Trigger

„Wenn die Frauen ihren Namen schreiben konnten, war das ein Fest“

Sr. Luzia Schmuki mit äthiopischem Festtagsbrot

Sr. Luzia Schmuki gab am Weltfrauentag einen tiefen, berührenden Einblick in das Land Äthiopien, die Arbeit der Steyler Missionsschwestern und die Lage der äthiopischen Frauen.

Bunt gemischt war die Zuhörerschaft, Frauen und Männer aus Laupheim und Umgebung waren ebenso gekommen, wie viele Schwestern, die ebenfalls in Afrika in der Mission waren oder sich informieren wollten.

Erste Begeisterung löste die äthiopische Kaffeegebäcktafel aus, die mit äthiopischem Festtagsbrot, dem "Ambasha", einer Art Knabbergebäck, Dabbo Kollo (süße Kugeln) und salzigem Popcorn gedeckt war. Sr. Luzia hatte das Brot am Vortag gebacken. Nachdem sich die Besucher gestärkt hatten begann Sr. Luzia ihren Vortrag mit einem Überblick über die Geschichte des Landes. Beeindruckt waren die Zuhörer über die 84 Sprachen, die es in Äthiopien gibt und der Tatsache, dass Sr. Luzia Amharisch, eine der schwierigsten einheimischen Sprachen aus dem Norden Äthiopien, gelernt hatte. Auch die Schilderung der Bevölkerungspyramide mit 40 Prozent Kindern unter 15 Jahren löste Überraschung bei den Anwesenden aus.

Passend zum Weltfrauentag war auch, dass in Äthiopien Frauen den Weg für die Mission gebahnt haben. Sr. Miriam Fromaget, die auch anwesend war, erzählte, wie sie mit der damaligen Generaloberin das Land erkundet hat. Die Vielfalt an Aufgaben, die die Schwestern dort tun, angefangen von Bildungsarbeit über Krankenpflege, aber auch Katechese oder Brunnenbau hat so manche Zuhörer überrascht. Sr. Luzia hat dies immer mit persönlichen Erfahrungen und Bildern verbunden, sodass man sich mitten im Geschehen fühlte. Besonders groß war die Betroffenheit angesichts der Schilderung von Kinderarbeit, die den Kindern oft nur ein oder zwei Jahre Schulbildung ermöglicht, von Kindern mit Behinderungen, die versteckt werden, Mädchen, die verstoßen werden, oder keinen Mann finden, wenn sie nicht beschnitten sind, oder Mädchen, die mit 13 Jahren verheiratet werden.

Aber es gab auch die andere Seite, "die Sternstunden", wie Sr. Luizia sie nennt: Wenn ein Kind mit Behinderung ins Krankenhaus gebracht werden konnte und danach wieder in der Gemeinschaft leben konnte, wenn ein Dorfältester sich mit den Schwestern zusammenfand und die Beschneidung der Mädchen verurteilte oder auch wenn Frauen wieder in die Schule gingen, um Lesen und Schreiben zu lernen. „Wenn die Frauen ihren Namen schreiben konnten, war das ein Fest!“

Nach zweieinhalb Stunden war die Zeit um, aber die Anwesenden hätten wohl noch lange zuhören können. Weitere Gelegenheiten sich mit dem Kontinent Afrika zu beschäftigen, gibt es beim nächsten „Mittwochs für Frauen“, wo es um die frühe Togo-Mission geht und bei weiteren Veranstaltungen des Dreifaltigkeitsklosters, das in diesem Jahr das Schwerpunktthema „Afrika“ hat.

Text und Fotos: Gerlinde Wruck