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Weihnachtszauber in Rumänisch (Rundbrief von Sr. Lioba aus Rumänien)

Weihnachtsliedersingen hat eine lange Tradition in Rumänien – und auch einen eigenen Namen. Von diesen und anderen Bräuchen rund um Weihnachten erzählt Sr. Lioba in ihrem neusten Rundbrief.

Die letzten Tage vor Weihnachten ist eine sehr schöne Zeit in Rumänien. Es kommen verschiedene Gruppen, um Weihnachtslieder zu singen. In der rumänischen Sprache gibt es dafür ein extra Verb, das heißt „a colinda“. Viele Lieder sind auch sehr alt und benutzen eine alte Sprache, wo ich die Wörter gar nicht im Wörterbuch finde. Nur, wenn ich jemand finde, der etwas Geduld hat und die Texte erklärt. Es werden auch sehr oft so Geschichten erzählt in den Liedern und von vielen alten Symbolen erzählt. So wird in sehr vielen Liedern von den schönen weißen Apfelblüten gesungen. Das spannt wieder einen Bogen zu dem Brauch, sich am 1. März mit kleinen weiß-roten Symbolen zu beschenken. Die werden dann am 31. März an einen Obstbaum gehängt, der dann blühen soll und reiche Frucht bringen.

Mit den beiden Gruppen von unserem Kindergarten waren wir auch unterwegs zum Singen. In einem Nachbardorf in einem Kindergarten und in einem Seniorenheim. Am zweiten Tag waren wir bei uns im Kloster. Das war sehr schön. Den Kindern hat es auch gefallen. Ich freue mich immer, wenn sie auch eine Abwechslung haben und etwas Neues sehen und erfahren. Sie haben fünf Lieder gesungen und auch einige Gedichte aufgesagt, sogar die Kinder von der Gruppe wo ich bin, die 3-5-jährigen.

Die Kinder kamen zum größten Teil bei uns an ohne Erfahrung mit einem WC und einer Wohnung, wo man nicht auf den Boden spuckt usw. Sie haben aber ungeheuer schnell gelernt, und sie genießen mit allen Sinnen warmes Wasser und Seife. Es ist sehr schwer, sie vom Waschbecken weg zu bringen. Viele hatten noch nie das Vergnügen einer schönen warmen Dusche. Trotzdem kommen viele sauber und ordentlich in die Schule. Es gibt natürlich auch das Gegenteil, das sind aber immer Kinder, die aus Problemfamilien kommen, wo Alkohol oder andere Drogen im Spiel sind.

Außer dem Benutzen eines WCs habe ich bemerkt, dass die Kinder zum größten Teil gar nicht wussten, wie man schön spielt. Dann habe ich begonnen zu zeigen, wie man mit den Bauklötzchen so schön bauen kann, das macht ihnen jetzt sehr großen Spaß. Sie bauen sehr schöne Sachen und sehr hohe Türme. Wenn sie mit den Bauklötzchen spielen, sind sie auch ganz ruhig. Auch das Puzzle musste ich nur einmal zeigen, jetzt haben sie große Freude daran. Beim Malen und Zeichnen ist es genauso, sie müssen alles erst einmal lernen, wie man etwas Malen kann. Wenn man da keine Hilfestellung gibt, dann zerstören sie einfach die Sachen, weil sie nicht wissen, wie man mit einem Stift umgeht. Es sind aber auch einige dabei, die ältere Geschwister haben, die zur Schule gehen, und die können ganz toll malen.

Jetzt sind wir mit allen Sinnen auf Weihnachten eingestimmt. Bis heute war alles mit Schnee bedeckt, jetzt hat es plus Grade, aber es soll wieder kälter werden. Das Glatteis ist sehr gefährlich, wenn es auf den kalten Boden regnet. Das hatten wir schon zweimal diesen Winter. Jeden Tag kommen die verschiedenen Gruppen, um Weihnachtslieder zu singen. Wir haben auch schon das Haus geschmückt.

Am Nikolaustag war ich der Nikolaus für die Reha-Teilnehmer und auch für die Schwestern. Ich hatte zu meinem Glück eine Helferin - einen Engel ohne Flügel - dabei. Das ist auch bei den Erwachsenen gut angekommen. In der Weihnachtswoche bin ich mit Küchendienst dran. Da habe ich mir schon einen Plan gemacht und manches schon vorbereitet. Mit meiner „Profi-Schwester“ Armella in Sachen Kochen habe ich noch einmal alles besprochen. Schon in der Adventszeit habe ich Apfelbrot und Quarkstollen gebacken, die sind auch hier sehr gut angekommen. Ein kleines Problem hatte ich, weil ich hier kein Lebkuchengewürz gefunden habe. Ich habe dann indisches Gera-Marsala benutzt. Für die anderen Plätzchen ist Sr. Patrizia zuständig. Dafür hat sie auch schon jedes Jahr Vorbestellungen.

Unsere Kommunität hier in Roman besteht noch bis Ende Januar aus 6 Schwestern aus 5 verschiedenen Ländern. Jede Schwester hat andere Talente und Gaben, das ist sehr schön.
So habe ich auch meinen 60. Geburtstag in einer sehr schönen Atmosphäre gefeiert. Es waren sogar noch zwei Schwestern von Răducăneni bei uns. Wir hatten im Haus Hl. Messe mit Pfr. Besleager.

Von Herzen danke ich allen für die vielen guten Wünsche und Gebete und Gaben.
Nun wünsche ich Euch allen von Herzen gnadenreiche frohe Weihnachten und Gottes reichen Segen im Neuen Jahr 2019.
La multi ani si sanitate!

Im Gebet verbunden Grüße ich von Herzen,
Eure Sr. Lioba Brand