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Miriam H. - USA: Lila Schleifen gegen Häusliche Gewalt

Die Tage vergehen wie im Fluge, und ich kann es gar nicht fassen, dass ich schon zwei Monate in den USA bin. Einerseits fühle ich mich hier schon sehr heimisch, andererseits kommt es mir vor, als wäre es gar nicht so lange her, dass ich mich von meiner Familie, meinen Freunden und dem Leben in Deutschland verabschiedet habe.

In den letzten Tagen und Wochen habe ich viele neue Leute kennengelernt, meine Arbeit im Life Learning Center hat begonnen und ich hatte die Möglichkeit, ein paar neue Orte in der Umgebung zu erkunden.
Zuerst möchte ich über meinen Arbeitsalltag im Life Learning Center berichten:
Eine meiner Hauptaufgaben ist es, das Kinderprogramm zu gestalten, während die Mütter und Väter die Kurse des Centers besuchen. Konkret heißt das, dass ich montags, mittwochs und freitags am Vormittag und am Abend während der Englischkurse und am Dienstag-Abend während der Bibelklasse auf eine Gruppe von Kindern aufpasse.
Die Kinder sind zwischen drei und 13 Jahre alt, und so ist es manchmal etwas schwierig, Spiele zu finden, die allen Kindern Spaß machen. Allerdings gibt es auch ein paar Spiele, die allen gefallen, wie zum Beispiel Versteck-fangen oder Ballspiele wie "Affe in der Mitte".
Neben den Spielen haben wir zum Beispiel gemeinsam die Dekoration für die Halloween-Party, die letzten Freitag im Center stattfand, gebastelt.
Da die Mütter und Väter zum Teil nicht so regelmäßig die Kurse besuchen, betreue ich keine feste Gruppe von Kindern.

Am Montag-, Mittwoch- und Freitagnachmittag leite ich die Hausaufgabenbetreuung, bei der ich einer Gruppe von 6 bis 11 Kindern bei den Hausaufgaben helfe. Nachdem die Hausaufgaben erledigt sind, haben wir immer noch etwas Zeit, um gemeinsam zu spielen. Manchmal sind noch Schwestern aus meiner Kommunität zum Helfen da, oder Novizen der Steyler Brüder.
Viele Kinder kommen jedes Mal für die Hausaufgabenbetreuung ins Life Learning Center, auch wenn sie keine Hausaufgaben haben. Das freut mich total, denn das ist ja ein Zeichen dafür, dass es ihnen hier gefällt.

Am Dienstag und Mittwoch-Nachmittag haben wir die "Golden Hours" für Senioren. Die Gruppe der Teilnehmer ist total bunt gemischt und besteht entgegen meiner ersten Erwartungen nicht nur aus älteren Frauen, sondern auch aus Frauen mittleren Alters. Neben Tai Chi und Yoga tanzen wir zusammen, spielen Merkspiele, basteln und reden über Gesundheit und gute Ernährung.
Da dieses Programm neu im Life Learning Center ist, versuchen wir vorerst herauszufinden, welche Aktivitäten allen Teilnehmern gefallen. Somit ist dieser Kurs noch im Wandel und ich habe die Möglichkeit, mich mit meinen Ideen einzubringen.

Ich finde es superschön zu sehen, wie sehr die Frauen sich auf die gemeinsamen Nachmittage freuen und wie wohl sie sich in der Gruppe fühlen. Für manche der Frauen ist diese Zeit total wichtig, da sie sonst alleine sind und kaum Leute um sich haben, mit denen sie reden können. Deshalb bleiben einige nach Programmende noch ein bisschen länger hier, um sich noch zu unterhalten.

Am Dienstagmorgen haben wir einen Strickkurs, der mit 12 Teilnehmern sehr gut besucht ist. In diesem Kurs gibt es zwar auch eine Leiterin, doch alle Teilnehmer bringen sich gegenseitig verschiedenste Strick-Varianten bei. So kann jeder von jedem lernen. Die meisten Frauen bringen zu dem Kurs auch ein paar Dinge mit, die sie schon fertig gestrickt haben. Für mich ist es total beeindruckend zu sehen, wie talentiert die meisten sind.
Schön ist, dass es in dem Kurs neben den Fortgeschrittenen auch Anfänger gibt. Dadurch fühle ich mich nicht ganz so verloren, denn ich habe jetzt erst mal angefangen einen einfachen Schal zu stricken (den ich bestimmt gut gebrauchen kann, denn im Winter soll es hier sehr kalt werden).
Neben dem Strickkurs bieten wir als weiteres kreatives Angebot am Donnerstagabend einen Nähkurs an. In den letzten beiden Wochen haben wir eine Schürze genäht, und diese Woche haben wir angefangen, das Schnittmuster für einen Rock zu zeichnen.
Da während dieses Kurses meistens keine Kinder für die Kinderbetreuung da sind, genieße ich es, mit den Teilnehmern zusammen zu nähen. Darüber hinaus gibt es noch an zwei Vormittagen der Woche einen Computerkurs, da einige der älteren Leute, die hier her kommen, keine Computerkenntnisse haben. In dem
Kurs geht es daher eher um Basics, z.B. wie man einen Computer anschaltet, E-Mails öffnet etc.
Zu den angebotenen Kursen gehört außerdem auch ein Glaubenskurs, der von einem Priester geleitet wird. Hier geht es darum, wie man den Glauben heutzutage leben kann. Leider kann ich bei dem Kurs nicht mitmachen, da ich zu dieser Zeit auf die Kinder der Kursteilnehmer aufpasse. Doch ich finde es sehr beeindruckend, wie viele junge Mütter an dem Kurs teilnehmen und dass sich auch ein paar Väter für diesen Kurs interessieren.

