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"Nichts ist praktischer, als Gott zu finden"

Intensiv und voller Freude hatte sich Sr. Thao auf den Tag ihrer Erstprofess vorbereitet. In einer festlichen und sehr persönlichen Feier im Dreifaltigkeitskloster in Laupheim bezeugte Sr. Thao, dass sie bereit ist, mit ihren Mitschwestern am Auftrag der Kirche mitzuwirken.

Mit ihrer Familie, ihren Freunden und Mitschwestern aus allen Kommunitäten im Rücken durfte Sr. Thao Thi Thanh Nguyen am 18. Mai gestärkt ihre Erstprofess feiern. Sr. Thao hatte in die Kirche des Dreifaltigkeitsklosters in Laupheim eingeladen. Ihr Leitgedanke waren die Worte aus dem Johannesevangelium: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein, wenn es aber in die Erde fällt und stirbt, bringt es reiche Frucht – wer sein Leben gewinnen will, wird es verlieren, wer aber sein Leben um seinetwillen verliert, wird es gewinnen“ (Joh. 12,24).

Schon in der Laudes wurde das Bild des Weizenkornes sinnbildlich aufgegriffen und mit dem Samenkorn in der Hand erahnten die Mitfeiernden, welche Kraft ins Korn hineingelegt wird, wenn es denn bereit ist, sich in die Erde pflanzen zu lassen. In der Eucharistiefeier griff Provinzleiterin Sr. Anna-Maria Kofler das Bild des Weizenkorns auf und legte ihren Fokus besonders auf die Hingabe und wählte dafür ein anschauliches Bild: In einem amerikanischen Magazin wurden über eine Anzeige Polarforscher für Alaska gesucht. Die Forscher mussten bereit sein, während ihrer Expedition im äußersten Norden Alaskas harte Strapazen aufsichzunehmen und sich der Gefahr an Leib und Leben auszusetzen. Die Anzeige lockte nicht mit Komfort oder Geld und dennoch übte dieses Abenteuer eine große Faszination aus. „Ich glaube, es hat damit was zu tun, dass ein Abenteuer uns immer an Grenzen führt, vielleicht sogar an letzte Grenzen. Es fordert uns ganz“, sagte Sr. Anna-Maria. Auch die Gelübden fordern den ganzen Menschen.

Am Ende ihrer Ansprache lud Sr. Anna-Maria ihre Mitschwestern dazu ein, mit den Worten von Pedro Arrupe, dem ehemaligen Generaloberen der Jesuiten, in dieser Hingabe zu bleiben, sie zum bestimmenden Impuls werden zu lassen. Denn: „Nichts ist praktischer, als Gott zu finden, das heißt, sich in absoluter, endgültiger Weise zu verlieben, in was du dich verliebst, was deine Fantasie festhält, das wird alles beeinflussen. Es wird entscheiden, was dich morgens aus dem Bett holt, was du mit deinen Abenden anfängst, wie du die Wochenenden verbringst, was du liest, wen du kennst, was dir das Herz bricht, und was dich mit Freude und Dankbarkeit staunen lässt. Verliebe dich, bleibe in der Liebe, und das wird alles entscheiden.“

Und Sr. Thao lässt sich auf dieses Abenteuer mit voller Hingabe ein: „Mit meiner ganzen Liebe, meinem Besitz und meinem Willen binde ich mich in Armut, in eheloser Keuschheit und apostolischem Gehorsam an dich guter Gott und an diese Gemeinschaft. Ich bin bereit, gemeinsam mit meinen Mitschwestern am Auftrag der Kirche mitzuwirken und Zeugnis abzulegen für das Reich Gottes in der Nachfolge Jesu“, betete Sr. Thao in ihrem Gebet bei der Ablegung der Gelübde. Ihr vietnamesischer Landsmann Pater Quoc Vinh Vu, SVD, segnete Sr. Thao und zelebrierte die Heilige Messe.

Nach zahlreichen Glück- und Segenswünschen wurde am Nachmittag weitergefeiert. Die einzelnen Kommunitäten hatten Beiträge vorbereitet, die zum Schmunzeln, Nachdenken und Mitmachen einluden. Dankbar für das Geschenk der Berufung ging das fröhliche Fest mit der Vesper zu Ende, in der Sr. Thao ihre Bestimmung für die internationale Kommunität im Mutterhaus in Steyl bekam. In ihrer Ordensausbildung war sie zuvor neun Monate im Postulat in Frankfurt und zwei Jahre im europäischen Noviziat in Rom gewesen. Während ihres Noviziates war sie für ein halbes Jahr in der Kommunität in Athen, wo sich die Gemeinschaft um die vielen Geflüchteten kümmert, die dort in Unterkünften und auf öffentlichen Plätzen leben.

Sr. Bettina Rupp SSpS/Steffi Mager