Trigger
29.04.2018

Kinder beim Gärtnern.

Mehr Chancen für Kinder - Rundbrief von Sr. Lioba Brand aus Rumänien

Ein neues Gesetz in Rumänien machte es nun leichter, dass Kinder auch in fortgeschrittenerem Alter zur Schule angemeldet und den normalen Bildungsweg durchlaufen können. Doch Sr. Lioba träumt von noch viel mehr.

Der Frühling ist mit aller Kraft eingezogen, nachdem wir fast den ganzen März darauf gewartet haben. So konnte ich auch endlich wieder in den Garten gehen. Aber weil nun alles so schnell zusammengekommen ist, bin ich noch nicht so weit, wie ich eigentlich sein wollte.

Einen Traum habe ich mir aber schon erfüllt: Seit letzter Woche habe ich ein Hochbeet im Garten hinter dem Haus, und einen schönen neuen Kompost. Auch die Himbeeren haben ein Geländer, wo sie befestigt werden können. Ich habe dieses Jahr auch schon einige Pflanzen vorgezogen, welche mir letztes Jahr bei der Direktaussaat die Schnecken oder andere hungrige Mäuler gefressen hatten. So ist der Mangold, Kopfsalat und Eissalat schon schön aufgegangen. Diese werde ich jetzt, sobald ich Zeit habe, in das Hochbeet setzten. Auch mit den Kindern haben wir schon gegärtnert. Leider habe ich nicht so viel Zeit wie ich möchte. Dazu ist es dann an manchen Tagen schon so heiß, dass ich in der vollen Sonne gar nicht arbeiten kann. Zum Glück werden die Tage jetzt ja schon schön lang, und wir haben auch die Sommerzeit, die das noch begünstigt.

Womit wir zurzeit mehr beschäftigt sind bei den Franziskanern (Fundatie Umanitara Pacea FUP) ist, dafür zu sorgen, dass die Kinder in der öffentlichen Schule angemeldet werden. Das ist fast bei jedem Kind ein kleiner oder größerer Kampf. Es gibt jetzt ein neues Gesetz, dass auch die Kinder noch bis 8 Jahre in der Schule angemeldet werden können, und so ganz normal die Vorschule - hier die Klasse 0 - beginnen. Bisher war es so: Wenn die Kinder den Zeitpunkt versäumt hatten - weil die Eltern mit oder ohne Kinder im Ausland waren, oder weil einfach das Bewusstsein für die Wichtigkeit des Schulbesuches fehlte -, mussten sie warten, bis sie 11 Jahre alt sind und dann zur 2. Chance gehen. Dort gibt es keine Klasse 0 sondern gleich Klasse 1-4. Für jede Klasse ist nur 1 Semester vorgesehen, also nur ein halbes Jahr, und auch da nur Montag bis Donnerstag jeweils 3 Schulstunden. Da kann man sich vorstellen, dass nur das Allernötigste gelernt wird. Außerdem, wenn die Kinder dann schon so groß und in der Pubertät sind, gibt es nur sehr wenige, die auf diesem Bildungsweg wirklich weiterkommen. So bin ich sehr froh, dass aus unserer Klasse nun 6 Kinder in der öffentlichen Schule für die Klasse 0 angemeldet sind. Die anderen 10-12 Kinder sind schon zu alt dafür. Aber davon sind auch mindestens 6, die schon 11 Jahre alt sind oder bald werden, sodass sie in die 2. Chance wechseln können.

Das Problem, dass die Kinder, und dann noch besonders die Mädchen, nicht zur Schule gehen oder nur sehr kurz 1-4 Jahre, ist auch der Grund, warum es für viele der Frauen aus dem Olympia-Dorf, die arbeiten wollen, keine Arbeit gibt. Da ist der Abschluss der Klasse 8 Voraussetzung.

Deshalb ist mein großer Wunsch und Ziel, in dem Ghetto Olympia-dorf mehr präsent zu sein, und immer wieder nachzuhaken, warum Kinder nicht in der Schule sind. Das nächste Problem ist nämlich, wenn die Kinder in der Schule angemeldet sind, dann fehlen sie sehr oft. Sie verpassen den Schulbus, oder es wird behauptet, die Kinder seien krank, obwohl sie im Freien im Schnee herumtollen, wenn wir dort sind.

In einem der Gebäude haben wir von der FUP aus seit September einen Raum, um einen Versammlungsort zu haben. Das ist genau so eine Einheit, wie sie die Familien haben. Wir haben kein Wasser und keinen Strom. Geheizt haben wir im Winter mit Holz. Der Holz-Herd ist gleichzeitig auch Wärmequelle. Das war im Winter etwas mühsam, weil es einfach schon etwas mehr als eine Stunde brauchte, bis es warm wurde. Licht im Vorraum machen wir mit Kerzen. Der Grund, warum wir keinen Strom haben, ist, weil uns die Leute dort gesagt haben, der Strom werde gestohlen. Da wird bei Nacht heimlich die Stromzuleitung angezapft, und ein Kabel angeschlossen. Die Familien, die Strom zahlen, müssen meistens für viele andere mitzahlen.

Das sogenannte Olympia-Dorf besteht aus 4 ca. 100 m langen Gebäuden, ehemalige Rinderställe. Zwischen den Gebäuden ist jeweils ca. 15 m Platz, sodass zu jedem Raum innen auch so ein entsprechender Hof dazu gehört. Der Platz, der zu unserem Raum dazu gehört, wurde lange nicht genutzt und deshalb von den Leuten als Müllplatz benutzt.

Im Herbst sah es noch nicht so schlimm aus, aber über Winter hat sich die Lage so verschärft, dass jetzt die ganzen ca. 25 m² 30 cm hoch mit allem möglichen Müll und stinkendem Abfall bedeckt ist. Dort möchte ich in der nächsten Zeit einen Hof abgrenzen und mit einer Art Hecke einzäunen. Da Holz oder Metall sofort gestohlen werden, möchte ich es mit kostenlosen Weidenruten und anderen Zweigen versuchen. Hoffentlich kann ich dann, bevor ich in Urlaub komme, euch noch ein schönes Foto davon schicken.

Soviel für heute wieder. Ich wünsche Euch allen von Herzen eine schöne Frühlingszeit.
Im Gebet verbunden grüße ich von Herzen
Eure Sr. Lioba Brand