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Mission in Athen: Die humanitäre Situation verschlimmert sich täglich

Sr. Leoni, Sr. Ewa, Sr. Maria José, Sr. Carmen Elisa und Sr. Viktoriya (v.l.) in Athen

Sr. Maria José Rebelo, die Vorsitzende des Euro-Rats, hat im Juli die Kommunität in Athen besucht. Hier schildert sie ihre und die Eindrücke der Schwestern zur aktuellen Situation der Flüchtlinge in Griechenland.

Zu Beginn meines Besuches fragte ich die vier Schwestern vor Ort, was es für sie bedeute, in Griechenland zu bleiben. Ihre Antworten möchte ich gerne teilen:

„Als ich nach Athen kam, hatte ich das Gefühl, dass ich ‚geschickt‘ wurde, und als ich ankam, hatte ich das Gefühl, dass ich auf die ‚Zeichen der Zeit‘ reagiere - ich kümmere mich um die Migranten und Flüchtlinge. Das bedeutet zu schauen und zu ‚sehen‘, zu hören und zu ‚verstehen‘ und ‚Gottes Volk in meinem Herzen zu halten‘.“ (Sr. Leoni)

„Es ist ein reiner Segen, das Leben mit den Menschen in Athen zu teilen; es ist nicht immer leicht, ihr Leiden zu sehen, aber unsere Gegenwart kann einen Schimmer von Licht und Liebe in die Dunkelheit bringen. Jeden Tag wird mein Herz tief berührt, besonders von den Kindern - ihre Widerstandsfähigkeit und ihre fürsorgliche Haltung, trotz allem.“ (Sr. Ewa)

„Ich bin nach Griechenland gekommen, um meine Hoffnung mit ihrer Hoffnung zu vereinen; damit unsere Hoffnung lebendig bleibt und immer stärker wird. (Sr. Carmen Elisa)

„Ich habe das Gefühl, dass hier das Leben eines jeden Menschen von verschiedenen Arten von Leid und Schmerz geprägt ist; aber inmitten jedes Leidens sehe ich immer noch Raum für ein wenig Freude, ein kleines Lächeln, eine kleine Umarmung, ein wenig Hoffnung und kleine Liebesbekundungen, die das Leiden erträglich machen. Hier zu sein ist eine Chance, mehr dieser kleinen Momente in das Leben der Schwächsten zu bringen und gleichzeitig von ihnen mit den gleichen ‚kleinen Momenten‘ beschenkt zu werden.“ (Sr. Viktoriya)

Mit diesen bedeutsamen Worten unserer Schwestern in Athen möchte ich einige Aspekte der aktuellen Mission erklären. Gegenwärtig sind die Schwestern an mehreren Projekten des Jesuiten Flüchtlingsdienstes (JRS) beteiligt: informelle Bildung für Erwachsene, Tageszentrum für Frauen und Kinder, die Ausgabe gebrauchter Kleidung für Flüchtlinge und Aktivitäten für Kinder. Von all diesen Projekten ist vielleicht das herausforderndste die Präsenz auf dem Victoria-Platz, wo die Schwestern Aktivitäten mit den Kindern durchführen.

Dort und an anderen Orten erleben die Schwestern täglich die Realität von Männern, Frauen und Kindern, deren Augen Traurigkeit, Verzweiflung und Unsicherheit über die Zukunft offenbaren. Die Zahl der Flüchtlinge auf der Straße nimmt von Tag zu Tag zu, und Kinder und junge Mädchen sind oft allen möglichen Gefahren ausgesetzt. Während die Medien hauptsächlich über die Covid-19-Pandemie berichten, verschlechtert sich die humanitäre Situation an den Grenzen Europas, einschließlich Griechenlands, von Tag zu Tag. (Einige aktuelle Informationen über die Situation der Flüchtlinge in Athen gibt es unter diesem Link: https://www.msf.org/greece-evicts-vulnerable-refugees-leaves-them-streets. )

Besonders schlimm ist die Situation wie gesagt auf dem Victoria-Platz, einem Ort, an dem sich Flüchtlinge, die, von den Inseln (meist von Lesbos) kommend, sofort nach ihrer Ankunft in Athen versammeln. Jeden Tag kann man Männer, Frauen und viele Kinder auf dem Platz schlafen sehen. Hier laden die Schwestern zusätzlich zu den Aktivitäten mit den Kindern die Frauen ein, in das JRS-Tageszentrum zu kommen, wo Frauen und Kinder duschen, Kleider waschen, Termine mit einem Sozialarbeiter haben oder einfach ein bisschen Ruhe und Trost von der Straße finden. Inmitten von so viel Chaos mögen die verschiedenen Dienste, die von den Schwestern/JRS angeboten werden, recht unbedeutend erscheinen: wie ein "kleines Pflaster in einem Ozean des Leidens". Und doch wäre der Ozean ohne dieses Pflaster noch größer.

Die einstige Wohnung unserer Kommunität ist nicht mehr bewohnbar. Daher leben die Schwestern seit Mitte Juni im Bereich für JRS-Freiwillige im Haus der Jesuiten. Zurzeit gibt es keine Freiwilligen, und sie sollen wegen der Pandemie auch erst im September kommen. Dieses Übereinkommen ist ein Segen für die Kommunität, denn es ist ein sicherer Ort und gibt uns Zeit, einen angemessenen Lebensraum zu finden.

Es ist eine herausfordernde Mission, aber sehr dringend. Mögen wir weiterhin von Mitgefühl für die Schwächsten in unserer Welt bewegt sein und zulassen, dass unsere Herzen von ihrem Schmerz verwandelt werden.

In der Liebe des Heiligen Geistes,
Sr. Maria José Rebelo

Schauen Sie sich hier einige Impressionen aus Athen an:

Die Fotos entstanden Anfang Juli 2020 durch einen Fotografen des Jesuiten Flüchtlingsdienstes.


Weitere Texte aus Athen

Sr. Leoni schreibt, wie sie sich vor ihrem Aufbruch nach Athen fühlt: "Mein Herz sehnt sich danach, an der Seite der Schwächsten zu sein"

Sr. Viktorya beschreibt die Situation während der Pandemie: "Nur noch wenig Kontakt zu den Flüchtlingen"


Community in Movement

An die Ränder gehen, auf den Schrei der Flüchtlinge antworten, in Gemeinschaft mit denen leben, die ausgegrenzt werden – all das sind starke Worte, die unseren missionarischen Auftrag beschreiben. Und Worte, die auf Taten drängen. Eine Antwort auf diese Worte ist die Mission in Griechenland. Seit Mai 2017 gibt es die "Community in Movement", mit wechselnden Besetzungen. Vier bis fünf Schwestern arbeiten in enger Kooperation mit dem Jesuiten Flüchtlingsdienst (JRS) und kümmern sich um die Flüchtlinge, die in Athen ankommen. Die Kommunität in Athen ist auch Teil des Programms "Mission Beyond Borders".