Wir haben hier im Life Learning Center also ein total bunt gemischtes Programm für alle Altersgruppen. Ich finde es schön, dass nicht nur Englischkurse angeboten werden, sondern auch kreative Kurse, die zum Teil auf Englisch sind, sodass es für die Kursteilnehmer einfacher ist, Englisch zu lernen.

Neben meiner Aufgabe bei dem Programm im Life Learning Center mitzuhelfen, bin ich für einige Administrationsaufgaben zuständig. In den letzten Wochen habe ich zum Beispiel alle Registrationen der Kursteilnehmer in den Computer eingegeben und eine Kursteilnehmerliste für jeden Kurs erstellt. Außerdem habe ich eine Anwesenheitsliste für jeden Kurs erstellt, die nach jeder Woche in den Computer eingegeben wird, um zu überprüfen, wie viele und welche Teilnehmer an
den Kursen teilgenommen haben.
Zu Beginn der Kurse bin ich noch für den Welcome-Service zuständig. Das heißt, dass ich Kekse und Kaffee vorbereite und den Leuten die Türe aufmache, um sie zu begrüßen.

Zusätzlich zu dem normalen Kursprogramm im Life Learning Center haben wir jeden Monat verschiedene Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themen (wie z.B. Immigration). Wir hatten vor kurzem beispielsweise eine Veranstaltung über Domestic Violence (Häusliche Gewalt), da der Oktober der Monat ist, an dem besonders an die Opfer von häuslicher Gewalt erinnert wird.
(Ein weiterer Zweig des Centers ist die Beratung von Opfern häuslicher Gewalt. Hierfür haben wir eine ausgebildete Beraterin, die sich um die Leute kümmert und sie im Einzelfall beraten kann.)
Wir haben uns dafür morgens getroffen und als erstes über unsere Erfahrungen mit häuslicher Gewalt geredet. Anschließend haben wir lilafarbene Schleifen rund um unser Haus aufgehängt, um die Passanten auf das Thema aufmerksam zu machen.
Letzten Freitag haben wir im Center eine kleine Halloween-Party veranstaltet, bei der es neben Spielen und gemeinsamen Essen eine kurze Präsentation über die Wurzeln von Halloween gab.

Doch ich möchte nicht nur von meiner Arbeit im Center berichten, sondern auch über meine Kommunität, die Schwestern und meinen Alltag, wenn ich gerade nicht am Arbeiten bin.
Die Schwestern treffen sich jeden Morgen um 6:30 Uhr in unserer Hauskapelle, um gemeinsam die Laudes (das Morgengebet) zu beten. Danach gehen wir zusammen in die Messe. Neben dem Morgengebet treffen wir uns abends, um die Vesper zu beten. Jeden Dienstag bin ich für die Vorbereitung des Morgen- und Abendgebets sowie für das Kochen des Mittag- und Abendessens zuständig.
Für mich ist es total schön, gemeinsam mit den Schwestern zu beten und in die Messe zu gehen, da man sich so jeden Morgen neu sammeln und den Tag mit einem Gebet beginnen kann.

Da meine Kommunität zum Großteil aus jungen Schwestern besteht, die gerade studieren, ist die Zusammensetzung der Kommunität oft im Wandel.
Vor ein paar Wochen haben wir uns von einer Schwester verabschiedet, die jetzt in eine andere Kommunität gezogen ist. Außerdem wird uns im Dezember eine andere Schwester verlassen.
Für mich ist das sehr schade, da ich mich wirklich sehr gut mit den Schwestern verstehe. Doch vielleicht kommen ja bald neue Schwestern, die in unsere Kommunität ziehen.

Jeden Sonntag treffen sich Jugendliche bzw. junge Erwachsene aus der Gemeinde, um gemeinsam zu spielen, Lieder zu singen und um sich über ihren Glauben auszutauschen. Für mich ist das eine gute Möglichkeit, junge Leute in meinem Alter kennenzulernen, und ich finde es total beeindruckend, wie viele Jugendliche zu diesem Treffen kommen.
Nachdem wir gemeinsam ein paar Spiele gespielt haben, hören wir immer einen kurzen Impuls, der immer von einem anderen Teilnehmer der Gruppe vorbereitet wird. In den letzten Wochen haben wir uns mit den Zehn Geboten, Freundschaft und St. Gerome (Hl. Hieronymus), dem Heiligen der Kirche, beschäftigt.
In zwei Wochen wird ein Retreat (Exerzitien/Einkehrtage) mit der Jugendgruppe stattfinden, worauf ich mich schon total freue.


Veröffentlicht: 22.11.2016 / Martin Eibelsgruber

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