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Elisa Heddergott - MaZ in Bolivien: Weihnachten im Sommer.

Nach einigen Monaten hier habe mich schon sehr gut eingelebt und an viele Dinge gewöhnt. In der Weihnachtszeit gab es jedoch noch einmal einiges Neues, von dem ich euch heute etwas erzählen möchte. Allein schon die Temperaturen haben dafür gesorgt, dass ich ein ganz anderes Weihnachtsfest erleben durfte. In Weihnachtsstimmung kam ich dadurch zwar nicht, aber die Adventszeit konnte ich trotzdem mit Plätzchenbacken oder mit
Durch-den-Weihnachtsmarkt-Schlendern genießen. Hier in Cochabamba wird die Stadt um Weihnachten sehr stark geschmückt. An jedem Platz gibt es
tausende Lichterketten sowie Figuren. Einmal bin ich mit Josefine über einen Weihnachtsmarkt gegangen. Wir haben dann einen mit vielen Lichtern beschmückten Wagen gesehen. An der Seite waren Pferdeköpfe befestigt und ganz vorne stand ein tanzender Weihnachtsmann. Zusätzlich hat man Hufgeräusche und ein Wiehern durch den Lautsprecher gehört. In diesem Moment konnten wir einfach nicht anders, als laut loszulachen. Das war einfach zu viel.
Wir haben auch in den Projekten Weihnachten gefeiert. In Fenix haben die Kinder zum Beispiel als Weihnachtsspecial einige Tänze aufgeführt. Es waren einige traditionell bolivianische Lieder dabei, sie haben aber auch auf moderne Musik getanzt. Natürlich haben sie auch die zugehörigen bunten Kleider getragen. Es war wirklich sehr schön anzusehen.

In Coyera sind wir mit den Leuten ins Schwimmbad gefahren. Wir haben gegrillt und Spiele gespielt. Am Ende sollte jeder seine Träume und Wünsche für das nächste Jahr auf einen Luftballon schreiben. Anschließend hat jeder seinen Ballon versucht so hoch zu werfen, wie es geht, damit der Wunsch auch ja im Himmel ankommt. Dieses Symbol hat mich sehr berührt.
Der Heiligeabend war auch sehr schön, wenngleich auch ganz anders als sonst. Nach dem Gottesdienst haben wir Weihnachten bei einer befreundeten Familie gefeiert, was wirklich ein außergewöhnliches Erlebnis war. Es wurde gemeinsam gekocht und gegrillt. Sehr interessant war auch, wie sie zum
Beispiel das Hühnchen zubereiteten. Es war noch nicht zerkleinert, nur gerupft war es schon. Danach wurde das Fleisch gegrillt. Regelmäßig haben sie es mit einer bestimmten Soße bestrichen. Dazu gab es Kartoffeln und eine Art Maisbrei. Alles wurde natürlich ohne Rezept zubereitet. Ich vermute, die meisten Bolivianer kochen nur aus dem Gedächtnis. Das finde ich wirklich sehr bewundernswert, da ich immer mit Rezept koche. Nach dem Essen, haben wir Weihnachtsmusik gehört, uns unterhalten und ein bisschen UNO gespiet. Gerade weil es so einfach war, hat es mir so gut gefallen. Es
hat mich auch gar nicht gestört, dass ich dieses Jahr kein Weihnachtsgeschenk bekam, denn an diesem Weihnachtsfest habe ich gelernt, dass man nicht immer etwas Materielles braucht, um glücklich zu sein. Manchmal reicht es Zeit und Gespräche zu teilen.