Trigger

Pia Föhrenbacher - MaZ in Argentinien: Feste Feiern.

Die Feiertage sind nun schon vorbei und wir steuern langsam, aber sicher auf das neue Jahr zu. Für mich liegen wunderbare Festtage hinter mir, die ich mit sehr viel Freude, gutem Essen und schönen Begegnungen genossen habe. Aber fangen wir vorne an…
Der Monat November war geprägt mit Vorbereitungen für das Campamento (Zeltlager) der Gemeinde, welches im Januar stattfinden wird. Die ersten drei Tage werden wir mit den Kleineren (8-12 Jahre) verbringen, die zum Großteil aus den Oratorios (Kindergruppen) kommen, die wir hier in der Gemeinde, aber auch in den zugehörigen Kapellen organisieren. Danach wird gewechselt und die Jugendlichen reisen an, die genauso wie die Jüngeren aus verschiedenen aktiven Gruppen in der Gemeinde stammen, aber auch so an dem Campamento teilnehmen können. Beide Male bin ich im Vorbereitungsteam für die thematischen Einheiten. Wer jetzt denkt, dass hinter all dem Erwachsene stehen, der täuscht sich. Die Planungen wurde von einer Handvoll Jugendlicher, die durch andere Zeltlager Erfahrungen haben und schon viele Jahre aktiv sind, in die Wege geleitet. Natürlich wird alles durch den salisianischen Bruder begleitet, der sich jedoch ziemlich im Hintergrund hält, da er möchte, dass die Gruppen hier selbstständig werden. Und meiner Meinung nach hat das schon ziemlich gut geklappt. Also haben wir uns häufig getroffen, zusammengesetzt und überlegt, wie wir das Thema dieses Jahres am besten umsetzen und in einer Art den Kinder und Jugendlichen näher bringen können, dass auch nach den gemeinsam verbrachten Tagen etwas hängen bleibt bzw. in die Routine mitgenommen werden kann. Es war eine schöne Erfahrung zu sehen, wie gearbeitet wurde und dass ich mich auch einbringen konnte. Es gab auch Aktionen, damit die Jugendlichen Geld sammeln konnten, um die Fahrt zu bezahlen. Wir haben Spagetti in der Gemeinde verkauft und so wurde es doch für den ein oder anderen möglich nun mitzufahren.

Am 10.11. war Tag der Traditionen. Am Abend habe ich ein Fest in einer benachbarten Schule besucht, da meine Kindergartengruppe (2-3 Jahre) einen Auftritt im Bühnenprogramm hatte. Es war einfach nur süß, wie die Mädchen und Jungen in traditioneller Kleidung erst etwas unsicher und dann immer mehr über die Bühne getanzt sind. Die älteren Schüler dieser Schule haben verschiedene traditionelle Tänze präsentiert und für mich war es wieder einmal faszinierend zu sehen, wie die Traditionen weitergegeben werden. Am Ende gab es auch einen Beitrag von dem Club der Oma und
Opas (Nein, den Namen habe ich mir nicht ausgedacht.). Es wurde der "Chamamé" getanzt und die Damen haben würdevoll ihre Röcke zum Fliegen gebracht.

Im Kindergarten hieß es die letzten Wochen, die Kleinen meiner Gruppe etwas auf die Schule vorzubereiten. Ja, mit drei Jahren geht es hier los. Jedoch kann man sich die ersten Schuljahre eher wie eine Mischung aus Kindergarten und Schule vorstellen, nur in Schuluniform. Also stand auf dem Programm die Windel abzugewöhnen.
Auch in der Schule musste ich mich von einer Klasse verabschieden. Die Schüler werden nach sieben Jahren "Primaria" nach den Ferien in anderen "Colegios" (weiterführende Schulen) die Secundaria besuchen. Am Ende des Monats Novembers konnte man schon spüren, dass die Ferien bzw. unterrichtsfreie Zeit in den Startlöchern stand, denn jeder muss am Ende des Jahres mündliche Prüfungen ablegen. Jedoch war die letzte Anstrengung und Hürde in der Schule Don Bosco schnell genommen, da durch die geringe Anzahl der Schüler schon Anfang Dezember alle in die Ferien verabschiedet werden konnten.

