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Barmherzigkeit konkret (Rundbrief von Sr. Lioba Brand aus Rumänien)

Jeden Tag 40 Kinder und 30 arme Familie speisen – das ist keine Kleinigkeit. Und doch eine Selbstverständlichkeit für die orthodoxen und katholischen Christen in Roman/Rumänien. Jeden Tag sorgt eine andere Familie dafür, dass alle satt werden. Was sonst noch so im Verein Hoffnung und Liebe passiert, erzählt Sr. Lioba Brand in ihrem neusten Rundbrief.

Der Höhepunkt des Sommers ist vorüber, hier wird traditionell der Herbst schon ab dem ersten September gerechnet. Dieses Jahr ist auch hier in Rumänien alles früher reif. Die Trockenheit kam erst später zu uns, und in manchen Teilen des Landes sind und waren auch schwere Überschwemmungen. In unserer Gegend im Nord-Osten von Rumänien ist es trocken. Wegen des vielen Regens im Juni und Anfang Juli haben die Freilandtomaten eine Krankheit bekommen, und ich musste schon alle herausnehmen. Die Paprika und die Auberginen haben das Wetter mehr geliebt. So schöne und so viele Auberginen von nur 4 Pflanzen habe ich noch nie gehabt. Auch hier in Rumänien ist dieses Jahr alles fast einen Monat früher reif.

Heute wollte ich ein klein wenig über die politische Lage schreiben. Im Großen und Ganzen halte ich mich ziemlich raus aus der Politik, dazu verstehe ich zu wenig. Was mich am meisten betrifft ist die Lokalpolitik, das bedeutet, wie wird die Situation mit dem Roma-Dorf und die Situation für die Schüler sein. In der Landespolitik ist sehr viel Unruhe, da waren die großen Demonstrationen am 10. August, die mit brutaler Gewalt verschlagen wurden, und jetzt hat die Polizei 400 Anklagen von friedlichen Demonstranten, die dabei teilweise schwer verletzt wurden. Es wurden 450 Demonstranten verletzt, wenigstens eine Person ist an den Verletzungen gestorben. Die Innenministerin oder der Staatschef haben sich bis jetzt noch nicht entschuldigt. Der Präsident Klaus Johannis ist von der deutschen Minderheit, und wird von der Regierungspartei PSD stark angegriffen.

Nun aber zu einem anderen Thema. Ich wollte heute einmal etwas genauer erzählen, was hier in Roman so für Aktivitäten stattfinden. 1992 sind die ersten Steyler Missionsschwestern nach Roman gekommen. Sie haben in dem einstöckigen Haus mit großem Garten gewohnt. Das Grundstück mit Haus wurde durch die katholische Pfarrei gekauft, weil die Schwestern noch keine juristische Person waren. In dem alten Haus sind 6 schöne große Zimmer, dazu Bad und Küche und ein größerer Saal, der zuerst die Kapelle war. 1996 wurde dann begonnen, im Garten das neue große Haus zu bauen, das 1999 fertig gestellt wurde. Das neue Haus hat 3 Stockwerke und 12 Zimmer plus Gemeinschaftsräume und eine große Kapelle. Als die Schwestern in das neue Haus umgezogen waren, nutzten sie das alte Haus als Internat für 10 Mädchen aus den umliegenden Dörfern, damit sie in das Gymnasium Klasse 8-12 gehen konnten. Nachdem Sr. Patrizia 2015 mit dem Projekt ACAR eine RH für alkoholabhängige Frauen und Männer in dem Kindergartengebäude begonnen hatte, war keine Schwester mehr da, welche die Mädchen vom Internat betreut. Es wurde nach einer Lösung gesucht und wir haben zum hl. Josef eine Novene gebetet. Darauf hat sich der orthodoxe Pfarrer Mihai Popovici mit seinem gemeinnützigen Verein Hoffnung und Liebe gemeldet. Er hat nach einem Haus gesucht, wo er mit den 40 Kindern hinkommen kann, weil das Haus wo sie bisher waren, grundlegend renoviert werden muss. Seine Frau Anca ist das Herz dieses Tageszentrums. Sie ist jeden Tag von 13:15 bis 17.30 oder noch später da und organisiert alles.

Jeden Tag kommt eine andere Familie und spendet das Mittagessen für die 40 Kinder und noch 30 arme Familien, die kommen und das Essen abholen. Hier bei den orthodoxen und auch bei den Katholiken ist es üblich, für die Verstorbenen eine gute Tat zu vollbringen. Besonders gilt das für die leiblichen Werke der Barmherzigkeit, das heißt: Hungrige zu speisen und da besonders die Armen. Vor dem Essen sind deshalb immer auch die Gebete für die Verstorbenen dieser Familie. Das dauert etwa 20 Minuten. P. Popovici betet und segnet das Brot. Es ist ein runder Zopf aus Weißbrot; auf den wird eine Kerze gesteckt. Danach essen die Kinder und auch die Gastfamilie das Mittagessen. Mittwochs und freitags ist das Essen vegan, weil das Fasttage in der orthodoxen Kirche sind. Außerdem sind noch Fastentage vor bestimmten Feiertagen, besonders natürlich vor Ostern, aber auch Mariä Himmelfahrt. An solchen Tagen gibt es dann Gerichte mit Pilzen, Bohnen, Soja und anderen Gemüsepflanzen. An Festtagen in der Fastenzeit darf Fisch gegessen werden. Ansonsten gilt für die Fastentage streng vegan. Es gibt hier viele Produkte, wo direkt aufgedruckt ist, dass sie für die Fastentage geeignet sind, z.B. Mayonnaise, Kekse, Margarine, Joghurt und verschiedene Sojaprodukte.

Nach dem Essen sind verschiedene Aktivitäten. Wenn Schule ist, natürlich zuerst die Hausaufgabenhilfe, danach gibt es je nach Wochentag Keyboardunterricht, griechischer Tanz, italienische Sprache, Basteln. Jeden Samstag kommt eine Physiotherapeutin und gibt Fußreflexmassage für Kinder die es nötig haben. Von unserer Kommunität ist Sr. Ansila auch in diesem Zentrum als Ehrenamtliche.

Ich bin momentan damit beschäftigt, mit den Frauen vom Olympia-Dorf einen größeren Auftrag von Lavendelsäckchen zu nähen. Im September geht auch bei den Franziskanern wieder der Schulbetrieb los. Im Juli war ich mit Sr. Patrizia in Bacău in einem Frauenhaus. Dort habe ich mit den Frauen Stofftaschen bemalt. Das hat ihnen große Freude gemacht.

So viel für heute. Liebe Grüße an Euch alle, Gesundheit und Gottes reichen Segen.
Im Gebet verbunden Grüße ich von Herzen,
Eure Sr. Lioba Brand SSpS