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Er teilt unser Leben

Noch immer erreichen uns Berichte über die Weihnachtszeit: Aus dem Dreifaltigkeitskloster Laupheim, wo die Mitfeier der weihnachtlichen Festzeit bereits Tradition hat, sowie aus dem Flüchtlingsheim in Berlin-Marzahn, wo Sr. Alicja erstmals eingeladen war, das griechisch-orthodoxe Weihnachtsfest mitzufeiern.

Eine Teilnehmerin der Weihnachtstage in Laupheim berichtet:

Auf die Weihnachtszeit in Laupheim vom 23. – 29.12.17 habe ich mich sehr gefreut. Schwester Hildegard holte uns nachmittags am Bahnhof ab, worüber wir drei Frauen, die zusammen angereist waren, erleichtert waren, denn mit zunehmenden Alter wird das Reisen immer beschwerlicher. An der Pforte wurden wir, wie immer, freundlich begrüßt und erhielten unsere Zimmerschlüssel; dann stärkten wir uns im Atrium mit einem Kaffee.

Nach der Vorabendmesse und dem Abendessen trafen sich die 13 Teilnehmerinnen zur Begrüßung und zur Vorschau auf die kommenden Tage. Wir sangen Adventslieder, machten uns miteinander bekannt und brachten unsere Erwartungen zum Ausdruck. Der Wunsch nach einem Feiern in Gemeinschaft passte zum diesjährigen Thema: "Er teilt unser Leben", doch auch das Bedürfnis nach Ruhe und Stille ist vielen ein wichtiges Anliegen.

Dieses Mal fiel der 24. Dezember auf einen Sonntag. Mit der Laudes und einem köstlichen Frühstück begann Heiligabend. Der Impuls für den Tag ermöglichte uns, durch eine Bildmeditation das In-die-Welt-Kommen Gottes in seine Schöpfung durch Jesus, der unser Leben teilt, von der Geburt bis zum Tod hinein ins ewige Leben, nachzuvollziehen. Die Weltkugel mit ihren Längen- und Breitengraden wirkte dabei wie ein Käfig, inmitten das Jesuskind mit Maria und Josef.

Das Teilen, die Liebe und die Gemeinschaft sind in unserer Zeit so wichtig wie noch nie, genauso wie das Aufbrechen zum Licht, wie es ein Text von Paul Weismantel verdeutlicht. Die Zeilen von Andreas Knapp führten uns die Situation der Jungfrau Maria vor Augen und ein russischer Film gab das Weihnachtsgeschehen in heiterer Form wieder. Diese berührenden Szenen gingen uns sehr zu Herzen, so dass wir in den folgenden Tagen beim erneuten Sehen immer wieder entzückende Details entdeckten.

Die Teilnehmerinnen, die zum ersten Mal als Gäste in Laupheim weilten, erhielten eine Führung durch das Haus. Vor dem Mittagessen gab es die Möglichkeit zu einem Beichtgespräch. Anschließend, nach dem Nachmittagskaffee war es dann wieder soweit: Die Einstimmung auf Heiligabend brachte uns durch die Geschichte, wie Maria, die Muttergottes, dem heiligen Josef einen Traum erzählte, zum Nachdenken. Sie äußerte ihr Unverständnis über die Geburtstagsfeier für ihren Sohn, für die sich Menschen viele Wochen vorbereiten und Geschenke besorgen, sie verpacken und unter einen geschmückten Baum legen. Doch diese Geschenke sind gar nicht für ihren Sohn, sondern die Menschen geben sich gegenseitig Geschenke und freuen sich darüber. Ja, Maria hatte den Eindruck, dass viele ihren Sohn, das Geburtstagskind, gar nicht kennen. Schließlich teilten die Schwestern Sterne mit Gebeten aus, die sie für uns vorbereitet hatten und mit weihnachtlichen Liedern klang die Stunde aus. Schon war es Zeit zum Abendessen, danach zur Feier der Christmette mit der Hausgemeinschaft und später zum fröhlichen Beisammensein bei Plätzchen, Liedern und Gesprächen.

