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Auf nach Griechenland!

Innerhalb weniger Monate - und begleitet von mehreren Himmelszeichen – nahm ein Traum Gestalt an und wird nun Wirklichkeit: Heute, am 9. Mai, machen sich drei Schwestern aus drei europäischen Ländern auf zu ihrer Mission im Dienste der Flüchtlinge in Griechenland. In Zusammenarbeit mit dem Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) drängt es sie, "in Gemeinschaft mit den Marginalisierten und Ausgeschlossenen", zu den Migranten am Rande ihrer eigenen Existenz, in einem Land, das selbst in sich erschüttert ist. Griechenland, an der Kreuzung Europas, Asiens und Afrikas gelegen, scheint der Ort zu sein, an den der Geist uns Steyler Missionsschwestern in diesem Moment unserer gemeinsamen globalen Geschichte führt.

In Vorbereitung auf ihre Pioniermission trafen sich die drei Schwestern - Sr. Ada Lick (Österreich), Sr. Rastislava Kurajová (Slowakei) und Sr. Clara Silalahi (Spanien, gebürtig aus Indonesien) - für fünf Tage im Mutterhaus Steyl. Eine vierte Schwester, Sr. Preethi Silva (Indien Nordosten), befindet sich noch im Visumsprozess und wird hoffentlich bald zu ihren Schwestern in Griechenland stoßen. Die Tage in Steyl wurden vorbereitet und begleitet von Sr. Anna-Maria Kofler (Leiterin der Deutschen Provinz, Vorsitzende des Eurorates) und Sr. Maria José Rebello (Regionalleiterin Spanien/Portugal, Eurorätin). Auch P. Jose Ignacio Garcia SJ (Brüssel, JRS-Direktor in Europa) war für zwei Tage anwesend.

Die Ziele der Tage in Steyl waren: im Bewusstsein des persönlichen Rufes, den Flüchtlingen in Griechenland zu dienen, zu wachsen, vertraut zu werden mit dem Entstehungsprozess und den Zielen des "Traum"-Projektes, den Gemeinschaftsbildungsprozess zu beginnen, gemeinsam Zeit zu verbringen mit Gebet, Austausch und in Freude. In einer Atmosphäre von Offenheit und gegenseitigem Respekt tauschten sich die Schwestern über ihre persönlichen Stärken, Schwächen und Bewältigungsmechanismen sowie über ihre Motive, sich für das Projekt zur Verfügung zu stellen, oder die Ängste, die sie vor diesem großen Schritt erleben, aus. Inputs über die Leitlinien des letzten Generalkapitels und das soziale Verständnis der Steyler Gründungsgeneration gehörten ebenfalls zum Programm. Da das Treffen in Steyl stattfand, war es eine gute Gelegenheit, sich Zeit zu nehmen für das Gebet und zum Auftanken an den Wurzeln unserer Ordensgemeinschaft und dem Grab der Gründer.

Dank der geschätzten Anwesenheit von P. Jose Ignacio Garcia erhielten die Schwestern gute Einblicke in die Vision und Mission des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes (JRS), mit dem sie in Athen eng zusammenarbeiten werden. Tatsächlich liegt es an der Verbindung mit dem JRS, dass der Traum von einer missionarischen Präsenz in Griechenland in so kurzer Zeit zu seiner Erfüllung kommt. Der JRS ist in 15 europäischen Ländern vertreten. Hauptanliegen ist es, den Flüchtlingen Zugang zu Schutz zu gewähren, zur sozialen Eingliederung beizutragen, Besuche und Hilfe in den Unterkünften zu gewährleisten und die Kommunikation und Interessenvertretung zu unterstützen. In Griechenland gibt es derzeit rund 60.000 Migranten, vor allem aus Syrien, Afghanistan und Nigeria. Doch wird sich ihre Zahl bis zum Ende des Jahres 2018 aufgrund der Umsiedlung in andere europäische Länder und illegaler Migration voraussichtlich halbieren. Die griechische Regierung arbeitet kaum mit Nichtregierungsorganisationen (NGO) wie dem JRS zusammen. Darüber hinaus sind in dem orthodoxen Land (90% der Bevölkerung ist orthodox) katholische Orden eine Randerscheinung. Obwohl es neben dem JRS auch andere NGO‘s und Freiwillige gibt, ist das Zusammenspiel noch nicht gut koordiniert und organisiert. Es ist ein "Schüttelsystem", wie Fr. Jose Ignacio sagte. Und: "Ihr könnt eine weitere Blase in diesem Schüttel-System sein, die Unterstützung für die Flüchtlinge bietet."

Unsere Schwestern werden in einer Etage eines JRS Hauses leben. Eine weitere Etage beherbergt zwei afghanische Familien, während die restlichen Zimmer für Büros und Aktivitäten reserviert sind. Im Kontakt mit den Flüchtlingen werden unsere Schwestern vielen verschiedenen Realitäten in Massenunterkünften, Schutzhäusern und illegal besetzten Häusern begegnen. Ebenso verschieden kann auch ihr Dienst für die Menschen sein: in Kontakt zu treten, Mütter und Kinder zu stärken oder ihnen das Leben zu erleichtern, zum Beispiel durch die Bereitstellung eines Computers mit Internet, um mit ihren Lieben zu Hause zu skypen. "Es wird Zeiten geben, in denen eure Fähigkeiten gefragt sind, aber meistens eure Liebe", versprach Fr. Jose Ignacio. Er ermutigte die Schwestern, die persönlichen Grenzen, die sie angesichts ihrer Mission spüren könnten, zu akzeptieren, denn diese würden sie demütiger machen und näher zu den Menschen bringen, die selbst mit so vielen Grenzen konfrontiert sind.

Während der Eucharistie mit der Mutterhausgemeinschaft erinnerte Sr. Anna-Maria alle Anwesenden an die prophetische Botschaft, die von der neuen Mission in Griechenland ausstrahlt: "Mit euch beginnt etwas Neues für uns in Europa!" Die Bereitschaft der drei Schwestern hat Auswirkungen auf alle europäischen Provinzen und Regionen. Das Land Griechenland wird für uns und unser Verständnis von Mission in Europa eine andere Bedeutung annehmen, gerade in dieser Zeit, wo so viel in Frage steht. P. Jose Ignacio zog eine Parallele zum Geschehen jeder Eucharistie, als er sagte, dass beide, die Eucharistie und die Sendung der Schwestern, ein Zeichen sei für die Welt, dass es eine Zukunft gibt. Eine Zukunft, die letztlich nicht von unseren Fähigkeiten abhängt, sondern in der Liebe Gottes verwurzelt ist. "Euer Aufbruch nach Griechenland ist ein kleines Sakrament", schloss er. Die Tiefe und Wahrheit dieser Worte war in der ganzen Atmosphäre der Eucharistie greifbar. Nicht zuletzt wegen des Liedes und des Gebetes der Hingabe der Schwestern, die im Namen von uns allen gehen. Mögen unsere Gebete sie begleiten!

Unser Jahresmotto

Weitere Informationen

Zuverlässige Daten über die Situation der Flüchtlinge in Griechenland und im gesamten Mittelmeerraum, die vom UNHCR (Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge) zur Verfügung gestellt werden: http://data2.unhcr.org/en/situations/mediterranean

JRS Ellada: Facebook Seite JRS in Griechenland, wo wir wohl bald auch Bilder von unseren Schwestern und ihre Aktivitäten sehen werden: https://www.facebook.com/jrsgreece/