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Janina J. - Bolivien: Whatsappen mit den Schwestern

Der Sprachkurs zu Beginn meines Einsatzes war super, wir hatten Einzelunterricht und haben so viel geredet. Gewohnt habe ich in einer total lieben Gastfamilie. Auch als ich zwischendurch ein wenig Magenprobleme hatte, haben sie mich super umsorgt. Das Essen hier ist einfach großartig – und reichlich. Nur vor Blattsalat und frischem Gemüse nehme ich mich jetzt besser bisschen in Acht und halte mich lieber an die Bananen, die es hier in rauen Mengen gibt.
Nachmittags hatten wir Zeit, wegen Visum und anderen organisatorischen Dingen zu den Schwestern ins Provinzhaus oder zu den Josephsschwestern zu fahren. Im Provinzhaus durfte ich am letzten Tag in Cochabamba noch mit zu Mittag essen. Mit den Josephsschwestern haben wir einmal sogar gebacken und zwar Roscones – frittierte Teigringe. Die sollten am nächsten Tag verkauft werden - jedenfalls die, die wir nicht vorher stibitzt haben.
Ansonsten habe ich auch viel mit den anderen Sprachschülern unternommen, von denen zwei bald auch nach Potosí kommen und dort in einem Projekt mitarbeiten, in dem die Frauen der Minenarbeiter unterstützt werden. Wir waren zum Beispiel beim Cristo (der großen Christusstatue), haben den Ausblick genossen und haben einen Salteña-Kurs besucht, um zu lernen, wie das hier ziemlich überall - allerdings nur in den Morgenstunden - erhältliche Gebäck gemacht wird. Das ist ziemlich kompliziert.

Zusammen mit der Gasttante einer anderen MaZ waren wir am ersten Sonntag in der Messe in Quillacollo, bei der es im Anschluss noch einen riesigen Markt gab, auf dem lauter Miniaturen verkauft wurden. Hier ist es Tradition, diese zu weihen bzw. zu opfern. Es gab beispielsweise Gemüseminiaturen, von denen erhofft wird, dass es im nächsten Jahr genug "Originale" gibt. Aber auch Miniautos wurden verkauft, wenn die Familie sich ein Auto wünschte. Am Rande habe ich auch noch Toilettenpapier entdeckt, was ich zunächst lustig fand, aber Papier ist hier tatsächlich verhältnismäßig wertvoll.
Wo wir grad bei dem Thema sind: Das Papier sollte man hier auf keinen Fall in die Toiletten, sondern in den Mülleimer werfen, weil der Druck in den Leitungen so schwach ist, dass es teilweise gar nicht heruntergespült wird. Es war gar nicht so einfach, sich daran zu gewöhnen. Aber mittlerweile ist das total drin.
Was hier noch ganz anders ist, aber worin ich mich total verliebt habe, ist das öffentliche Verkehrssystem. Egal wie weit man mit dem Trufi oder Micro (zwei Busartens) fährt, man bezahlt immer zwei Bolivianos. Wenn man aussteigen will, bittet man einfach den Fahrer, kurz anzuhalten. Taxis sind auch nicht allzu teuer, wenn man sie sich mit genügend anderen teilt. Da sitzen auch gern mal vier auf der Rückbank oder einer im Kofferraum.

Für das letzte Wochenende in Cochabamba bin ich dann noch mit vier anderen Sprachschülern in den Chapare gefahren, in ein Regenwaldgebiet, dessen Flüsse entfernt mit dem Amazonas verbunden sind. Im Großraumtaxi waren wir zusammen mit zwei Bolivianerinnen und eine hat uns auch etwas zu Essen angeboten. Nachher haben wir herausgefunden, dass das Stück Fleisch, was sie uns zusammen mit einer halben Kartoffel gereicht hat, ein Stück Hühnermagen war. Es hat sehr gut geschmeckt. Die beiden waren wohl auf dem Weg heim zu ihrer Familie.
Am letzten Tag war der Tag von Cochabamba. Wir waren am Vorabend zusammen mit ca. 40.000 Menschen (gefühlt der ganzen Stadt) zusammen im Stadion, wo es ein riesiges Konzert gab und es war echt beeindruckend, wie eine La-Ola –Welle fünf Runden durchs Stadion geht.

Als es dann für mich nach Potosí ging, habe ich am Busterminal eine Frau getroffen. Sie wollte wohl auch nach Potosí, ist aber mit einer anderen "Flota" (Fernreisebus) gefahren. Sie hat mich gefragt, was ich hier so mache und wie ich dazu gekommen bin, und mir erzählt, dass sie früher auch auf dem Colegio Copacabana war. Ich muss zugeben, dass ich zunächst etwas misstrauisch war, weil es teilweise besonders abends an überfüllten Orten, wie dem Busterminal auch Leute gibt, die einen nur ansprechen, um einen abzulenken, sodass man leichter ausgeraubt werden kann. Meine Gastmutter hat mich auch immer gewarnt, den Rucksack vorne zu tragen und auf meine Sachen aufzupassen. Aber dies war einfach eine schöne Erfahrung.
Da ich vergessen hatte zu fragen, wann der Bus ankommt, habe ich erstmal meine Sitznachbarn gefragt und so konnte ich auch mit Schwester Damiana in Potosí über WhatsApp meine Ankunft klären. Als ich in der Wohnung ankam, war allerdings das Bett mein erstes Ziel. Ich war von der nächtlichen Reise – dummerweise hatte ich als einzige keine Decke mitgenommen - ziemlich übermüdet und durchgefroren und an die Höhe ja auch gar nicht gewöhnt. Schwindel und Kopfschmerz waren aber am zweiten Tag schon fast vergessen und ich konnte zusammen mit den Schwestern essen und sogar schon zum Einkaufen in die Stadt. Der Markt ist auch toll - es gibt viel Obst und eigentlich alles, was man braucht.

Dann ging es los mit der Arbeit. Morgens bin ich in einer Klasse mit Fünfjährigen, die schon anfangen schreiben zu lernen und total gerne zeichnen. Verhungern werde ich hier auf jeden Fall nicht. In den Pausen gibt es immer noch irgendwas zu essen und die Kinder versorgen uns auch immer gut. Nachmittags bin ich in einer Handarbeitsklasse, wo ich einfach mitmachen kann. Heute morgen bin ich auch noch zur Kochklasse gegangen, obwohl das Wochenende eigentlich frei ist. Aber das war ganz schön. Jetzt kann ich noch einen weiteren leckeren Nachtisch zaubern.
Mittwoch waren wir mit den Kindern im Schwimmbad. Das war auf einer etwas niedrigeren Höhenlage und auch ziemlich warm und das Wasser zum Glück auch. Als wir wieder fahren wollten, hat es plötzlich aus heiterem Himmel angefangen zu hageln.
Generell haben wir hier so 10 bis 15 Grad und auch in der Wohnung ist es nicht viel wärmer, da wir keine Heizung haben. Aber dafür ist das Bett dann immer umso kuscheliger.
Heute Abend gehen wir (beiden Freiwilligen) mit einer Lehrerin ins Kino - Mal schauen, wie gut wir den Film schon auf Spanisch verstehen.

Veröffentlicht: 22.11.2016 / Martin Eibelsgruber

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