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„Wir hoffen auf ein Wunder, dass die Geflüchteten verschont bleiben“

Sr. Wika mit einer selbstgemachten Puppe im ukrainischen Stil

Sr. Wiktoria lebt seit acht Monaten in der „Community in Movement“ in Athen und engagiert sich dort beim Jesuiten Flüchtlingsdienst (JRS). Sie hat sich trotz der Corona-Krise entschieden, ihren Einsatz fortzuführen. Hier schildert sie ihre Eindrücke.

„Ich bin Anfang August 2019 in Athen angekommen. In der Ukraine hatte ich bis dahin nur wenig Kontakt mit Menschen, die aus dem Kriegsgebiet im Osten meines Landes geflohen waren. Daher ist es für mich das erste Mal, dass ich mit Geflüchteten arbeite. Ich habe mich sofort in Griechenland verliebt, in die Natur, ins Klima und die historischen Sehenswürdigkeiten. Es erinnert mich an die südlichen Städte der Krim, meine Heimat, die einst eine griechische Kolonie war. Ich war auch positiv beeindruckt von den Menschen, die ich getroffen habe, Freiwillige von JRS und natürlich die Geflüchteten selbst. Von der Mehrheit der Menschen, die wir jeden Tag treffen, erfahre ich großen Respekt und Dankbarkeit, auch ein starkes Gefühl der Hoffnung trotz aller leidvollen Erfahrungen und erlebtem Unglück. Leidens und der Unglücksfälle.

Ich gebe Englischunterricht für Erwachsene und Kinder, Mal- und andere Bastelstunden für kleine Kinder. Das Basteln habe ich am liebsten. Wenn ich die Inspiration und Kreativität von Kindern beim Malen oder Zeichnen sehe, ihre Aufregung, wenn sie ihre kleinen Meisterwerke ihren Eltern zeigen oder mir geben, damit ich sie an die Wand hänge, vergessen sie für kurze Zeit ihre schwere Realität, in die sie geraten sind und immer noch durchmachen, und können einfach die leuchtenden Farben des Lebens und Glücks erleben. Obwohl es sehr schwierig ist, das Leiden besonders der jüngsten, absolut unschuldigen Menschen zu sehen, empfange ich auch viel Freude, da sie wissen, wie man es in den sehr kleinen Dingen findet.

Aufgrund der Verbreitung des Coronavirus mussten wir zuerst unsere Aktivitäten wie gemeinsames Teetrinken und Unterrichten einstellen. Denn dort trafen sich immer große Gruppen von Menschen, aber unser Geschäft für Kleidung und unser Tageszentrum für Frauen waren noch geöffnet. Unsere 81-jährige Sr. Ada musste vorerst nach Österreich, da sie aufgrund ihres hohen Alters zur Risikogruppe gehört. Sr. Preethy kehrte wie geplant nach Indien zurück und Sr. Carmen steckt in Rom fest. Alle Freiwilligen von JRS mussten in ihre Länder zurückkehren, es war sehr schwierig für sie. Unsere neue MBB-Freiwillige aus Russland war gerade in Athen angekommen und musste bereits am siebten Tag nach ihrer Ankunft nach Russland zurückkehren.

Deshalb haben Sr. Ewa und ich uns entschlossen, in Athen zu bleiben, auch wenn wir nicht direkt mit Flüchtlingen in Kontakt treten können. Wir hoffen, dass wir zumindest mit einfachen Medikamenten, Kleiderverteilung oder nur unserer Anwesenheit die Menschen unterstützen können. Da die Zahl der Infizierten jedoch ständig zunimmt, hat die Regierung beschlossen, die vollständige Ausgangssperre durchzuführen. Ab dem 23. März kann also niemand mehr ohne besondere Erlaubnis das Haus verlassen. Wir mussten für diese Zeit alle Aktivitäten einstellen und in das Haus der Jesuiten ziehen. Natürlich sind die Flüchtlinge, insbesondere Obdachlose und Menschen in den Lagern, in dieser Situation am gefährdetsten, da sie sich auch nicht frei in der Stadt bewegen und so keine Hilfe von NGOs erhalten können, nicht einmal Lebensmittel. Es ist gibt auch die Angst, dass das Virus in die Lager gelangen könnte. Tausende würden sich innerhalb weniger Tage oder sogar Stunden infizieren und es wird unmöglich sein, ihnen zu helfen. Wir beten darum, dass Gott sie besonders beschützt und hoffen auf ein Wunder.

Bis heute hatten wir 695 Fälle und keiner davon war ein Geflüchteter (Stand 24. März). Es gibt auch Corona-Infizierte auf Lesbos, dort leben mehr als 20.000 Menschen im Lager Moria. Und natürlich sind dies nur die offiziellen Daten, die Dunkelziffer ist sicher viel größer. Im Moment können wir also nur beten.

