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Larissa Chandra - MaZ in Indien: Von Neuem zu Gewohntem und wieder zu Neuem.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist es genau fünf Monate her, dass ich mich auf meinem Weg begeben habe, mein gewohntes Umfeld verlassen habe und in meine gleich von Beginn an abenteuerreiche Reise gestartet bin. Schließlich bin ich damals mit zwölf Stunden Verspätung, einem zusätzlichen Flug und zwei ungeplante Zwischenlandungen erst in Mumbai angekommen.
Die Monate von September bis Dezember waren reich gefüllt, sodass Anfang Januar, nachdem die Weihnachtsfeierlichkeiten gänzlich ihr Ende genommen hatten, mich ungewohnter Weise das Gefühl der Langeweile überkommen hat. Es war nicht so, dass ich plötzlich nichts zu tun hatte. Ich ging wie gewohnt morgens zum Altenheim und abends zum Kinderheim. Aber eben mit diesem Gewöhnlichen konnte ich mich für einige Zeit nicht so recht anfreunden. Ein Großteil meiner Zeit im Altenheim und Kinderheim verbringe ich mit Zuhören/Reden und des Öfteren fragt man sich deshalb am Ende des Tages, was man eigentlich gemacht hat. Wenn ich aber eine ganze Woche oder den ganzen Monat betrachte, dann kann ich kleine Erfolge sehen und viele Glücksmomente, die mit mir geteilt wurden, aufzählen. Eine Bewohnerin des Altenheims ist, seitdem ich mit ihr regelmäßig Zeit verbringe, deutlich fröhlicher geworden und redet wieder etwas mehr, erzählen mir die Schwestern beim Tee. Ein jugendliches Mädchen im Kinderheim kommt auf mich zu, sagt mir ich hätte es heute als einzige geschafft sie "a little happy" zu machen und sie würde jetzt wieder mehr Motivation haben für die anstehenden Prüfungen zu lernen. Wenn mir solch Positives zurückgegeben wird, dann weiß ich wieder, dass ich einen Platz hier habe und mit viel Geduld viel entstehen kann, tiefgehende Beziehungen wie neue Ideen.

Ende Januar ergaben sich schließlich unerwartet viele Möglichkeiten für Neues. Im Provinzhaus waren Schwestern für ein Treffen aus ganz Indien zu Besuch, sodass ich mit den Kindern vom Kinderheim einen kleinen Balletttanz einstudiert habe, um es ihnen vorzuführen.  Nach vielen Stunden des Schwitzens und des laut Redens haben die Kinder sich gefreut, die neu gelernten Tanzschritte zu präsentieren, und ich habe mich gefreut sie lächeln zu sehen. Am letzten Januarwochenende verließ ich mit zwei Schwestern um vier Uhr dreißig Morgens das Gelände, um in einen Bus nach Anantapur, im Nachbarbundesstaat Andhra Pradesh, zu hüpfen. Im frühen Morgengrauen sind wir aufgestanden, um die Stadt rechtzeitig für die Priesterweihe eines Steyler Missionars zu erreichen. Der Priester war verwandt mit einem gleichaltrigen Mädchen, die dem Orden der Schwestern beitreten möchte (Kandidatin der Steyler Missionsschwestern). Nachdem ich die dreistündige Priesterweihe auf Telugu (Sprache des Bundesstaates) in der Mittagshitze und mit leerem Magen nicht ganz mitverfolgt habe, aber trotzdem miterlebt habe, ging es zu dem Teil des Ausfluges über, den ich am meisten genossen habe: Wir besuchten die verschiedenen Familienmitglieder der Kandidatin. Der Tag klang in einer familiären Atmosphäre aus, obwohl ich die Familie erst seit wenigen Stunden kannte. Es hatte was ganz Simples, tief Entspannendes mit diesem Mädchen, ihrer Mutter und den zwei Schwestern, die durch das Mitleben mit ihnen mittlerweile "meine Schwestern" sind, auf einem Bett in ihrem Haus zu sitzen, Tee zu trinken und leckeren Kuchen zu essen. Am nächsten Morgen kam ich nach einer Nachtbusfahrt müde, aber glücklich zurück zum Provinzhaus.

Eine andere schöne Erfahrung, die ich hatte, ist der Besuch bei einer Hindufamilie, die ursprünglich aus der Stadt kommt, aus der auch mein Vater stammt. Sobald diese Familie von einer Schwester hörte, dass ich gerne ihre Familie kennenlernen würde, kamen sie auch schon am nächsten Tag mit ihrem Auto, um mich abzuholen, mich zu sich nach Hause zu fahren und mich mit sehr leckerem nordindischen Essen durchzufüttern. Da ich mich gleich mit der gleichaltrigen Tochter sehr gut verstanden habe, haben sie mich einige Wochen später wieder abgeholt und mit zu einem Tempel genommen. Gegessen wurde dann auch wieder. Mittlerweile kalkuliere ich immer schon die Menge, die ich esse, bevor ich eine Familie besuche, da es als unhöflich wahrgenommen wird, einem Gast keinen Tee/Snacks anzubieten genauso wie dieses nicht anzunehmen. Wenn man an einem Tag mehrere Familien besucht, heißt das dann meistens vorher oder nachher fasten.