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Miriam H. - USA: Ein Bild setzt sich zusammen

Wir haben ein paar Änderungen in unserem Programm im Life Learning Center vorgenommen, seitdem wir weitere Erfahrungen aus dem letzten Quartal gesammelt haben: Da der Kurs für die Senioren zum Ende hin kaum mehr besucht wurde, haben wir uns entschieden, stattdessen einen Bastel- und Kunstkurs anzubieten, bei dem wir jede Woche ein neues Projekt angehen.
In der letzten Woche haben wir schon Karten mit der sogenannten Quilling Technik gebastelt, bei der man durch Rollen von dünnen Papierstreifen wunderschöne Blumen basteln kann. Diese Woche haben wir Armbänder selbst gebastelt und nächste Woche werden wir auf Leinwänden malen.
Außerdem bieten wir statt der Bibelklasse einen Hauswirtschafts-Kurs an, in dem man lernen kann, wie man am besten das Budget für das Jahr plant.
Neben den Änderungen im Programm gibt es auch einige Veränderungen bei den Mitarbeitern des Centers. Einige Novizinnen der Steyler Schwestern arbeiten nun als neue Volontäre bei uns und von anderen Volontären mussten wir uns verabschieden.

Neben unserem normalen Programm haben wir in der letzten Zeit wieder einige Partys veranstaltet, zu dem alle Kursteilnehmer eingeladen waren.
Vor Weihnachten haben wir zum Beispiel eine kleine Weihnachtsparty organisiert. Nach einem Weihnachtsgebet haben wir gemeinsam gegessen. Jeder hatte etwas zum Buffet mitgebracht und so hatten wir (wie bei jeder Party) reichlich zu essen. Nach dem Essen haben wir Weihnachtslieder gesungen und anschließend jedem Kind einGeschenk überreicht.
Ich habe mich sehr gefreut, als die Kinder mit strahlenden Augen ihre Geschenke entgegengenommen und ausgepackt haben.

Für den Dezember hatten wir aufgrund der kalten Witterung kein Programm im Center vorgesehen, weil die meisten Kursteilnehmer bei der Kälte verständlicherweise lieber zu Hause bleiben. Doch für die Mitarbeiter bedeutete das nicht arbeitsfreie Zeit. Vielmehr hatten wir ein großes Projekt für diese Zeit geplant. Wir haben gemeinsam mit ein paar Schwestern und drei Frauen, die normalerweise zu dem Programm im Center kommen, Jutebeutel genäht und bedruckt. Wir konnten so gleich zu zwei guten Zwecken/ Projekten beitragen:
Mit dem Taschen-Aufdruck können die Schwestern für Ihren Orden werben und die mithelfenden Frauen konnten sich bei dem Nähprojekt ein Weihnachtsgeld verdienen.

In ein paar Wochen wird übrigens ein zweiter Zweig des Life Learning Centers hier in der Nähe, in Wheeling, wiedereröffnet. Das Haus, in dem die Zweigstelle sein wird, wurde neu renoviert. Es war vorher schon lange Zeit Teil des Centers und wurde unter anderem als Second-Hand-Laden genutzt.
Deshalb ist Sr. Angelica, die Direktorin des Centers hier in Rogers Park, oft damit beschäftigt, Dinge für die neue Stelle vorzubereiten. Es steht noch nicht ganz fest, aber vielleicht werde ich auch bei dem ein oder anderen Programm dort mithelfen können.

Doch nicht nur im Life Learning Center hat sich viel getan. Seit dem letzten Rundbrief haben wir große Feste gemeinsam mit der Kommunität und der Gemeinde gefeiert.
Das Fest von der Jungfrau von Guadalupe (der wichtigste Marienerscheinungsort in Mexiko) wurde in unserer Gemeinde sehr groß gefeiert. Das liegt wahrscheinlich daran, dass viele Gemeindemitglieder aus Mexiko kommen und die Jungfrau Maria von Guadalupe Patronin von Lateinamerika ist.
In der Gemeinde gab es am Abend des Festtages eine wunderschöne und lange spanische Messe. Zur musikalischen Begleitung des Gottesdienstes wurde extra eine Musikgruppe engagiert. Zu Beginn des Gottesdienstes gab es einen halbstündigen Tanz, bei dem die Tänzerinnen bunte Kostüme mit Federkopfschmuck und Rasseln an den Füßen getragen haben. Mit Trommeln wurde der Tanz begleitet und man kann sich vorstellen, wie laut das durch die ganze Kirche geklungen hat. Im Anschluss wurden alle in die Turnhalle neben der Kirche eingeladen und dort ging es dann mit Musik und mexikanischem Essen weiter.
Es war sehr schön, bei einem so besonderen Fest dabei zu sein und zu erleben, wie unterschiedlich die Kirchentraditionen und -feste in verschiedenen Ländern sind.