In meinem Kopf sammeln sich so langsam immer mehr Ideen für das nächste Schuljahr an, worauf ich mich schon freue, aber mich noch bis März gedulden muss. Beendet wird das Jahr hier immer mit einer kleinen Feier, wo auch besonders gute, soziale und aktive Schüler ausgezeichnet wurden. Es war so schön die Kinder so stolz zu sehen.
Im November habe ich noch gedacht, dass ich im Dezember unheimlich viel Zeit haben werde. Diese war dann aber so wunderbar gefüllt und nun kann ich von vielen schönen Erinnerungen berichten:
Ich habe viele Tage im Hogar der Mädchen (Mädchenheim) verbracht, da Kindergarten und Schule nun Anfang Dezember weggefallen sind. Wir haben kräftig gebastelt, zunächst Weihnachtsgeschenke, bestehend aus dekorierten Marmeladengläsern, die mit Süßigkeiten gefüllt waren, die die Mädchen mit in die Häuser nehmen konnten, wo sie in diesem Jahr das Fest gefeiert haben. Es ist schön nun für solche Dinge Zeit zu haben und den Schulranzen doch mal in der Ecke stehen lassen zu können. Denn nach eine Weile wurde ich von den älteren Mädchen gefragt, ob ich nicht mit ihnen zusammen Dinge für einen Straßenverkauf vorbereiten könnte. Also ging das Basteln weiter. Und am vergangenen Samstag haben wir neben weihnachtlicher Deko auch Leckereien verkauft und ich freue mich so sehr, dass so gut wie alles ziemlich schnell weg war. Der Verkauf fand im Rahmen eines Straßenfestes statt. Ich liebe es die Stadt weiter kennenzulernen und dieses Viertel war wirklich toll; etwas alternativ und Gemälde bzw. Bilder zieren so einige Hauswände. Die Atmosphäre war schön bunt und ich habe mich wirklich wohlgefühlt.

Die Dekoration für Weihnachten sieht hier gar nicht so anders aus: grün, rot, viele Lichter an Hauswänden. Aber eine Sache darf nicht fehlen: Lametta. ? Man konnte in den Geschäften alle erdenklichen Alternativen des Weihnachtsbaums finden, aber aus Plastik, was bei den Temperaturen nun mal wirklich Sinn hat. Aber wir hatten in der Quinta einen echten Baum bzw. einen großen Ast, den uns das Unwetter ein paar Tage vor Weihnachten "geschenkt" hat. Um ein paar Traditionen aus Deutschland, bzw. Europa, einzubringen, habe ich für die Schwestern und auch die Mädels im Hogar einen Adventskalender gebastelt, denn dies gibt es hier nicht, wurde aber freudig aufgenommen. Interessant war auch das Plätzchenbacken. Nun verstehe ich, warum große Konditoreien temperiert sind. Die Hitze lässt den Teig nicht fest werden. Aber mit ein wenig Ausprobieren kann ich nun doch stolz ein paar Kistchen voll vorweisen, die im Küchenschrank gehütet wurden und nun nach und nach immer leerer werden. Man muss die Kekse hier nicht aus dem Grund, dass sie trocken werden, gut verstauen, sondern es schützt vor der Luftfeuchtigkeit, denn feuchte Kekse will auch keiner. Hier wird zu Weihnachten Pan Dulce gebacken, süßes Brot, welches mit Schokolade oder getrockneten Früchten gefüllt ist.