Bevor dies alles passierte, fing ich an, Puppen in unserem ukrainischen Stil für Kinder herzustellen, da wir nicht viele Spielsachen für sie bekommen und die Kinder nichts zum Spielen haben. Die Kinder waren begeistert von diesen einfachen Spielsachen. Jetzt setzen wir diese Aktivität mit der Hoffnung fort, dass wir sehr bald auf die Straße gehen und sie an die Kindern verteilen können, um ihnen ein bisschen mehr Freude zu bereiten. Wir versuchen auch, den Englischunterricht online fortzusetzen, Videos zu erstellen und sie auf JRS Facebook zu veröffentlichen. Wir sind uns jedoch bewusst, dass viele unserer Schüler keinen Zugang zum Internet haben und jetzt noch grundlegendere Bedürfnisse wie Lebensmittel, Kleidung und Medizin haben.

Leider sind wir im Moment hilflos. Wir vereinen uns mit allen Menschen guten Willens und bitten Gott weiterhin, diese Krankheit zu beenden, um insbesondere diejenigen zu schützen, die außer IHM allein keine andere Unterstützung und keinen anderen Schutz haben. Er wird seine Kinder nicht verlassen. Und wir freuen uns, dass wir hier sind. Für mich persönlich war es eine Einladung wie an Abraham, mein Land und meine Heimat zu verlassen und in das Land zu gehen, das Gott mir zeigen wird. Griechenland ist vorerst mein gelobtes Land und ich bin froh, dass ich auch in dieser schwierigen Zeit hier sein kann.  

Hier der Original-Brief in Englisch:
“I arrived to Athens in the beginning of August last year. It was the first time when I faced the work with the refugees. In Ukraine I had just a few meetings with people who escaped from the war area on the east of my country, but it was just short visits of them.

I fell in love with Greece immediately with its nature, climate, historical sights. It reminds me the southern cities of Crimea, my homeplace, which were Greek colonies once. I also was positively impressed by the people I met, volunteers of JRS and refugees themselves of course. From the majority of the people we meet every day I experience great respect and gratitude, also a strong feeling of hope in spite of all sufferings and misfortune.

I give classes of English for adults and children, painting and other handicrafts lessons for kids. The last I enjoy the most. When I see the inspiration and creativity of kids while they are painting or drawing, their excitement when they take their small masterpieces to show to their parents or give to me in order to put on the wall, they forget for a short time about that tough reality they got and still going through and just enjoy bright colours of life and emotions. Although it is very difficult to see the suffering of especially the youngest absolutely innocent ones, I also receive a lot of joy as they know how to find it in the very small things.

Due to spreading Coronavirus we first had to stop our activities such as tea-time and classes where we always have big groups of people gathering together, but our store for clothes and day centre for women were still open. Our sister Ada, who is 81, had to leave for Austria for the time being, as she is at the risk group due to her age. Sister Preethy returned to India for her home leave as it was planned before and sister Carmen is blocked in Rome. All volunteers of JRS had to return to their countries and it was very difficult for them. Our MBB volunteer from Russia just arrived to Athens and had to come back to Russia already on the 7th day after her arrival.

Sr. Ewa and I decided to stay in Athens, even if we cannot directly be in contact with refugees but we hope we would be able to support at least somebody with simple medication, clothes distribution or just our presence. But as the number of infected people is constantly growing the government decided to implement the full lockdown. From 23th of march no one can leave the house without special permission. We had to stop all the activities and move to the house of Jesuits for this time. Of course, the refugees, especially homeless and people in the camps, are the most vulnerable in this situation, as they also cannot move freely around the city and cannot get help from NGOs, not even food. But it is also the fear if the virus would get into the camps thousands will be infected in a few days or even hours and it will be impossible to help them. We are constantly praying that God protect them especially and believe in the miracle.

By today we had 695 cases and no one was confirmed being a refugee, but there are also cases in Lesvos where are more than 20.000 people saying at the Moria camp. And of course, this is only official data, and there can be a lot of uninformed cases. So at the moment we cannot do anything but pray.

Before this all happened, I started making dolls in our Ukrainian style for children, as we do not get many toys for them and kids have nothing to play with. Children were excited getting these simple toys. So now we are continuing this activity with hope that very soon we will be able to go out on the streets and give them to the children, bringing them a little more joy. We also try to continue English lessons online, making videos and posting them on JRS Facebook, but we are aware that a lot of our students do not have access to the Internet and face now even more basic needs as food, clothes and medicine.

Unfortunately, at the moment we are helpless. We unite with all the people of good will and continue to ask God to stop this sickness, to protect especially those who do not have any other support and protection except Him alone. He will not abandon His children. And we are happy that we are here. For me personally it was an invitation as to Abraham to leave my country and my home and go to the land that God will show me. Greece for now is my promised land and I am happy that I can be here also in this difficult time.”

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