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Mission heißt, sich verschwenden

Sr. Michaela Leifgen spricht in der Aussendungsfeier über ihren persönlichen Missionsbegriff

In einer feierlichen und sehr persönlich gestalteten Abendmesse in der Kreuzkapelle des Herz-Jesu-Klosters in Steyl wurde am 22. Februar Sr. Michaela Leifgen SSpS von Provinzleiterin Sr. Anna-Maria Kofler für 6 Jahre in die Provinz Philippinen Nord ausgesandt.

P. Tony Pates SVD, gebürtiger Filipino, stand der Eucharistiefeier vor. Bezugnehmend auf das Fest der Kathedra Petri, das die Kirche an diesem Tag feiert, sagte er, dass Mission vor allem eine leidenschaftliche, brennende Liebe zur Person Jesu sei, eine Antwort auf die Frage Jesu: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?”

Sr. Anna-Maria erwähnte in ihren einleitenden Worten, dass das erste Wort, das Gott in der Bibel zu einem Menschen der Geschichte spricht, laute: „Zieh weg…!“ und es mache den Anschein, wenn man es mit Gott zu tun bekomme, müsse man aufbrechen und weiterziehen. Ein Exodus stehe am Anfang. Gott erwarte ein Loslassen, ein Freiwerden. Der Weg Abrahams sei die Geschichte jedes Menschen, der aufbreche aus seinen Sicherheiten, sich aussetze einem Gott, einem Leben, das er noch gar nicht kenne. Gott rufe uns ins Risiko des Lebens.

Sie dankte Sr. Michaela, dass sie sich auf diesen Anruf ganz persönlich einlasse, dass sie bereit sei zu Aufbruch und Neubeginn im Vertrauen auf Gott, der sie berufen und mit vielen Gaben und Begabungen ausgestattet habe.

Sr. Michaela gab während des Gottesdienstes ein bewegendes Zeugnis über ihren Berufungsweg als Steyler Missionsschwester. Sie erwähnte, dass ziemlich genau vor 18 Jahren eine Schwester auch von Steyl ausgesandt wurde nach Bolivien. Zu dieser Zeit bereitete sie sich auf ihren Einsatz als MaZ (Missionarin auf Zeit) vor. Dieser radikale Schritt der Schwester beeindruckte sie und so wurde ihr eigener MaZ-Einsatz in Brasilien der Anfang eines Weges, der sie heute wiederum ein radikales Ja sagen lässt, sich senden zu lassen für die Mission auf den Philippinen.

Sr. Michaela deutet Mission für sich so: „Sich zu verschwenden, über sich selbst hinausgehen, Grenzen überschreiten, sich verändern lassen, von den Menschen und Ereignissen, die dieser Weg mit sich bringt. Etwas Neues entstehen lassen und eine Lernende bleiben. Gott an ungewohnten Orten suchen und sich dort von ihm finden lassen. Von Gott durchdrungen sein und es mit dem eigenen Leben weitergeben.“

Sie dankte den Schwestern der Deutschen Ordensprovinz, dass sie in dieser Zeit, wo auch hier die eigene personelle Armut immer spürbarer wird, aufbrechen darf. Nach der Kommunion folgte dann die Entsendungsfeier. Sr. Anna-Maria fragte Sr. Michaela um ihre Bereitschaft, für den missionarischen Dienst in unserer Kongregation ausgesandt zu werden und sich diesem Auftrag ganz zur Verfügung zu stellen, worauf Sr. Michaela antwortete: „Mit Gottes Hilfe bin ich bereit.“

P. Tony segnete ihr Professkreuz, welches Sr. Anna-Maria ihr als Zeichen der befreienden, erlösenden und verwandelnden Liebe Gottes wieder übergab und dann mit den Worten „Hiermit sende ich dich für sechs Jahre in die Provinz Philippinen Nord“  Sr. Michaela die Missionsbestimmung zusprach. Nach dem Applaus beteten in einer tiefen Stille Sr. Michaela für die Schwestern und die Schwestern für sie.

Der missionarische Charakter der Gemeinschaft bekam im Gottesdienst unter anderem Ausdruck durch den Schmuck in der Kapelle mit einem philippinischen Tuch und der Flagge, mit verschieden- sprachigen  Liedern gesungen in Tagalog, (P. Tony und Sr. Leoni) in Portugiesisch (Sr. Michaela und Sr. Leoni) und in Italienisch.

Beim Abendessen gab es für alle eine Kostprobe mit dem philippinischen Nudelgericht Pancit, welches oft an Festen und Geburtstagen aufgetischt wird. Die Schwestern der Kommunität Mönchengladbach, wo Sr. Michaela lebte, hatten diese Überraschung für sie vorbereitet. Der gemütliche Abend bei einem Gläschen Wein wurde aufgelockert durch Sr. Leoni (Filipina) und die Schwestern der Gruppe „Wurzelspross“, die alle zu einer kleinen Aktion einluden.

Sr. Michaela war nochmals gefragt, denn ihre Kommunität hatte eine große Kiste vorbereitet, die es auszupacken galt. Eine Missionsbestimmung ist ein Geschenk, das ausgepackt werden muss! So kam ihr in der Kiste ihr neues Land mit über 7000 Inseln entgegen, dann die Bibel – das Wort Gottes, das sie in neuer Sprache hören wird -, ein „Malong“ – ein typisches Stofftuch, das vielfaltige Verwendung hat -, ein Willkommensritual mit dem Umhängen einer Blumengirlande von Sr. Leoni, Zeichen philippinischer Gastfreundschaft und den hohen Wert des Mitbringsels. Es waren leckere, getrocknete Mangoschnitze, die Sr. Michaela an alle Schwestern verteilen konnte. Dann waren es die Töne und Klänge des „Tinikling“, eines bekannten Tanzes, wo die Tänzer zwischen Bambusstöcken hüpfen.

Und zu guter Letzt fand sie ihre Sandalen startklar in der Kiste, verbunden mit dem Wunsch, dass sie immer gut unterwegs sein möge aber auch Orte finde, wo sie die Schuhe ablegen und daheim sein könne.

Text: Sr. Luzia Schmuki / Fotos: Sr. Stefanie Hall

P. Tony und Sr. Anna-Maria während des Gottesdienstes
Den Fächer kann Sr. Michaela in den Tropen gut gebrauchen
Die Mitschwestern aus Mönchengladbach hatten eine große Überraschungskiste gepackt
Sr. Michaela verteilte Mangostücke als Geschenke für die Mitfeiernden