Am 1. Weihnachtsfeiertag fuhren einige Teilnehmerinnen zur Laupheimer Pfarrkirche Peter und Paul, um dort die feierliche Eucharistie mit Orchestermesse zu feiern. Beim Fernsehen konnten wir den päpstlichen Segen Urbi et Orbi empfangen, bevor wir beim Mittagessen mit leckeren Speisen verwöhnt wurden. Nachmittags brachen wir auf nach Ochsenhausen, um dort die prächtige Barockkirche zu bewundern. Beeindruckend waren auch die Krippendarstellungen in der Kirche in Gutenzell. Ein herrlicher Himmel mit Abendrot erfreute uns bei unserer Rückfahrt nach Laupheim vor dem Vespergottesdienst. In unserer Abendrunde folgten Erzählungen über die Weihnachtstradition in unseren Familien. Mit weihnachtlichen Geschichten und einem heiteren Quiz ging der Festtag für uns zu Ende.

Am 26. Dezember gab es nach der Eucharistiefeier und anschließendem Frühstück abwechslungsreiche Geschichten, die Sr. Hedwig für uns ausgesucht hatte. Nachmittags leitete uns Sr. Gabriella zum meditativen Tanz an. Selbst die Gehbehinderten unter uns konnten daran teilnehmen indem sie im Sitzen auf dem Stuhl die einfachen Bewegungen und Gebärden zur Musik nachvollzogen. So gelang es uns, zur "Mitte" zu kommen und Kraft zu schöpfen.

Bei all den Angeboten blieb uns auch Zeit für Spaziergänge, persönlichen Austausch oder Filme über die Steyler Schwester anzusehen. Besonders bewegend war der Bericht über die aktuellen Einsatzgebiete und Tätigkeiten der Schwestern im Flüchtlingslager in Griechenland sowie im Sudan oder bei Obdachlosen in Frankfurt. Sr. Nicola, die vor einem Jahr aus der Schweiz nach Laupheim gekommen ist, gestaltete eine Einstimmung in den Tag für uns in der Kirche. Das kreative Tun kam bei unserem Aufenthalt ebenfalls nicht zu kurz. Sr. Christa Luzia und Dagmar Blumenthal bastelten mit uns Sterne, Tannenbäume und Engel.

Wie immer war die Zeit wie im Flug vergangen. Ein letztes Mal trafen wir uns im grünen Zimmer zur gemütlichen Abschlussrunde, dann hieß es wieder Koffer packen für die Abreise. Doch als Trost bleibt uns, zu wissen, dass wir auch im nächsten Jahr als Gäste willkommen sind. Welch wertvolles Geschenk dies ist, wird mir jedes Jahr aufs Neue bewusst. Mit einem herzlichen Dank an die Schwestern, die uns den Aufenthalt im Dreifaltigkeitskloster so wunderschön gestaltet hatten, verabschiedeten wir uns, gestärkt an Leib und Seele.

Text: Christa Dollmann
Fotos: Dagmar Blumenthal

Miteinander Gottesgeburtstag feiern

"Bitte, kommen Sie zu uns und feiern Sie mit uns am 07.01.18 Weihnachten", sagten Finan und Bereket, beide junge Männer aus Eritrea, die der griechisch-orthodoxen Kirche angehören, mit denen ich seit Mai 2017 im regen Kontakt bin.

Vielleicht hätte ich die Einladung überhört oder sie nicht zu ernst genommen, hätte ich nicht zuvor den Brief von der Generalleitung gelesen, in dem es heißt:

"Begeben wir uns auf eine weitere Ebene der Communio - Communio mit Anderen… Wir treten ehrfürchtig in einen Dialog des Lebens und Wirkens mit Menschen anderen Glaubens... Wie? ... Durch die Teilnahme an Gottesdiensten oder anderen interreligiösen Versammlungen..."

Am Nachmittag des 07.01.18 traf ich in einem Zimmer (ca. 20 Quadratmeter groß) im Marzahner-Flüchtlingsheim 15 junge Menschen (überwiegend Männer), die mit Freude und spürbarer Herzlichkeit miteinander Weihnachten feierten. Ich wurde willkommen geheißen und zum Kaffee, der auf Eritreische Art vorbereitet wurde, eingeladen. Die Unterhaltung war so, wie sie war; sparsam in Worten, doch reich in Gesten und Gesichtsausdrücken. Ich fühlte mich sehr beschenkt und geehrt, dazu gehören zu dürfen, ja, miteinander Gottesgeburtstag zu feiern.


Sr. Alicja Piszczek SSpS