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Rigoberta Menchú – als Frau und Indigena die Gesellschaft verändern

Sr. Bernadette Dunkel referierte in der vierteljährlichen Veranstaltungsreihe „Mittwochs für Frauen“ im Dreifaltigkeitskloster in Laupheim über Rigoberta Menchú, die 1992 als bis dahin jüngste Frau den Friedensnobelpreis erhielt.

Sr. Hildegard Ossege begrüßte Sr. Bernadette als wohlbekannt in Laupheim und bat sie, den anwesenden Schwestern und Gästen doch zuerst etwas über ihre Arbeit in Moos zu berichten. Mit großem Interesse hörten die Anwesenden ihren Erzählungen über erste Schritte und Begegnungen im St. Theresienheim zu.

Ihren Vortrag begann Sr. Bernadette mit der Einladung zu einem Tanz mit Pilgerschritt, um alle mit auf die Reise nach Guatemala zu nehmen. Rigoberta Menchú wurde dort 1959 in einen Maya-Stamm mit eigener Sprache in die Gemeinschaft desselben hineingeboren. Dies bot Sicherheit, falls den Eltern etwas geschieht. Trotz der seit 1871 bestehenden Unabhängigkeit von Spanien wurden die Indigenas weiterhin unterdrückt, was sich beispielsweise darin äußerte, dass der vom Vater gewählte indigene Name nicht anerkannt wurde und er statt dessen aus einer Liste von Heiligen auswählen musste, weshalb sie nun „Rigoberta“ heißt.

Sie wuchs auf in einer Zeit des guatemaltekischen Bürgerkriegs, besuchte ein katholisches Internat, musste aber dort gleichzeitig für ihren Unterhalt arbeiten. Dort kam sie auch mit der Befreiungstheologie in Berührung. Es waren prägende Einflüsse, knüpfte die Befreiungstheologie doch dort wieder an, wo die Mayas im 9.Jhdt untergegangen waren. Rigoberta betete viel und verband die beiden Kulturen in ihrem Leben. Sie arbeitete nun als Hebamme und Heilerin.

Mit 20 Jahren trat sie dem Komitee der Rechte für Kleinbauern bei, nach ersten großen Demonstrationszügen wurde sie 1981 Mitglied der radikalen Volksfront. Mit 22 Jahren trat sie erstmals vor der UN auf und mit 24 Jahren erschien ihre Biografie, die sie weltweit bekannt machte. Trotz erster Wahlen 1985 setzte der Staat seine unterdrückerische Herrschaft fort. 1987 stellte sie erneut die Forderung nach Recht auf Arbeit und gerechten Lohn, Landbesitz, traditionelle Kleidung und Sprache, Bildung für die Kinder, Gesundheitszentren und freie Berufsausübung. Für ihren Einsatz für die Menschenrechte der indigenen Bevölkerung Guatemalas erhielt sie 1992 den UN-Friedensnobelpreis. Das Preisgeld verwendete sie für soziale Zwecke. „Wir brauchen keine Ratschläge und Bücher, das Leben ist unser Lehrer“. Heute sind globale Themen für Indigenas wichtig, Klimawandel, Abholzung der Wälder für Palmöl oder Sojaanbau.

Rigoberta war ergriffen vom Wunsch, als Frau und Indigena die Gesellschaft zu verändern. Sie trat für die Rechte der Frauen ein und ermutigte zu kleinen Zeichen des Widerstandes, z. B. indigene Symbole in die bunten Blusen zu weben. Auf den Fincas motivierte sie die Bauern zum Widerstand, wozu sie weitere der 21 verschiedenen Sprachen der Stämme lernen musste. Ihr war klar, dass sie ihr Leben riskierte.

Gleichzeitig achtete sie auch auf eine Differenzierung der Probleme, indem sie darauf hinwies, dass Indigenos nicht nur „nur gut“ und Latinos nicht „nur schlecht“ sind. Bezugnehmend auf die Judith-Erzählung der Bibel ist sie der Überzeugung, dass ihr Volk ohne gerechte Gewalt seine Freiheit nicht erlangen kann.

Sr. Bernadette schloss ihren interessanten Vortrag mit einer Erklärung der Symbole in der Mitte: die Sandalen stehen für die Landarbeiter, das braune Tuch ist Symbol für die Erde, die Musikinstrumente, z.B. Rasseln aus Tierklauen, stehen für die Tradition der Mayas und Rigoberta, die mehrere Instrumente spielte.

Text und Bilder: Gerlinde Wruck.