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Ein "Märzchen" mit guten Wünschen (Rundbrief von Sr. Lioba aus Rumänien)

In Rumänien beginnt der Frühling mit dem ersten März und in den Farben Rot-Weiß. Wofür diese stehen und wo man sie überall zu sehen bekommt, erzählt Sr. Lioba Brand in ihrem neusten Rundbrief aus Rumänien.

Inzwischen spürt man schon, welche Kraft die Sonne jetzt hat. Obwohl noch immer teilweise Schnee liegt und es heute Morgen auch geschneit hat, kann man spüren, wie sich die Lebenskraft durchsetzt. Um unser Haus herum sind viele Katzen aus der Nachbarschaft. Die feiern zurzeit auch lautstark Hochzeit. Hier in Rumänien wird ja der 1. März als Frühlingsanfang angesehen. Über den Brauch, sich mit kleinen Rot-Weißen Anhängern (Märzchen) zu beschenken, habe ich in den vergangenen Jahren schon berichtet.
Bei uns in der Schule ist der Frauentag am 8. März wichtiger. Dieser Tag wird wie bei uns der Muttertag gefeiert.

Das Reha-Zentrum für Alkoholabhängige ist momentan auch gut belegt. Dort mache ich auch Glückwunschkärtchen und andere kleine Andenken für den 1. März und für den Frauentag. Für den 1. März werden hauptsächlich Glückssymbole verwendet. Das rote Bändchen steht für Sonne, Leben, die warme Jahreszeit und das weiße Bändchen für den Winter und die Kälte.

Man spürt die Kraft des Frühlings jetzt sehr stark. In kürzester Zeit ist der Schnee geschmolzen und die Schneeglöckchen und die anderen Frühlingsblumen strecken sich aus dem noch kalten Boden in die warme Sonne. Man kann fast dabei zusehen, wie die Knospen jeden Tag dicker werden. Für Sr. Oktaviana aus Indonesien, wo es keinen Winter gibt, ist das höchst interessant. Sie war ganz beeindruckt, als ich ihr die Blattknospe an dem scheinbar dürren Zweig gezeigt habe.

Unsere Buchsbaumhecken sind aber totgefressen vom Buchsbaum-Zwieseler. Der Schmetterling sieht ein wenig so aus wie ein Kohlweißling, nur hat er noch so schwarze Flügelränder. Ich habe in der Stadt gesehen, dass alle Buchsbaumhecken in der Stadt Roman befallen sind und bei uns sind sie schon ganz braun und ohne Saft. Soweit ich mich informieren konnte, gibt es nur eine Lösung für das Problem, nämlich eine andere Pflanze als Hecke setzen. Der Buchsbaum-Zwieseler geht nur an den Buchsbaum. Die gefräßigen Raupen saugen den Saft aus den Blättern. Sie sind sehr schwer zu bekämpfen, und wenn mit Natürlichen Mitteln muss man sie gleich am Anfang, wenn es noch wenige sind, von Hand absammeln.

Die Krähen-Kolonie hier ist auch schon eifrig am Nester bauen oder auffrischen. Heute konnte ich beobachten, wie ein Krähen-Clan auf einer Wiese seine im Herbst verstecken Nüsse gesucht hat, nachdem der Schnee zum größten Teil verschwunden war.

Heute war ich auch das erste Mal wieder mit dem Fahrrad auf dem Schulweg. Das Zentrum Fundatia Pacea der Franziskaner Minoriten liegt am Stadtrand von Roman.

Roman und Laupheim haben ja einiges gemeinsam. Zum einen lebten hier bis zur Grenzöffnung 1991 sehr viele Juden. Ein ganzes Stadtviertel oder wenigstens mehrere Straßenzüge sind von den Juden erbaut. Sie waren Kaufleute und Handwerker. Die wunderschönen Jugendstil-Häuser waren bis vor 5 Jahren, als ich hier ankam, ziemlich verfallen. Die ganze Straße war eine offene 5 Jahre alte Baustelle. Jetzt, nachdem die Straße renoviert wurde und für den Schwerverkehr gesperrt ist, werden die schönen Villen eine nach der anderen wieder bewohnt und restauriert. Es gibt auch einen Juden-Friedhof, dort war ich aber noch nicht. Das Zweite, was die Stadt Roman mit Laupheim gemeinsam hat, ist die Krähen-Kolonie. Nur, dass hier viel mehr Krähen sind und die Aufregung darüber nicht so groß ist.

Fastnacht wird hier nicht gefeiert, aber es gibt doch auch sehr viele alte Bräuche, die ähnlichen Charakter haben wie die alemannische Fastnacht. Vieles ist auch in den Raunächten um Weihnachten und Neujahr. In der Pfarrei sind die Leute zusammengekommen und haben einen Kultur- und Brauchtumstag gemacht. In der Schule bereiten wir uns auf den Frauentag (Muttertag) und auf den 1. März vor. Zum ersten März gibt’s ein Anstecker mit Kleeblatt und Marienkäfer, und natürlich dem rot-weißen Bändchen, und zum Muttertag eine Blumen-Ampel mit einer Aloe-Pflanze.

Das soll wieder einmal genug sein. Bis zum nächsten Mal wünsche ich Euch allen eine gute erneuernde Vorbereitungszeit auf das Osterfest, neuen Schwung und Kraft für jeden Tag
Eure Sr. Lioba Brand SSpS