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Plauderei aus dem Nähkästchen des Herz-Jesu-Klosters

So ein Kloster wie das Herz-Jesu-Kloster in Steyl ist ein richtiger Betrieb. Was "hinter den Kulissen" alles passiert, kriegen viele Besucher gar nicht mit. Wenn nicht Sr. Antonia Schmid immer wieder durch ihre Artikel Einblick gewähren würde. Dieses Mal plaudert sie aus dem Nähkästchen.

Als ich in den USA war, las ich in einer Zeitschrift einen kurzen Artikel über "Kuriose Feiertage aus aller Welt". Der 4. Juni steht bei unseren transatlantischen Nachbarn ganz im Zeichen einer sehr alten und traditionsreichen Berufsgruppe: Den 4. Juni begeht man in den USA u.a. als "National Taylors Day" - "Nationaler Tag der Schneider"! Man zieht sich schön an und dankt in der Schneiderei seines Vertrauens.

Beim Aussortieren von gesammeltem Schriftmaterial habe ich diese Zeilen wieder gelesen. Weil ich fasziniert bin, was in unserem Herz-Jesu-Kloster alles genäht wird, haben mich obige Zeilen bewogen, aus dem Nähkästchen des Schneiderhandwerks in unserem Hause zu plaudern!

In Grimm‘s Märchen heißt es: "Es war einmal ein Schneider…"! Was ich berichte, ist kein Märchen, doch es klingt vielleicht so, denn es gibt bei uns gleich "drei internationale tapfere Schneiderlein"! Sr. Emilrita Thalmayr aus Argentinien (Schneidermeisterin), Sr. Antonildis Albert aus der Schweiz (Schneiderin) und Mitarbeitende Gerrie Tosserams aus den Niederlanden (angelernte Kraft) sind ein kompetentes, engagiertes und  fröhliches Team.

Welch ein Luxus, wenn einem ganz selbstverständlich im eigenen Haus ein Rock gesäumt, ein Ordenskleid und Schleier maßgeschneidert, eine Jacke genäht, ein Reißverschluss ersetzt, eine Bluse verändert oder die Hosenbeine gekürzt werden! Welch ein Glück, wenn Löcher, eingerissene Triangeln, ausgefranste Hand- und Tischtücher, Laken und Serviettentaschen abgenäht, gestopft und geflickt werden! Welch eine Musik in meinen Ohren, wenn frohe Stimmen, heiteres Lachen und gleichmäßiges Rattern der Nähmaschinen mir beim Betreten des Nähzimmers entgegen kommen!

Maßgefertigte Kleidung durch eine professionelle und geübte Schneiderin ist durch nichts zu ersetzen. Wer diesbezüglich Erfahrungen hat, wird dies wohl sofort bestätigen! An den Fähigkeiten und Fertigkeiten unseres internationalen Nähteams und ihrer hochwertigen Arbeit gibt es keine Zweifel! Sie sind gefragt, begehrt, sie legen das Maßband und die Hand an. Sie lassen die Nähmaschinen rattern und geben Vollgas!

Die DREI sind nicht nur für Alltagsgeschäfte angefragt, sondern haben auch immer wieder Aufträge und Anfragen aus aller Welt. "Liebe Sr. Emilrita, kannst Du bitte ein blaues Ordenskleid mitschicken?", "Darf ich Dich bitten, dass Du mir von dem hellblauen Stoff zwei Röcke zuschneidest? Nähen kann ich diese selbst", „"Darf ich Dich um zwei weiße Schleier bitten? Du könntest sie den Schwestern nach Rom mitgeben, von dort bringt die Schwester aus Indonesien sie mit nach Botswana" … Tja, wer diese Nähkünste kennt, macht Sr. Emilrita überall ausfindig!

Es steht im August dieses Jahres wieder Ordensjubiläum für zehn feiernde Schwestern im Herz-Jesu Kloster an. Wie in einer professionellen Schneiderei: Man fragt an und vereinbart einen Termin. Für Ordenskleid und Schleier liegen Schnittmuster bereit, Gerrie nimmt Maß, und dann legt sie los! "Ik ben blij daarmee en doe het graag!" (Deutsch: "Ich bin froh damit und tue es gerne"), sagt sie freudig auf Niederländisch. Sr. Antonildis näht meterweise Schleierbänder und tritt mit ihren 92 Jahren auf das Pedal! "Ich habe schon immer fürs Leben gern genäht", gibt sie froh mit ihrem Schweizer Akzent von sich. Für ein Kostüm ist es schon hilfreich, wenn man sich im Vorfeld Gedanken gemacht hat. Wichtig ist: Der Zeitraum der Maßanfertigung wird von Sr. Emilrita und ihrem Team so kalkuliert, dass die Kleidung nicht erst kurz vor dem Jubiläum, sondern schon einige Zeit vorher fertig wird. So können kurzfristig und stressfrei Veränderungen vorgenommen werden. Die "drei tapferen Schneiderlein" lächeln: "Wir kennen unsere Schwestern!!!"

Im Stillen denke ich: "Es wird höchste Zeit, dass ich mich schön anziehe und mich bei der internationalen Besetzung der Mutterhaus-Schneiderei, der Schneiderei meines Vertrauens, bedanke!"

Text + Fotos: Sr. Antonia Schmid SSpS