken. Eine Sache, die ich auf den Philippinen unglaublich wertschätze: ein Lachen sagt mehr als ein paar Worte.

Veröffentlicht: 20.11.2017 / Martin Eibelsgruber

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