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Drei Fragen an: Br. Bernd Ruffing SVD

Bruder Bernd Ruffing ist Steyler Missionar und damit unser Mitbruder. Von seiner Kindheit über die Ordensausbildung bis heute ist er mit uns verbunden - sei es durch Pommes, schweißtreibende Gespräche oder gemeinsame Aktionen. Gesicht zeigen und für eine bessere Welt einstehen, geht für ihn einfach besser gemeinsam als allein.

Wie hast du die Steyler Missionsschwestern kennengelernt?
Steyler Missionsschwestern waren die ersten Ordensschwestern, die ich als Kind kennenlernte. Ihre Attraktivität ging damals vor allem von Eis, Pommes und Pizza aus. Diese Schwestern wussten einfach, was im Leben eines Kindes wichtig war. Später faszinierten mich dann ganz andere Seiten jener Schwestern, die in einer Kommunität im Missionshaus in St. Wendel lebten. Ganz sicher war es ihre Dienstbereitschaft, tagein und tagaus das Haus mit einem guten Geist zu füllen, mit ihren Gebeten und ihrem konkreten Einsatz für uns Steyler und die Menschen, die mit uns gemeinsam unterwegs waren.
Heute kann ich sagen, dass Steyler Missionsschwestern mich auf meinem Lebens- und Berufswegweg geprägt haben. Es waren nicht nur die Schwestern im Küchendienst, sondern auch jene Schwestern, mit denen ich dann später meine ersten Erfahrungen in der Krankenpflege machen durfte. Ich erinnere mich an das Einfühlungsvermögen der Schwestern in die Kranken, ihre Sorge dafür, dass der Bewohner gut liegen kann und auch daran, dass zur Krankenpflege auch ein Gebet gehört und das Zeichen des Kreuzes mit Weihwasser am Abend.
Einmal, und ich frage mich bis heute, ob die Schwestern das damals untereinander abgesprochen hatten, stellten mir drei Schwestern an einem Tag dieselbe Frage. Zuerst im Kühlhaus, dann im Brotzimmer und schließlich vor einem Patientenzimmer: „Willst du denn nicht ins Kloster gehen?“ Die Aussage einer Schwester werde ich in diesem Kontext nie vergessen: „Hätte ich die Entscheidung heute noch einmal zu treffen, ich würde es immer wieder tun!“ Das sind starke Zeugnisse, die ich mir in dankbarer Erinnerung bewahre.
Später, als ich Mitglied der MHGG und einer Gruppe junger Erwachsener war, die sich viermal im Jahr im Kontext der Steyler Ordensfamilie traf, waren mir Steyler Missionsschwestern Wegbegleiterinnen auf dem Weg, meine Berufung zu finden.


Was verbindet dich (bis heute) mit ihnen?

Seitdem ich meine Berufung in der Gemeinschaft der Steyler Missionare lebe, sind die Missionsschwestern ‚meine’ Schwestern geworden. Gerade in der österreichischen Provinz haben wir viele Projekte miteinander umgesetzt, was immer total viel Spaß gemacht hat. In Wien war eine Steyler Missionsschwester meine geistliche Begleiterin, die immer genau wusste, welche Fragen sie mir stellen musste, um bei mir einen Schweißausbruch auszulösen und sich so zeigte, dass wir an den eingemachten Themen meines Lebens dran waren. Nach den Gesprächen mit der Schwester habe ich mich immer leichter gefühlt.
Wenn ich überlege, was mich alles mit den Schwestern verbindet, dann fällt mir immer mehr ein und ich könnte hier eine ganze Liste voller toller Erfahrungen erstellen.
Die jüngsten Erfahrungen durfte ich während unseres Generalkapitels im Sommer 2018 in Nemi machen zu dem immer wieder ‚Mitschwestern’ gekommen sind, die uns guten Denkstoff gegeben haben. Sehr intensiv und fruchtbar erlebte ich hier auch das Engagement einer Steyler Missionsschwester, die als Prozessmoderation geholfen hat, den Heiligen Geist in uns lebendig werden zu lassen. Für mich war sie nicht nur eine Dienerin des Heiligen Geistes, sondern wirklich auch so etwas wie eine Hebamme des Heiligen Geistes.


Was wünschst du dir für die Zukunft mit den Steyler Missionsschwestern?

Mittlerweile lebe ich seit vier Wochen in Berlin und ich freue mich, dass es auch hier Steyler Missionsschwestern gibt. Schon zweimal haben wir die Schwestern in Marzahn besucht und hatten eine richtig gute und vor allem geschwisterliche Zeit miteinander. Ich hoffe und wünsche mir, dass wir hier und da weiterhin in diversen Projekten gemeinsam Gesicht zeigen und miteinander einstehen für eine gerechtere Welt und mehr Miteinander und Menschlichkeit. Als (Steyler Ordens-) Familie sind wir da einfach besser gemeinsam statt allein.

Zur Person

Br. Bernd lernte die Steyler Ordensfamilie im Saarland kennen. Nach seiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger und dem Studium der Pflegepädagogik wurde er Mitglied der Gemeinschaft der Steyler Missionare. Auf dem Weg zu den Ewigen Gelübden lebte Bernd in Steyl, Berlin und Wien. Prägend waren seine Erfahrungen in Australien und in Thailand, wo er sich für Menschen einsetzte, die von HIV und Aids betroffen waren. Mit der Ankunft vieler Geflüchteter in Deutschland wuchs sein Interesse, Menschen zu begleiten, die in Deutschland eine neue Heimat finden müssen, weil sie ihre alte Heimat verloren haben. Bernd studierte bis Mai 2018 Internationale Sozialarbeit für Flüchtlinge und Migranten in Würzburg und lebt seitdem in Berlin, wo er in einem Projekt der Caritas mitarbeitet, das psychosoziale Begleitung für traumatisierte Geflüchtete anbietet. Freude macht ihm besonders die  Begleitung der Missionar*Innen auf Zeit (MaZ), was seit 2016 zu seinen Aufgaben innerhalb der Ordensgemeinschaft gehört.