Trigger
26.11.2017

Von weißen Schafen und Blumen

In ihrem neusten Rundbrief berichtet Sr. Lioba Brand von typischen Winterbräuchen in Rumänien und erklärt einige Kinderlieder und Bauernregeln.

Hier in Rumänien wird der Herbst vom 1. September bis zum 30. November gerechnet. Der Winter vom 1. Dezember bis zum 28. Februar, und auch der Frühling schon ab dem 1. März. So sind wir also in den letzten Tagen des Herbstes angekommen. Ich versuche in jeder freien Zeit den Hinterhof und Garten auf die neue Situation vorzubereiten. Ab Dezember möchte der Pfarrer Popovici mit den Kindern der "Stiftung Hoffnung und Liebe" in das Gebäude einziehen. Den größten Teil von unserer Seite haben wir erledigt, aber noch sind nicht alle begonnenen Projekte abgeschlossen. Die Hälfte vom Garten habe ich mit Rasen eingesät. Auch einen Zaun haben wir gezogen und die Wege verlegt.

Um den Verlust von der Kulturfläche etwas besser zu verschmerzen, möchte ich im Frühjahr hinter dem Haus ein Hochbeet anlegen. In diesem Teil habe ich bis jetzt hauptsächlich Beeren und Bäume und Sträucher. Der Quittenbaum hat jedes Jahr schöne Früchte, die aber immer verfaulen, bevor ich sie verarbeiten kann. Viele fallen auch schon im August verfault vom Baum. Ich habe schon verschiedenes versucht außer Spritzmittel, das ich nicht anwenden möchte. Wir haben ihm Magnesium und andere Mineralien gegeben, alle verfaulten Früchte aufgesammelt und weggebracht, aber bisher alles ohne Erfolg. Jedes Mal muss ich an die Geschichte vom Feigenbaum in der Bibel denken, so bekommt er jetzt wirklich seine letzte Chance.

Mit den Kindern haben wir seit zwei Wochen begonnen die Lieder für die Weihnachtsfeier und für das "Colindam" (so viel wie Sternsinger, nur vor Weihnachten) zu üben, und die Liedtexte zu lernen. Die Kinder, mit denen wir letztes Jahr gesungen haben, sind jetzt fast alle in der Klasse der 2.Chance und die Kinder, die wir jetzt haben - manche von ihnen seit Februar -, können noch nicht lesen, und kennen auch die Lieder zum größten Teil nicht. Es sind wunderschöne alte Lieder, die jeweils eine sehr schöne Geschichte beinhalten. So wird mit den alten Ausdrücken von Kindern, die zum Singen zu den Baronen ausgezogen sind, erzählt. Der Baron war nicht zu Hause, er war zur Jagd gegangen, um ein Reh zu jagen. Er hat aber kein Reh gejagt, sondern einen Hasen. Aus dem Hasenfell soll ein Wickeltuch für das Jesuskind gemacht werden. Dazwischen wird immer der kurze Ruf „der Herr sei gepriesen“ gerufen, natürlich auch in alter Sprache und abgekürzt. Weil unsere Kinder Schwierigkeiten hatten sich den Text zu merken, habe ich zusammen mit Cornelia die Geschichte erklärt. Dann sagte ich noch, weil das Hasenfell so schön weich und mollig ist, wurde davon für das Jesuskind eine kuschelige Decke gemacht. Da sagten die Kinder: So schön weich wie das Schäfchen, das wir die Woche davor aus einer WC-Rolle und Watte gemacht hatten.

Ein anderes Lied erzählt davon, das Haus bereit zu machen, denn es kommen Gäste. "Steh auf und mach dich bereit, es kommen Gäste, denen wollen wir einen Hefezopf geben" (Gugelhupf). Die Mutter hat aber noch keinen gemacht, weil sie das Mehlsieb nicht gefunden hat. Als das Mehlsieb gefunden war, stellte sich heraus, dass der Teig-Trog kaputt war. Da hat die Mutter mit dem Vater geschimpft. Als der Trog dann repariert war, ging der Backofen nicht. Als endlich alles funktionierte, war auch schon das neue Jahr angebrochen. Dieses Lied wird nach jedem Satz mit dem Ruf "Florile dalbe" geschmückt, was "weiße Blume" bedeutet. Um das heraus zu finden, habe ich einige Leute und das dicke Lexikon befragt. Die Weiße Blume kommt in einigen alten Weihnachtsliedern vor. In machen Liedern wird auch direkt von der weißen Apfelblüte gesprochen, was wiederum auf den Brauch der Barbarazweige schließen lässt. Wenn nicht Barbarazweige, dann werden auch am Andreas-Tag Zweige von Frühblühern geschnitten, sodass sie an Weihnachten blühen. Dies ist ein uralter Brauch, es gibt auch Bauernregeln dazu.
1.    Auf Barbara die Sonne weicht, auf Lucia sie wiederum herschleicht.
2.    Geht Barbara im Klee, kommt's Christkind im Schnee.
3.    St. Barbara mit Schnee, im nächsten Jahr viel Klee.
4.    Knospen an St. Barbara, sind zum Christfest Blüten da.

Die Zeit der Wintersonnwende ist ja genauso wie die Sommersonnwende von vielen uralten Bräuchen umgeben. Die weiße unschuldige Blüte, versinnbildet die Reinheit und Unschuld, sowie den Glanz und die Freude auf das neue Leben.

Von Herzen wünsche ich Euch allen eine besinnliche ruhige Adventszeit. Wir freuen uns hier auf den Besuch unserer Generaloberin Sr. Maria Theresia und der Provinzoberin Sr. Hemma. So viel für heute. Euch allen von Herzen alles Gute und eine Gesegnete Zeit.
Eure Sr. Lioba Brand