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Isabella Arnegger und Larissa Chandra - Indien: Morgens, mittags, abends - "Chai"

Bis November waren Isabella und Larissa noch an zu zweit in Indien unterwegs. Hier erfahren wir von ihren Erfahrungen:
Morgens, mittags, abends - "Chai". Das gilt auch für unsere Arbeit im Krankenhaus. Chai kann wirklich zu jeder Uhrzeit gemeinsam getrunken werden. Sei es, dass wir uns mit unseren Mitarbeitern der Notfallaufnahme zu fünft in eine sechs Quadratmeter große Kammer quetschen, um diesen leckeren indischen Gewürztee zu trinken. Oder sei es, dass wir nach einem aufregenden Tag im Krankenhaus, mit vielen unterschiedlichen Patientenfällen, in Ruhe einen Tee mit den Schwestern trinken.

Eine Woche haben wir in der Notfallaufnahme des Krankenhauses verbracht. Jeder Tag war sehr unterschiedlich an Patientenanzahl und Patientenfällen. Generell wird bei einem Patienten, der in die Notfallaufnahme kommt, eine Kategorisierung vorgenommen. Je nach Fallgrad wird der Patient in eine, von drei möglichen Stufen eingeteilt. Bei dieser Einteilung wird der Bewusstseinszustand, die Atmung, der Puls, die Körpertemperatur, der Blutdruck und der Blutzucker des Patienten berücksichtigt. Je nach Auswertung der Vitalzeichen wird die Behandlung des Patienten weitergeplant und durchgeführt (Entlassung/Krankenstation/Intensivstation).

Wir arbeiten zwar zurzeit direkt im Krankenhaus, jedoch sind wir immer noch bei den Programmen des Community Health Centers aktiv, wie z.B. zum National Children’s Day (nationaler Kindertag), welcher am 14. November in Indien gefeiert wird. Dieser wird an diesem Tag gefeiert, weil der erster Ministerpräsident Indiens J. Nehru an diesem Tag gestorben ist und bekannt für seine Liebe zu Kindern war. An diesem Tag haben wir mit ungefähr 100 Kindern Verschiedenstes unternommen. Es hat uns viel Freude bereitet mit diesen Kindern, die uns liebenswürdig "Didi" (große Schwester) nannten, zu spielen, singen, tanzen und zu lachen. Auch wenn wir bis jetzt noch wenig Hindi sprechen und die Kinder wenig Englisch können, war dies kein Hindernis, um sich auf irgendeine Art und Weise trotzdem auszutauschen und gemeinsam Spaß zu haben.

Auch in diesem Monat gab es wieder einige offizielle Veranstaltungen, an denen wir teilnehmen durften. Sehr besonders für uns waren die Feierlichkeiten des Colleges der Krankenschwestern. Zum einen wurden die neuen Schülerinnen des ersten Ausbildungsjahres bei einer "Lamplighting-Zeremonie" (Lampenlichtzeremonie) herzlichst begrüßt. Dazu gehörten auch unsere Mitschülerinnen/Mitbewohnerinnen, welche zum ersten Mal ihre Krankenschwesternuniform tragen durften. Zum anderen hatten die Krankenschwestern, die ihr letztes Ausbildungsjahr im Mai 2018 absolviert hatten, ihre Abschlussfeier. Einige von ihnen wurden besonders ausgezeichnet, wie auch zwei unserer Mitarbeiterinnen aus der Notfallaufnahme. Zu diesen Anlässen studierten einige Schülerinnen monatelang klassische indische Tänze ein. Die Ehrengäste wurden mit diesen Tänzen in den Festsaal geführt und dadurch herzlich empfangen. Für diese beiden Veranstaltungen wurde der Festsaal wunderschön geschmückt. Alle Frauen haben einen ihrer schönsten Saris getragen, welche im Glanz der Lichter farbenfroh geschillert haben. Endlich gab es für uns die Gelegenheit, dieses fünf bis sechs Meter lange, indische Tuch tragen zu dürfen.

Zweimal die Woche haben wir auf dem Gelände der Steyler Missionare in der Tanz- und Musikakademie bei einer katholischen Schwester Sr. Tanzunterricht. "Bharatanatyam" ist ein klassischer, südindischer Tanzstil, welcher früher bei täglichen Gebeten in Tempeln getanzt wurde. Die Symbolik der Tanzschritte findet ihren Ursprung im Hinduismus. Das Tanzen macht uns sehr viel Spaß. Vor allem ist es interessant die Bedeutungen der verschiedenen Handbewegungen, genannt "Mudras", zu lernen.
Insgesamt fühlen wir uns auf der Straße schon viel wohler, sodass wir Kleinigkeiten alleine erledigen können. Wir sind dankbar an der Kultur täglich teilhaben zu dürfen und spüren auch die Freude unserer Mitmenschen, wenn wir z. B. uns indisch kleiden, auf Hindi "reden" oder auch wenn wir indische Leckereien probieren.

Nach zehn gemeinsamen Wochen ging unsere gemeinsame Zeit in Mumbai zu Ende. Larissa musste sich von den Schwestern in Mumbai verabschieden. Für zehn Tage durften wir ihre Einsatzstelle im Provinzhaus in Bangalore zusammen erkundigen. Auf dem Gelände des Provinzhauses leiten die Schwestern zwei Schulen, ein Kinderheim, ein Altenheim und eine homöopathische Klinik. Wir haben einen Einblick in die Projekte des Kinderheims und Altenheims bekommen. Am Vormittag haben wir Zeit mit den Senioren verbracht und am Abend haben wir mit den Kindern gelernt und gespielt.
Außerdem haben wir die Gelegenheit bekommen die Steyler Anbetungsschwestern ("Rosa Schwestern") zu besuchen. In Bangalore haben sie ihr einziges Kloster in ganz Indien. Es war ein besonderes Erlebnis, sich mit ihnen auszutauschen und von ihrem leckeren, hausgemachten Fruchtkuchen kosten zu dürfen.
Spontan wurde noch ein zweitägiger Ausflug nach Mysore organisiert. Es war schön eine weitere Kommunität der Steyler Schwestern, in einer ländlichen Region, kennenzulernen. Zudem haben wir mit den Schwestern den berühmten Mysore Palace und den buddhistischen Goldenen Tempel besichtigt. Beide historischen Bauwerke waren sehr beeindruckend.

Unsere Zeit in Indien zu zweit ist nun zwar vorbei, jedoch liegen vor uns noch neun spannende Monate, voller Abenteuer, auf die wir uns beide schon sehr freuen.