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Erste Eindrücke von der Euroversammlung in Fátima

Seit zwei Tagen sind die Provinz- und Regionalleiterinnen Europas (mit Russland) zusammen mit den Schwestern, die für die Ausbildung der Steyler Missionsschwestern in Europa zuständig sind, in Fátima, Portugal. Warum in Fátima?

Dort jährt sich in diesem Jahr zum hundersten Mal die erste Erscheinung der Jungfrau Maria an die drei Hirtenkinder Francisco, Lúcia und Jacinta. Der hl. Augustinus nennt Maria die "Formatorin Jesu". Jesus hat in ihrem Leib Gestalt angenommen und sie hat ihn in seinen ersten Lebensjahren erzogen und ausgebildet. Dies veranlasste den Eurorat, d.h. die Schwestern, die für die Steyler Schwestern in Europa verantwortlich sind, die diesjährige Euroversammlung nicht turnusgemäß mit den Ökonominnen zu veranstalten, sondern mit den "Formatorinnen" der Gemeinschaft, und sie außerdem in Fátima stattfinden zu lassen.

Schon am Anreisetag, am Montag, pilgerten die ersten Schwestern zum Heiligtum, ca. 15 Gehminuten von unserer Unterkunft, dem Seminar der Steyler Missionare, entfernt. Immer wieder gibt es im Tagesablauf die Möglichkeit, dorthin zu gehen und an der Erscheinungskapelle Unserer Lieben Frau von Fátima zu beten.

Inhaltlich steht die Versammlung unter dem Thema: "Ständige Weiterbildung und Selbst-Erkenntnis: ein mit Freude erfüllter Pilgerweg zu innerer Freiheit". Dieses Thema stand auch ganz im Fokus am gestrigen Tag (Dienstag), dem ersten Tag unserer Versammlung.

Schwester Maria José Rebelo, die Regionalleiterin von Spanien/Portugal und Gastgeberin dieser Versammlung war zugleich auch unsere Referentin zu diesem Thema. Wir hörten ihr gebannt zu, wenn sie uns anhand ihrer eigenen Biografie und eigener Erlebnisse davon berichtete, wie wichtig es ist, sich selbst zu erlauben, verwundet zu sein, und wie wertvoll es ist, die eigenen Gefühle benennen zu können. Dann kann die Heilkraft Gottes effektiver in uns wirksam werden. Da wir alle auf irgendeine Weise verletzt sind, sind wir auch verwundete Formatorinnen. Aber gerade dadurch können wir an den uns Anvertrauten heilsam wirken.

Der heutige Tag (Mittwoch) ist ein besonderer Tag. Eigentlich war er als thematische Fortsetzung des gestrigen Tages geplant. Doch anscheinend war es Gottes Wille, dass Sr. Maria José im Mai dieses Jahres zum ersten Mal von Don Santiago Agrelo erfuhr, dem Bischof von Tanger in Marokko. Sie war so angetan von dem, was sie über ihn im Internet erfuhr, dass sie ihm noch am selben Tag eine E-Mail schrieb und ihn zu dieser Versammlung einlud. Entgegen ihrer Erwartung antwortete er sofort am nächsten Tag und seine Antwort war positiv! Denn er soll ab morgen zu Exerzitien an der spanisch-portugiesischen Grenze sein, so dass er am heutigen Tag zu uns kommen konnte. So änderte der Eurorat das Thema dieses Tages und widmete ihn ganz dem Thema der Flüchtlinge, das Thema, für das Bischof Santiago brennt und dem er sich mit ganzem Herzen widmet. Davon konnten wir uns in seinen Beiträgen am heutigen Vormittag überzeugen.

Die modernen Medien machten es möglich, dass auch unsere Kommunität in Griechenland die höchst beeindruckenden Beiträge hören konnte. Sie war uns per Skype zugeschaltet. Da sie sich total dem Dienst mit den Flüchtlingen widmen, freuten sie sich sehr darüber, den Bischof hören zu können.

Hier können nur einige wenige Einblicke in seine Worte gegeben werden:
-    er erzählte uns von sehr berührenden Beispielen von Flüchtlingsschicksalen;
-    die Welt der Armen formt uns und öffnet uns für die Realität;
-    das, was an den Grenzen Europas geschieht, wird von vielen Christen leider nicht als unchristlich angesehen;
-    Gott hat sich in Christus arm gemacht; daher ist es Aufgabe der Kirche, an der Seite der Armen zu stehen;
-    wenn die Kirche nicht eine Kirche der Armen ist, gibt es für sie keine Zukunft;
-    wir leben zwischen "Bei euch soll es nicht so sein" und "Dient einander, wie ich euch gedient habe";
-    es ist eine Verpflichtung der Ordensleute und Priester, Flüchtlinge aufzunehmen und ihnen beizustehen…..

Don Santiago verlängerte sogar seinen Besuch bei uns, so dass wir am Nachmittag noch mit ihm die hl. Messe feiern konnten. Es war ein wirklich sehr bereichernder Besuch für uns alle.
Am Abend besuchten wir dann zum ersten Mal als Gruppe das Heiligtum in Fátima und beteiligten uns an einem internationalen Rosenkranzgebet und der in diesem Jubiläumsjahr täglich stattfindenden Lichterprozession. Ein sehr bewegender Abschluss dieses ereignisreichen und beeindruckenden Tages!

Sr. Stefanie Hall