Nach dem Guadalupe-Fest ging es dann sehr schnell auf Weihnachten zu. In der Adventszeit habe ich an Besinnungstagen in Techny teilnehmen können. Die Schwester, die die Exerzitien geleitet hatte, bat mich, einen kurzen Einblick in meine Entscheidung für das Freiwilligenjahr in den USA zu geben.
Das Seminar war sehr schön, besonders, da man so kurz vor Weihnachten eine gute Möglichkeit hatte, zur Ruhe zu kommen und sich auf das Weihnachtsfest vorzubereiten. Wir haben über unseren Glauben geredet und unter anderem von einigen Schwestern einen Einblick bekommen, warum sie sich entschieden haben Schwester zu werden. Wir waren nur drei Teilnehmer und dadurch hatte wir die Möglichkeit, tiefer ins Gespräch zu kommen.
Zu dem Programm zählte auch ein kleines Kunstprojekt: Jeder bekam eine Leinwand mit vorgezeichneten Linien, die nach einer Vorlage ausgemalt werden sollten. Zum Schluss haben alle Teilnehmer ihre fertigen Leinwand-Stücke zusammengefügt und es ist ein Bild entstanden, auf dem Jesus zu erkennen war. Es war sehr beeindruckend, wie so ein schönes und komplettes Bild entstehen konnte.
Denn während des Bemalens des eigenen Teilstücks konnte man noch nicht erahnen, wie das
Endergebnis aussehen würde oder unter welchem Thema das Bild steht.
Neben den Exerzitien habe ich im Advent einen Kurzurlaub nach New York City unternehmen können. Dort habe ich die "Holy Spirit Missionary Sisters" (Steyler Missionsschwestern), die in der Nähe von Manhattan wohnen, besucht. Neben dem Besuch typischer Sehenswürdigkeiten und Touristenattraktionen konnte ich auch an einer Weihnachtsfeier in der dortigen Gemeinde teilnehmen und habe eine ältere deutsche Frau
aus der Kirche kennengelernt. Diese war so begeistert, jemanden aus Deutschland zu treffen, dass wir sie an einem Abend zum Essen eingeladen hatten. Wir haben uns dann in einem Gemisch aus Deutsch und Englisch unterhalten und sie erzählte mir, dass sie im zweiten Weltkrieg mit ihrer Familie in die USA ausgewandert war.
An einem anderen Abend kamen zwei indische Freundinnen von einer der Schwestern und sie hatten indisches Essen mitgebracht. Das Essen war sehr lecker und es war interessant, sich mit den beiden zu unterhalten.

Wieder in Chicago angekommen, wurde ich von einer weißen Winterlandschaft empfangen. Zwei Tage vor Weihnachten habe ich endlich Zeit gefunden, Plätzchen zu backen, um Weihnachtsduft und -stimmung ins Haus zu bringen. Am nächsten Tag bin ich mit zwei Schwestern in die Innenstadt gefahren, um den 'German Christkindlmarket' anzuschauen. Ein Weihnachtsmarkt im Herzen der Innenstadt Chicagos und,
wie wir später feststellten, eine Touristenattraktion schlechthin. Es gab alles, was das Herz begehrt: Von Tannenbaumschmuck über Schwarzwälder
Kuckucksuhren bis hin zu typisch deutschem Essen wie Bockwurst, Glühwein und Brezeln (hier "Pretzel" genannt).
Ich hatte die am Vorabend gebackenen Plätzchen in weihnachtliche Tütchen gepackt, und wir haben sie dann an Obdachlose in der Stadt verteilt.
Auch wenn das nur eine kleine Geste war, hoffe ich, dass wir dem ein oder anderen damit eine kleine Weihnachtsfreude machen konnten.

Für den Heiligabend hatten wir uns als Kommunität vorgenommen, Leute aus der Gemeinde einzuladen, die sonst diesen Abend alleine hätten verbringen müssen. Unserer Einladung ist schließlich eine Frau gefolgt, und wir haben nach einem Weihnachtsgebet in der Kapelle ein wunderschönes Weihnachtsessen miteinander gehabt.
Am ersten Weihnachtsfeiertag wurden wir nach Techny in den Konvent eingeladen, um mit den Schwestern aus allen Kommunitäten in der US-Provinz gemeinsam zu feiern. Dazu sind sogar die Schwestern aus St. Kitts und anderen Kommunitäten aus den USA angereist. Somit hatte ich die Möglichkeit, die Schwestern aus New York wiederzusehen.
Nach einer Messe gab es ein großes Weihnachtsessen. Anschließend wurden Spiele gespielt oder wir konnten uns weiter unterhalten.

Am Silvesterabend hatten wir zwei befreundete Familien eingeladen, um mit ihnen gemeinsam ins neue Jahr zu feiern. Dazu haben wir den ganzen Tag Essen vorbereitet und sogar "Turkey" (Truthahn) gestopft und stundenlang im Ofen gebraten. Wir haben dann nach einem Gebet als Dank für das letzte Jahr und mit Fürbitten für das kommende Jahr gemeinsam mit den Kindern Cake-Pops verziert und als Nachtisch nach dem Silvesteressen gegessen.
Am späteren Abend habe ich mit ein paar Leuten aus der Jugendgruppe das riesige Feuerwerk in der Innenstadt von Chicago angeschaut. An einem der Gebäude am Chicago River wurde als Countdown ein großer Stern hochgezogen. Dazu hatten sich um die 20.000 Menschen in der Nähe aufgestellt, um bei dem Countdown und der Feier ins neue Jahr dabei zu sein.
Am 6. Januar wurde dann schon der "Three Kings Day" (Epiphanie) gefeiert. Dafür wird traditionsmäßig ein Kuchen (Rosca) gebacken, in dem ein oder mehrere Jesuskinderfiguren versteckt sind.
Bei dem Treffen mit der Jugendgruppe wurde am Schluss auch an jeden ein Stück dieses Kuchens verteilt. Nach den Regeln der Tradition sollen die Leute, die eine Jesusfigur in ihrem Stück haben, die nächste Party veranstalten.

Mehr zu meinem Zwischenseminar und zur politischen Lage findet ihr hier.


Veröffentlicht: 22.04.2017 / Martin Eibelsgruber

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