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"Wermut ist für alles gut"

"Grün" war der erste Eindruck, den die Frauen hatten, die zum zweiten Frauenfrühstück, immer am ersten Samstag im Monat, ins Kloster gekommen waren. Passend zum Wermut, der Pflanze, die für Hildegard von Bingen im Mai eine wichtige Rolle spielt, war der Raum geschmückt.

Viele waren schon beim ersten Mal dabei und hatten nun Freundinnen, Töchter oder die Mutter mitgebracht. Aber auch neue Gesichter waren zu entdecken.

Die Viriditas, die "Grünkraft", bildete die Grundlage für den Impuls von Sr. Mariana Bornschlägl. Nach einem kurzen Überblick über die Lebensstationen Hildegards und einer Einführung in die Bedeutung der Grünkraft auch für das geistige Leben, konnten die Teilnehmerinnen in einer Meditation mit Worten und Kompositionen Hildegards diese Gedanken verinnerlichen.

Viel Anerkennung gab es wieder für die leckeren, selbstgebackenen Dinkelbrote von Claudia Renz, die sich dieses Mal zusätzlich an einem Dinkelzopf versucht hatte, der ebenfalls großen Anklang fand. Für großes Erstaunen sorgte bei den neuen Teilnehmerinnen die Erfahrung, "dass Dinkelkaffee so gut schmecken kann".

Die Wahrheit des alten Volksspruches "Wermut ist für alles gut" erläuterte Kräuterfachfrau Gerlinde Wruck. Hildegard von Bingen beschreibt den Wermut in ihrem Werk "Physica" als "Meister über alle Erschöpfungszustände im Menschen; er wärmt den Magen und reinigt die Eingeweide und bereitet eine gute Verdauung." Eine Kostprobe des bekannten Wermut-Tranks, auch Maitrunk oder Maikur genannt, bekamen die Teilnehmerinnen samt Rezept mit nach Hause, um den Wahrheitsgehalt prüfen zu können. Das in Künstlerkreisen des 19. und 20. Jahrhunderts beliebte Modegetränk Absinth konnte als Digestiv verkostet werden, hergestellt mit Kräutern aus dem Kräutergarten.

Sr. Mariana Bornschlägl sprach noch ein Gebet zum Abschluss und die Frauen verabschiedeten sich in Vorfreude auf das nächste Frühstück im Juni.

Text und Fotos: Gerlinde Wruck