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17.05.2018

"Gott geht alle Wege mit" - Vortrag im Dreifaltigkeitskloster über Sr. Karoline Mayer

In der Vortragsreihe "Mittwoch für Frauen" referierte Ilga Ahrens, Mitglied der Lebensgemeinschaft mit den Steyler Missionarinnen, über Sr. Karoline Mayer. In diesem Jahr werden Frauen aus Lateinamerika vorgestellt, passend zum Jahresthema des Bildungshauses, in dem sich viele Veranstaltungen mit Lateinamerika beschäftigen.

Sehr herzlich begrüßte Sr. Hildegard Ossege die Referentin, die nun schon zum wiederholten Mal im Kloster als Vortragende zu Gast war. Neu war, dass zum ersten Mal in dieser Reihe mit Karoline Mayer eine Frau vorgestellt wurde, die noch lebt. So war sie sowohl vielen Schwestern, als auch Besucherinnen von außerhalb persönlich bekannt.

Ausgehend von der Biografie ergaben sich für Ilga Ahrens drei wichtige Fragen: Wie ist es Karoline Mayer ergangen, wie geht es anderen, wenn Begeisterung, Charismen sich in andere Richtungen entwickeln? Wie hat sich ihr Missionsverständnis entwickelt? Wie lebt sie Gemeinschaft?

Sr. Karoline wuchs in einer Atmosphäre der Zärtlichkeit, Liebe und Offenheit auf. In der Familie erlebte sie bereits, was es heißt, gemeinsam zu handeln, zu beten und zu hoffen. Nach dem Abitur, das sie im Gymnasium in Steyl ablegte, entschloss sie sich, Missionarin zu werden, mit dem Wunsch als Ärztin nach Indien zu gehen. Sie wurde jedoch nach Chile als Lehrerin für die Reichen entsandt, was eine bittere Enttäuschung für sie bedeutete. Mit dem sozialpolitischen Aufbruch in Chile engagierte sie sich immer mehr in den Slums. Sie spürte zunächst großes Misstrauen Ordensleuten gegenüber, lernte aber durch die Frauen vor Ort, was nötig war zu tun und was existentielle Armut bedeutet. Mit 2 Schwestern verschiedenen Alters und Sozialisationen zog sie ins Slum.

Der Kontakt mit Basisgemeinden wurde für sie zum Schlüssel-Erlebnis. Sie erlebt zum ersten Mal Bibel-teilen als Auslegen in das eigene Leben hinein. Sie gründete weitere Basisgemeinden in anderen Vierteln. 1973, mit der Machtergreifung Pinochets, wurde Sr. Karolines Engagement zunehmend politisch, was die Ordensleitung veranlasste, sie zurückzurufen. Karolines Angst, nicht mehr nach Chile zurückkehren zu können, war jedoch so groß, dass sie aus dem Orden austrat, um ihre Arbeit weiter tun zu können.

Sie gründete die "Comunidad de Jésus", immer nach den Ressourcen der Leute schauend. Gleichzeitig arbeitete sie eng mit den Bischöfen zusammen. Beides verdeutlicht, dass sie zum einen eine große Individualistin und gleichzeitig Netzwerkerin war. Sie knüpfte Netze, ließ aber auch los, wenn die Menschen alleine weitermachen konnten. Im Norden Santiagos gründete sie nochmals eine neue Basisgemeinde, die versuchte, in untrennbarer Einheit zum Evangelium zu leben. Sie war in diesem Sinne Kommunistin, aber keine Marxistin, und ihre Gemeinschaft eher Familie als Gemeinde.

Das Politische spielte immer eine Rolle in ihrem Leben, die Zuwendung zum Menschen ist aber stets unpolitisch im Sinne der Liebe. Dennoch ist sie keine "Mutter Teresa" Lateinamerikas, wie sie auch genannt wurde, denn sie möchte nicht nur Christus im Menschen sehen, sondern auch die Strukturen wandeln. Ihre Mission ist es, das Reich Gottes hier unter uns lebendig werden zu lassen. Grund für ihr absolutes Vertrauen ist die Gewissheit, dass Gott alle Wege mitgeht, auch die falschen. Deshalb sollen alle ihren Traum finden und leben. Es geht nicht so sehr darum, was ich tue, sondern wie ich es tue.

Eine schöne Zusammenfassung fanden die Gedanken im gemeinsam gesungenen Lied "Wir haben einen Traum". Die vorbereiteten Reflexionsfragen zu "Getrennte Wege – gemeinsames Ziel", "Missionsverständnis in meinem Leben" und "Schubladen" boten Gelegenheit, in den folgenden Tagen das Gehörte noch weiter zu vertiefen.

Wieder einmal hat Ilga Ahrens es geschafft, das Bild einer Frau lebendig werden zu lassen, auch mit Bezug auf das Leben jeder Zuhörerin.

Im Anschluss fand noch ein reger Austausch über das Gehörte und Erinnerungen von Schwestern statt, die gemeinsam mit Karoline Mayer in Steyl waren.

Text und Foto: Gerlinde Wruck