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In Communio mit Zeitzeugen

Dem kürzlich veröffentlichten Buch "100 Tage in den Klosterkellern von Steyl" folgte am vergangenen Samstag, 17. Februar 2018, die Eröffnung der Ausstellung mit dem gleichnamigen Titel. Der Ausstellungsort ist die Heilig Hart Kerk in Tegelen, und sie geht bis zum 5. Mai 2018.

Herr Maurice Ambaum aus Steyl, hat mit Unterstützung vieler, darunter auch unsere Mitschwestern Mechtilde, Margret und Vincentia, einen Rückblick in die letzten 100 Tage des Zweiten Weltkriegs, ermöglicht.
In der letzten Phase dieses Krieges kam den drei Steyler Ordensgemeinschaften sowie den Schwestern der Göttlichen Vorsehung eine besondere Rolle zu.
Die überwiegend deutschen Ordensgemeinschaften begingen während des sogenannten HUNGERWINTERS Hochverrat. Sie boten vom 21. November 1944 bis 1. März 1945 hunderten von niederländischen Einwohnern von Steyl Unterschlupf. Sie schützten diese vor den deutschen Soldaten – vor ihren eigenen Landsmännern! Durch diese besondere Tat überlebten viele Bewohner von Steyl den Zweiten Weltkrieg.

Einige von uns Schwestern waren bei der Eröffnung dabei. Schon im Voraus war bekannt, dass die Heilig Hart Kerk extra nicht beheizt wird, u.a. um ein besseres Gefühl für die Situation der Kellerbewohner im Winter 1944 zu bekommen, aber natürlich auch aus Kostengründen. In der Tat: ich hatte das Gefühl, es war eisig kalt… Mein Gott, was machen Kälte und Angst doch aus!!! Jedoch hat sich meine Gänsehaut noch mehr entwickelt, und so manche Träne habe ich geschluckt, als ich im direkten Kontakt mit einigen Zeitzeugen vor Ort sein durfte. So hatte ich auch wieder die Begegnung mit Frau Anneke Helmes aus Steyl. Sie ist Mitglied unserer MHGG (Missionarischen Heilig Geist Gemeinschaft) und kommt in der Regel jeden 3. Montag im Monat in unser Kloster. Sie erzählte von einigen Erinnerungen. Ihr Berichten hat mich sehr tief berührt. Damals ist sie im Klosterkeller 19 Jahre alt geworden, am Samstag stand sie 92-jährig aufrecht vor mir. Sie schaute dankbar zurück auf alle Hilfe, welche von den Ordensleuten geleistet wurde.

Ehrlich gesagt: ich konnte die Ausstellung mit den Begegnungen am vergangenen Samstagvormittag gar nicht fassen und begreifen. Jedoch habe ich am selbigen Nachmittag mit dem Lesen des Buches "100 Tage in den Klosterkellern von Steyl" begonnen. Es überkam mich eine große Ehrfurcht und Dankbarkeit für die Zeitzeugen und für unsere drei Steyler Ordensgemeinschaften. Diese besondere Tat hält uns in Communio miteinander und den vielen anderen, die jetzt ungenannt bleiben.
Möge Gott es geben, dass wir in dieser Zeit keine "100 Tage in den Klosterkellern von Steyl" selbst erleben müssen.

Die Ausstellung ist übrigens samstags und sonntags von 12.00 bis 16.00 geöffnet, für Gruppen können besondere Absprachen auch an anderen Tagen getroffen werden.


Text + Fotos: Sr. Antonia Schmid SSpS