Trigger

Angekommen in der Ferne - aber nicht in der Fremde

Teil des Willkommensrituals: Halo-Halo essen, ein sehr süßes philippinisches Dessert

Ende Februar ist Sr. Michaela Leifgen zu ihrem Missionseinsatz auf den Philippinen aufgebrochen. Die ersten Wochen waren geprägt vom Ankommen, Anschauen und Ausprobieren

Bevor ich meine Eindrücke schildere, vorweg noch ein ganzes dickes DANKESCHÖN! Viele von euch haben mich in den letzten Wochen mit ihren Gedanken und Gebeten begleitet und das habe ich wirklich sehr gespürt in der Art und Weise, wie ich hier ankommen konnte. 

Das Willkommen der Schwestern war sehr froh und herzlich, voll Entgegenkommen und Hilfsbereitschaft. Es ist ein Geschenk, zu einer internationalen Gemeinschaft zu gehören, in die Ferne zu kommen und doch Vertrautes anzutreffen. Das macht es leicht, sich zuhause zu fühlen. Zurzeit befinde ich mich im Provinzhaus (also sozusagen der Zentrale unserer Schwestern in der Provinz Philippinen Nord) in Quezon City, einer von 16 Städten, die in der Region Metro-Manila zusammengeschlossen sind.  

Hier im Provinzhaus gibt es zwei Gemeinschaften: die der jüngeren, tätigeren Schwestern, zu der auch ich gehöre, und die der älteren Schwestern, die zum Großteil auch auf Pflege angewiesen sind. In der jüngeren Gemeinschaft sind wir zu ca. 35 Schwestern. Die meisten Schwestern, die in meinem Alter oder jünger sind, sind, wie ich, aus dem Ausland –  überwiegend aus asiatischen Ländern – und zum Studium hier. Zur Provinz Philippinen-Nord gehören insgesamt ca. 130 Schwestern in 16 Niederlassungen.  
 
Die Geschichte der Steyler Missionsschwestern auf den Philippinen begann 1912, als die ersten vier (deutschen) Schwestern von Steyl und den USA hierher gesandt wurden. Die letzte Wegstrecke legten sie dabei auf einem Bambusfloss zurück. Sie kamen mit leeren Händen und geringer Kenntnis der Sprache und Kultur; umso erstaunlicher, wie sie binnen kurzer Zeit mit den Menschen in Kontakt kommen und deren Leben auf positive Weise prägen konnten. Zu Beginn haben die Schwestern hier vor allem Schulen gegründet (noch heute sind sie in sechs von ihnen tätig), dann auch Krankenhäuser (von denen sie noch in einem präsent sind). Mehr und mehr wurde die Arbeit mit den indigenen Bevölkerungsgruppen ein Anliegen.  
 
Mein eigener Beitrag zum Leben und der Mission der Schwestern hier wird vor allem im Bereich der Formation (Aus- und Weiterbildung der Schwestern) sein, und hier noch mal besonders in Form von psychospirituelle Begleitung und Workshops. In diesen ersten Wochen ist vor allem aber erst mal eines dran:  Filipino Lernen. Filipino ist, neben Englisch, eine der zwei Amtssprachen auf den Philippinen und entspricht in großen Teilen dem Tagalog. Tagalog ist die lokale Sprache im Zentrum und Süden der Insel Luzon, eine der Hauptinseln, auf der auch die Hauptstadt Manila liegt. Filipino ist von mehreren Sprachen beeinflusst, u.a. Englisch, Spanisch und Malay.

Im Kloster sprechen wir überwiegend Englisch, weil wir aus verschiedenen Ländern zusammenkommen, aber auf der Straße, in Geschäften und auch bei öffentlichen Veranstaltungen hört man die Menschen vor allem in Filipino kommunizieren. Oder in „Tanglish“ – einer Mischung aus Tagalog und Englisch.  

Mit dem Sprachunterricht, den ich an den Nachmittagen von einer Schwester bekomme, wurde für mich also die erste Phase des Alltags eingeläutet. Darüber hinaus habe ich inzwischen begonnen, an drei Vormittagen in der Woche im „Our Lady of Peace Guidance Centre“ – kurz: OLPGC – zu arbeiten. Das OLPGC ist als Einrichtung dem „Centro“ in Münster, in dem ich zuletzt gearbeitet habe, sehr ähnlich. Es bietet Ordensleuten, Priestern und Seminaristen psycho-spirituelle Begleitung sowie ein psychologisches Screeningverfahren an. Wir alle im Team haben dieselbe Ausbildung in Rom bzw. eine Variante davon in der sogenannten „Summer School“ auf den Philippinen gemacht. Die Arbeit im OLPGC ist mir darum einerseits sehr vertraut, andererseits werden hier aber auch Testverfahren und Ansätze angewandt, die ich bisher noch nicht genutzt habe. Das OLPGC liegt übrigens in einem abgetrennten Teil unseres Gartens, was mir einen kurzen Weg zur Arbeit beschert.  
 
Apropos, bezüglich der Fortbewegung in Manila gilt ein ähnliches Gesetz wie das römische „Dipende“ – das heißt: Kommt drauf an. Als Beispiel: Die Strecke vom Flughafen zum Kloster beträgt 17 km. Das kann man in 40 Minuten schaffen oder aber in drei Stunden. Kommt drauf an, wie viel Verkehr ist. Fortbewegungsmöglichen gibt es, neben dem privaten Auto, auf jeden Fall viele: Metro, Bus, Taxi, Jeepney (s. Foto unten) und Tricycle. Vor allem Jeepneys und Tricycle prägen das Straßenbild. Sie gehören sicherlich zu dem, was In- und Ausländer als „typisch philippinisch“ bezeichnen würden.
 
Ein weiteres Markenzeichen ist der Halo-Halo (Filipino: Mischmasch); ein philippinisches Dessert, das aus Wassereis, Kondensmilch, Bohnen und Kokosstreifen besteht. Darüber hinaus kann man auch Gelatinewürfel, Süßkartoffeln, Früchte oder (wie in unserem Fall) Karamellpudding ergänzen. Mein erster Halo-Halo war sozusagen Teil des Ankomm‘-Rituales und gehörte zu den Dingen, die ich unbedingt bald erleben musste. 

Was auch auf diese Liste gehörte: die Quiapo-Kirche in Manila. Darin befindet sich die Statue des Schwarzen Nazareners (kreuztragender Jesus), die im 17. Jahrhundert von Mexiko auf die Philippinen gekommen ist. Schwarz wurde sie vermutlich durch einen Brand auf der Reise. Durch sie sollen bereits unzählige Wunder geschehen sein. Jährlich am 9. Januar wird diese Statue, begleitet von Millionen Pilgern (meist barfuß), durch die Straßen Manilas getragen. Auch darüber hinaus zieht sie täglich viele Menschen an. Als wir dort waren, fand gerade ein Gottesdienst statt; die Menschen standen bis auf den Vorplatz. Und auch zur Statue des Schwarzen Nazareners selbst, die sich in einer Seitenkapelle befindet, musste man Schlange stehen.

Das sind also ein paar Blitzlichter der vergangenen Wochen. Ich bin schon gespannt, was ich euch in Zukunft berichten werde.

Bis dahin, in Verbundenheit und mit vielen herzlichen Grüßen,
Sr. Michaela Leifgen SSpS