An einem Wochenende durfte ich dann noch einmal etwas mehr in die argentinische Weihnachtstradition eintauchen. Zusammen mit einer Schwester aus der Kommunität bin ich in eine benachbarte Stadt mit dem Namen Leandro N. Alem gefahren, um die jährliche Weihnachtsausstellung zu besuchen und auch den anschließenden Straßenumzug zu bestaunen. Also ging es in luftiger Kleidung los vorbei an den ersten Umzugswagen hin zu großen Hallen, in denen mit ziemlich großen Figuren Szenen aus der Bibel bzw. dem Leben Jesus dargestellt wurden. Natürlich durfte auch im katholischen Argentinien das Haus von Papa Noel, Santa Claus, dem Weihnachtsmann nicht fehlen, welcher dann lebendig auf dem Sofa saß und mit jedem Kind ein Foto machte. Der arme Kerl hat wahrscheinlich nur dank des großen Ventilators in seiner Nähe überlebt. Die Kleidung ist für unser Klima hier nicht so praktisch. Auf dem Markt mit Essen habe ich in diesem Jahr statt Glühwein einen fruchtigen Smoothie getrunken. Am späteren Abend, als die Temperaturen wieder etwas niedriger waren, ging der Straßenumzug los. Denn da Sommer ist, findet Weihnachten mehr draußen vor der Tür statt. Als sich Papa Noel dann in Bermudas und Kurzarmhemd umgezogen hat, hat sich sicherlich nicht nur er gefreut, sondern auch ich mich. Doch ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch hier viele Menschen Weihnachten mit Schnee und Kälte verbinden. Daher gab es doch einige Tanzeinlagen in Schneeflocke oder Rentierkostümen. In Alem gibt es einige große Anzahl von Menschen mit Wurzeln aus Deutschland. Eine deutsche Kolonie befindet sich etwas außerhalb der Stadt. Beim Umzug lief dann eine Gruppe in Lederhosen und Dirndl an uns vorbei, die wenig später den Schuhplattler zum Besten gaben. Es ist nun mal nicht nur interessant die Sicht der Menschen auf Weihnachten, sondern auch auf Deutschland zu sehen. Selbst hier kennen doch so einige das Oktoberfest.

Die Tage vor Weihnachten wurde so einiges in der Küche gekocht und das Haus schön dekoriert. Am 24. selbst sind wir abends in die Messe und haben zum Glück gerade noch so ein Sitzplatz bekommen. Am Ende der Feier, die mit schöner Musik begleitet wurde, dass man gar nicht anders konnte, als mitzuklatschen und zu -feiern, wurde das Jesuskind hereingetragen. Im ersten Moment wusste der Diakon nicht so ganz, was er machen sollte. Aber dann wurde es in die Höhe gehoben. Und mir drängte sich dabei der Vergleich mit der berühmten Stelle von König der Löwen auf. Es wurde gejubelt und gefeiert. Was für ein Gottesdienst! Danach war aber noch nicht Weihanchten. Denn wie an Silvester wird hier bis um 12 Uhr gewartet. Die buena noche (schöne Nacht) begann. Zusammen mit dem Pfarrer, der seine Eltern zu Besuch hatte, haben wir zu Abend gegessen und dann um Mitternacht etwas das Feuerwehr betrachtet. Eine nicht ganz so stille Nacht. Am 25. haben wir zwei andere Kommunitäten in die Quinta eingeladen. Gemeinsam haben wir dann zu Mittag gegessen und den ruhigen Tag genossen. Die anderen Schwestern leben mehr in der Stadt und haben die Geräuschkulisse, die uns hier im Moment umgibt, genossen. Anders als im Frühling sind die Vögel nun auch auf Grund der Hitze etwas ruhiger. Dafür ist jetzt der Auftritt der Grillen. Was für ein Konzert! Wenn man am Morgen dann das ein oder andere Insekt zu Augen bekommt, kann man leicht verstehen, wie es möglich ist, dass sie solch einen Lärmpegel erzeugen können. Wirklich faszinierend.

Für mich verfliegt die Zeit weiterhin unglaublich, was mir aber zeigt, dass es mir hier ziemlich gut geht. Im Januar werde ich schon zum Zwischenseminar, das in der Hälfte des Einsatzjahres stattfindet, reisen. Dort freue ich mich schon einige bekannte Gesichter wiedersehen zu können. Denn andere MaZlerinnen meiner Gruppe werden ebenfalls an diesem Seminar teilnehmen.