Trigger

Begleiten und begleitet werden - Internationales Formatorinnenseminar in Timor

Für drei Wochen fand in Bello, auf der indonesischen Insel Timor, das fünfte internationale Formatorinnenseminar unserer Kongregation statt. Jede der 43 Ordensprovinzen und -regionen weltweit entsandte dazu eine Schwester – zum Austausch, zur Weiterbildung und zur Vertiefung in Bezug auf das Thema Formation in unserer missionarischen Ordensgemeinschaft.

"Formation" – ein in Ordenskreisen gängiger Begriff – meint die Zeit der Ordensausbildung; d.h. das Wachsen und Reifen als Ordensfrau, in den Gelübden, in der Gottesbeziehung, im Gemeinschaftsleben, und in der Sendung, die immer auch eingebettet ist in die Sendung der Kirche. Die sogenannte „Erstformation“ – vom ersten Kennenlernen bis zur Ewigen Profess – ist in mehrere Stufen unterteilt, welche in der Regel von einer dazu bestimmten Schwester begleitet werden. Die Erstformation geht nach den Ewigen Gelübden in die "ständige Weiterbildung" über, in der jede Schwester vor allem selbst Verantwortung dafür trägt, dass sie weiter wachsen kann in ihrer Berufung.

Bei dem Formatorinnenseminar in Bello kamen Schwestern aus verschiedenen Formationsstufen zusammen. Thema des Treffens war: "Formationsdienst – Begleitend der Gemeinschaft entgegen". Das Bild von Jesus als dem Guten Hirten war dabei unser ständiger Begleiter, denn es zeigt, wie Begleitung nach dem Vorbild Jesu heute aussehen kann. Zugleich ging es nicht nur darum, wie wir junge und nicht mehr so junge Menschen auf ihrem Weg durch die ersten Ordensjahre begleiten können, sondern auch darum, wie wir selbst erfahren, vom Guten Hirten begleitet zu sein.

Vorträge und Austauschrunden gaben uns Gelegenheit, über viele Themen ins Nachdenken und Diskutieren zu kommen: Wegbegleitung in der Bibel, Erfahrung von/mit jungen Menschen heute, Umgang mit Medien, Entscheidungsfindung, interkulturelles Zusammenleben, Sexualität, Ordensleben und Gelübde. Mal kamen Referenten von außerhalb, mal waren es unsere eigenen Schwestern aus der Gruppe, die ihre Erfahrungen und ihr Wissen mit uns teilten. Wir sprachen über die Unterschiedlichkeiten und Gemeinsamkeiten, die wir auf den verschiedenen Kontinenten erleben, und teilten miteinander, was gut und hilfreich ist, verschwiegen aber auch nicht, was uns beunruhigt oder Sorge macht.

Drei Wochen Zeit für die Auseinandersetzung und den Austausch über Themen, die uns allen wichtig sind, das ist schon ein großes Geschenk an sich. Was diese drei Wochen dann aber noch mal wert- und bedeutungsvoller gemacht hat, waren das Land und die Kultur, in der wir uns befanden. Timor ist eine trockene und felsige Insel, auf der das Leben sehr einfach zugeht. Zugleich ist dieser Flecken Erde reich an Gastfreundschaft, an Traditionen, an Musik und Tanz. Wo immer wir in diesen Wochen hinkamen, durften wir das erfahren, darüber staunen und erspüren, wie es uns verwandelt.

Froh und dankbar haben wir uns von Bello aus wieder in alle Himmelsrichtungen aufgemacht. Das 5. Formatorinnenseminar ist jetzt Teil unserer gemeinsamen SSpS Geschichte. Es ist zu Ende und geht trotzdem weiter – mit allen, die dabei waren, und zu allen, die wir auf ihrem Weg begleiten dürfen.

Sr. Michaela Leifgen, Teilnehmerin für die Deutsche Provinz


Mehr:
Blog in Englischer und Spanischer Sprache mit mehr Informationen und Bildern