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Annalena S. - Argentinien: Misioneros somos

Nach drei Wochen Sprachschule bin ich endlich im schönen Posadas angekommen. Hier wohne ich mit Schwester Olivia und Schwester Catalina Berta von den Steyler Missionsschwestern, in der sogenannten "Quinta Santa Maria", einem Selbstversorgertagungshaus mit einem wunderschönen großen Garten.
Die Quinta scheint hier sehr bekannt zu sein bei den Leuten und so bekomme ich eigentlich immer, wenn ich erzähle, dass ich eine Missionarin auf Zeit bin und mit den Schwestern in der Quinta lebe, ein zustimmendes Nicken gefolgt von der Frage, was ich da denn so mache.

Nun in der Quinta helfe ich in meiner freien Zeit beim Kochen, Hunde versorgen und Putzen und lerne von den Schwestern die argentinischen Bräuche wie zum Beispiel den berühmten Mate-Tee kennen.
Meine "eigentliche Arbeit" ist aber außerhalb. Dreimal in der Woche verbringe ich den Nachmittag in der Fundación "Tupá Rendá"; kommt von der Sprache Guaraní und bedeutet so viel wie "Heim Gottes". Und das ist es auch wirklich. In diesem Haus leben 13 Kinder zwischen 2 und 15 Jahren, die sich aus verschiedenen Gründen wie zum Beispiel häuslicher Gewalt auf die Straße flüchten mussten.
Hier helfe ich den Kindern mit den Hausaufgaben, bei der Merienda (ein Nachmittagsimbiss, um bis zum Abendessen durchzuhalten) und habe danach die Möglichkeit, mit den Kindern zu spielen, musikalische Aktivitäten zu machen oder ihnen auch einfach nur zuzuhören.
Im Moment hab ich zwar manchmal noch sprachliche Schwierigkeiten, aber wie Mutter Teresa schon so schön gesagt hat: "Wir können keine großen Dinge tun, sondern kleine Dinge mit großer Liebe." Und genau das brauchen die Kinder auch: ganz viel Liebe; zuverlässige Menschen, die für sie da sind und ihnen auch ihre Grenzen zeigen.

"Am Wochenende sind wir eigentlich in der Gemeinde zu Hause." Diesen Satz sagte ein Mädchen der Kirchengemeinde, zu der wir gehören, einmal zu mir. Und dieser Satz ist auch meiner geworden. Am Wochenende verbring ich die meiste Zeit dort und fühle mich da auch schon ganz wie zu Hause.
Die Gemeinde wird von Salesianern geleitet, die (wie auch schon ihr Gründer Don Bosco) viel Wert auf die Kinder- und Jugendarbeit legen. So gibt es hier ein zahlreiches Angebot an verschiedenen Gruppen, sodass für jeden etwas dabei ist, bzw. man auch das ganze Wochenende in der Gemeinde verbringen könnte.  
Die Früchte dieser Arbeit kann man an der Gemeinde erkennen. Die ansteckende Freude der Leute am Glauben hat mich sehr beeindruckt.

Ich habe mich einer Missionsgruppe für Jugendliche angeschlossen, die dem sogenannten "Movimiento Juvenil Salesiano" (salesianische Jugendbewegung) angehört. Diese Bewegung hat das Ziel, die Kinder und Jugendlichen - noch bevor sie zum Beispiel in Drogen und Alkohol fallen - auf den Weg des Glaubens zu führen und ihnen dabei zu helfen, einen Sinn für ihr Leben zu finden.
So macht auch "meine" Missionsgruppe, die sich jeden Samstagabend zum Austausch und Gebet trifft, Oratorios (Oratorien=Angebote) für die Kinder der Gemeinde, vor allem die, die keine anderen Angebote wahrnehmen können und so ihr zu Hause in der Gemeinde finden.
Und wie sieht so ein Oratorio aus? Das Oratorio beginnt mit einem gemeinsamen Snack zur Stärkung, gefolgt von einem kleinen, für die Kinder verständlichen Impuls zum Beispiel über Barmherzigkeit, die Bibel oder den Patron der Gemeinde San Miguel (hl. Michael); je nachdem was gerade aktuell ist.
Ein wichtiger Teil sind anschließend Lieder und Spiele, die die Kinder für den Glauben begeistern und auch die Gemeinschaft stärken. Zum Abschluss darf natürlich auch nicht das gemeinsame Gebet fehlen.

Genauso wichtig sind auch die Treffen der Missionsgruppe am Samstagabend für die Jugendlichen, um auch ihren Glauben zu stärken. Wie der Name der Gruppe schon sagt, erweitern die Jugendlichen auch ihren Blick, indem sie einmal im Jahr auf eine Mission gehen in andere Dörfer oder Städte, die zur Diözese gehören. Dort teilen sie ihren Glauben mit den Leuten. Sie besuchen viele Familien, schauen, wo Not ist und Hilfe gebraucht wird, und begeistern sie neu für den Glauben, damit sie zurück zur Gemeinde finden.
Mission allgemein scheint hier passend zum Namen der Provinz ("Misiones") ein allgegenwärtiges Thema zu sein (sogar das örtliche Bus-Unternehmen heißt "misionero").

Fast jede Gemeinde und katholische Schule hat eine Missionsgruppe. So auch die Schule der Steyler Schwestern in Posadas. Diese Gruppe wird von Schwester Catalina geleitet, wodurch ich die Möglichkeit habe, auch ein Teil dieser Gruppe zu sein. Jeden Dienstag treffen wir uns, um uns auf die bevorstehende Mission im Dezember sowohl innerlich als auch äußerlich vorzubereiten.
Da diese Gruppe keiner Gemeinde angehört, die sie unterstützt, müssen wir für alles selber sorgen. So organisierten wir zum Beispiel einen Hähnchenverkauf, um Geld zu sammeln für Lebensmittel, Fahrtkosten und sonstige Materialien, die gebraucht werden. Diese Aktionen und Treffen stärken gleichzeitig auch die Gemeinschaft und die Vorfreude auf die Mission.
Wie ihr seht, passt man hier als Missionarin auf Zeit wunderbar rein. Ich fühle mich auch schon ganz als ein Teil der Gemeinschaft, was auch nicht schwer ist aufgrund der Herzlichkeit der Menschen hier, mit denen ich mich schon allein durch den gemeinsamen Glauben verbunden fühle.
Ich versteh zwar noch nicht alles, aber so bleibt positiv gesehen noch Offenheit für Fettnäpfchen und Missverständnisse, die dann zur Erheiterung aller für eine neue Anekdote sorgen.

Veröffentlicht: 22.11.2016 / Martin Eibelsgruber

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