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Ostern in Rumänien (Rundbrief von Sr. Lioba Brand)

Wir sind in der großen heiligen Woche angekommen. Wie ich schon in früheren Briefen berichtet habe, ist das Osterfest das zentrale und wichtigste Fest hier im Osten. Die ganze Stadt wird auf Hochglanz poliert, auch in den Familien werden die Teppiche und Decken gewaschen und die Gärten gerichtet. In den einfachen Häusern werden die Wände mit frischer Kalkfarbe gestrichen (übertüncht), sodass alles frisch und schön aussieht.

Der Bürgermeister lässt die Straßenschäden vom Winter reparieren, und alle Straßenbäume bekommen neue Söckchen angestrichen. Da werden bis zu einem Meter hoch alle Bäume und Pfosten mit weißer Kalkfarbe gestrichen. Im Kreisverkehr ist ein großes Osterei und eine Osterkerze aufgebaut, die bei Nacht leuchtet.

Auch in den Gärten rund um die Häuser sind jetzt schon fast alle Bäume am Blühen. Die Kinder sind im Frühling wie die jungen Lämmer, sie toben und springen über das schöne junge Gras. Wir haben in unserem Gärtchen rote und weiße Zwiebeln gestupft und dazwischen Möhren gesät. Dann durfte noch jedes Kind eine Reihe Radieschen säen. Davor habe ich mit den größeren Buben den Boden umgegraben. Soviel ich hier gesehen habe, machen das fast alle Leute so, dass sie im Frühjahr den Boden umgraben und nicht im Herbst.

In unserem Klostergarten hilft mir eine Frau (29 Jahre) aus dem Olympia-Dorf bei der Gartenarbeit. Sie ist Witwe und hat 5 Kinder im Alter von 2 bis 10 Jahren. Im vergangenen November ist ihr Mann plötzlich gestorben. Er war Herzkrank. Zu dieser Zeit war sie hochschwanger mit dem 6. Kind. In der Schwangerschaft hatte sie schon Komplikationen. Im Januar ist das Kind dann auf die Welt gekommen, mit den Beinen voraus. Es hatte von Anfang an Probleme mit der Atmung. Nach 3 Wochen ist das Baby dann gestorben. Sie ist eine sehr fleißige und gute Frau. Die Mädchen die zu uns in die Schule kommen, sind immer sehr ordentlich und hilfsbereit. Ihre älteste Tochter heißt Gabriela (so wie meine ältere Schwester) und geht in die Klasse wo ich auch bin. Das sind Kinder, die auf den Schulbeginn in der 2. Chance vorbereitet werden. Die Frau hat es sehr schwer: Weil sie nicht offiziell mit dem Mann verheiratet war, bekommt sie auch keine Witwen-Unterstützung. Das was sie an Unterstützung vom Staat bekommt (Kindergeld und Mittagessen aus der Armenküche) reicht nicht zum Leben. So geht sie mit noch anderen Leuten aus dem Armenviertel zur Müllhalde, um dort Wertstoffe zu sammeln und zu verkaufen.

Hier in Rumänien ist das Bewusstsein zur Mülltrennung noch nicht vorhanden und es findet sich im Hausmüll alles Mögliche: Plastikflaschen, Aluminium und so weiter.  Es gibt zwar von der Gemeinde das Angebot den Müll zu trennen und einmal pro Monat die Wertstoffe abzugeben, aber das wird nur von Wenigen angenommen. Die Wertstoffe, die wir abgeben, werden gewogen und registriert, und je nachdem verringern sich für uns die Müllgebühren, die wir monatlich bezahlen.

So möchte ich nach und nach sehen, wie ich mehr Kontakt zu den Frauen im Olympia-Dorf bekomme. Der Wunsch, und meiner Ansicht nach auch die Notwendigkeit, ist groß. In unserer Stadt Roman ist vor 4 Monaten der Bürgermeister als nationaler Abgeordneter nach Bukarest ins Parlament gezogen, so haben wir momentan eher eine Übergangsregierung. Es ist der Vizebürgermeister, der zurzeit die Verantwortung hat. Er war 5 Jahre als Vizebürgermeister tätig und hat alle Aktivitäten vom Bürgermeister mitbekommen. In den vergangenen Jahren ist hier sehr viel Entwicklung zum besseren hin geschehen. Hauptsächlich auch mit europäischen Mitteln.

Hier, der Nordosten von Rumänien ist immer noch der ärmste und am wenigsten entwickelte Teil des Landes. Es fehlt vor allem auch an einer guten Verkehrsverbindung, um noch mehr Firmen hier her zu bringen, die dann mit Arbeitsplätzen den Menschen eine Möglichkeit geben, hier ihren Lebensunterhalt zu verdienen, und nicht ins Ausland fahren müssen. Gerade am Mittwoch hat mir ein lieber Junge freudig erzählt, dass jetzt seine Mutter für die Osterfeiertage aus Frankreich zurückgekommen ist. Er hat mich aus lauter Freude umarmt und gedrückt.

Diese Freude möchte ich an Euch alle weitergeben, über das neue Leben, die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Jesus lebt ALLELUJA!!!

Eure Sr. Lioba Brand