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MaZ Rückkehreraktion: Von der Kehrseite der globalen Finanzmärkte – Wer verliert in unserem Wirtschaftssystem?

Rechts der Investmentbanker, die prall gefüllte Geldbörse in der Anzugstasche seines Business-Outfits mit sich führend, links daneben der Mann von der Straße, einfach gekleidet, jeden Euro dringend benötigend – längst weltweiter Alltag in vielen Großstädten. Auch in Frankfurt. Im April hatten die Steyler Missionsschwestern in der Finanzmetropole eine neue Kommunität gegründet. Zum vergangenen Wochenende luden die Schwestern etwa 15 MissionareInnen auf Zeit (MaZe) zur Rückkehrer-Aktion unter dem Titel „Von der Kehrseite der globalen Finanzmärkte – Wer verliert in unserem Wirtschaftssystem?“ nach Frankfurt ein. Gemeinsam nahmen sie aus dem Kapitalismus resultierende Missstände in der Gesellschaft genauer unter die Lupe. In einer Protestaktion vor der alten Frankfurter Börse taten die jungen Leute schließlich ihren Unmut über die miserable Situation von Betroffenen kund.


Den Einstieg in das Thema bildete am Donnerstagabend eine Stadtführung durch die Finanzmetropole. Innerhalb kürzester Zeit stießen die Angereisten auf die zwei Gesichter der Stadt. Im Bahnhofsviertel treffen auf engstem Raum Luxusappartments, hippe Bars, Konsumtempel und Bankentürme auf Rotlicht-Millieu und Drogenszene. Nach der ersten Übernachtung in den Räumen der Pfarrgemeinde St. Aposteln in Frankfurt-Sachsenhausen war früh morgens der nächste Gang auf die Straßen der Finanzmetropole eingeplant. Eine Gruppe zog es erneut in das Bahnhofsviertel, eine andere besuchte Menschen auf der Brache im Frankfurter Stadtteil „Gutleutviertel“. Dort haben sich größtenteils Menschen rumänischer Abstammung einen Platz zum Leben geschaffen, allerdings unter menschenunwürdigen Bedingungen: Die Behausungen sind aus Holz und Plastik zusammen gebaut. Direkt nebenan türmt sich der Müll. Sanitäre Anlagen gibt es theoretisch, praktisch aber sind diese nicht nutzbar. Unter den Bewohnern auf der Brache befand sich ein Künstler. Er berichtete der Gruppe, aus welchen Gründen er dort lebt. In Frankfurt hofft er auf bessere Verkaufschancen seiner Bilder und somit auf ein menschenwürdiges Leben. Ein ganz verständlicher Grund. Innerhalb der MaZ-Gruppe machte sich eine Stimmung der Betroffenheit breit.

Im anschließenden Austausch rückten folgende Fragen in den Mittelpunkt: Wie kann es sein, dass mitten in Deutschland Menschen unter derartigen Bedingungen leben müssen? Warum leben die Leute drei Straßen weiter in schicken Hochhäusern und auf der Brache in Holzbauten? Antworten darauf findet Referent Gregor Böckermann, im Kapitalismus. Herr Böckermann war jahrelang im Ausland in der Friedensarbeit tätig, bis er feststellte, dass hier vor Ort mit dem Engagement an der richtigen Stelle ebenso viel zu erreichen ist, wie in der internationalen Entwicklungshilfe. Seine Worte nahmen sich die MaZe zu Herzen und begannen mit der Umsetzung in die Tat.


Nach Planung und Vorbereitung starteten sie am Samstagmorgen ihre Rückkehrer-Aktion: Mitten auf den Platz vor der alten Frankfurter Börse postierte sich die Gruppe mit den gestalteten Plakaten und mitgebrachten Tischen. In einem kurzen Schauspiel bekleideten zwei MaZe die Rolle des Kapitalisten und des Börsenmaklers. Im Stück forderten sie mit gezielten Pfiffen vier weitere MaZe dazu auf, ein Kleidungsstück nach dem anderen auszuziehen. Die vier mutigen standen am Ende des Schauspiels lediglich in kurzer Hose und T-Shirt bekleidet vor dem Börsengebäude. Mit den ausgerufenen Worten „Du nimmst mir das letzte Hemd“ verliehen sie der Szene den passenden Anklageton, der dem vorherrschenden, ausbeuterischen Wirtschaftssystem galt. Unter den Menschen, die angehalten waren, um dem Geschehen zu zu sehen, ernteten sie großen Applaus. Auch während der weiteren Inszenierung, in der Kapitalisten dem Volk wichtige Grundwerte (per Plakat aus den Händen) entreißen und in eine Mülltonne werfen, ließ sich in den Gesichtern im Publikum eine zustimmende Haltung erkennen. Kritik war kaum zu vernehmen.
Insgesamt eine gelungene Aktion, da waren sich die MaZe in der anschließenden Feedback-Runde einig. Zu hoffen bleibt jetzt, dass sich auf langfristige Sicht auch tatsächlich etwas an der Situation verändert, so dass das drastische Auseinanderdriften der Schere zwischen Arm und Reich gestoppt werden kann. Es gilt: Zeichen Setzen und aktiv bleiben!

Maria van de Sand

Veröffentlicht: 05.12.2016/ Sr. Maria Müller SSpS