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Drei Fragen an: Chie Miyai

Chie Miyai war schon als Schülerin in der damaligen Schule in Steyl und hat dabei auch viel fürs Leben gelernt. Durch die Steyler Weggemeinschaft und persönliche Kontakte hält sie bis heute die Verbindung nach Steyl. Dort, in ihrer "Oase", findet sie immer wieder Kraft und Ermutigung im Glauben und für den Alltag.

Wie haben Sie die Steyler Missionsschwestern kennengelernt?
Schon bald nach unserer Einreise aus Japan nach Deutschland vor 42 Jahre habe ich zum ersten Mal mit meinen Eltern Steyl besucht, weil meine Eltern einen alten Steyler Pater in St. Gregor wiedersehen wollten. Meine Mutter wurde von einem deutschen SVD-Pater getauft und meine Eltern sind in Japan von einem Steyler Missionar getraut worden.
Bei diesem ersten Besuch haben wir auch die Steyler Missionsschwestern besucht. Damals war ich sehr beeindruckt von dem großen Haus, langen Fluren, und von sehr freundlichen und lebendigen Schwestern. In der großen Kirche spürte ich etwas Besonders in der Luft, was ich noch heute spüre, immer dann, wenn ich das Kloster betrete.
Nach dem Abschluss der japanischen Schule (9. Klasse) kam ich als Internatsschülerin nach Steyl. Ich wurde sowohl von meinen Mitschülerinnen als auch von den Lehrerinnen und anderen Schwestern sehr herzlich aufgenommen, obwohl ich damals kaum Deutsch sprechen konnte. Ich bekam jeden Nachmittag Nachhilfeunterricht in Deutsch von Sr. Maria Mechtild, bis ich irgendwann ohne Probleme am Unterricht teilnehmen konnte. Es war alles neu für mich, die Sprache, Kultur, Mentalität…. Aber um mich herum waren stets Menschen, die es gut mit mir meinten und mir zur Seite standen.


Was verbindet Sie (bis) heute mit ihnen?

Auch nach meinem Abgang aus der Schule habe ich stets Kontakte zu den Steyler Missionsschwestern und Patres gepflegt. Steyl ist ein Stück mein Zuhause geworden. Sie geben mir immer wieder den Glauben an das Gute im Menschen und Zuversicht für das Leben zurück, wenn ich das in meinem Alltag manchmal vergesse oder daran zweifle. Neben meinen Eltern haben sie mir die Grundeinstellung für meinen Lebensweg gegeben: mit Mut, Dankbarkeit und Gottvertrauen durchs Leben zu gehen.
Ich nahm an den alljährlichen Pfingsttreffen in der Bildungsstätte teil und später trat ich mit meinen Töchtern in die Gruppe der Steyler Weggemeinschaft ein. Die Mitglieder der Steyler Weggemeinschaft treffen sich in der Regel zweimal im Jahr in Steyl. Wir sind Gleichgesinnte, die in unterschiedlichster Weise mit der Steyler Familie verbunden sind. Wir bestehen aus ca. 30 Personen, Familien, Paare, Einzelpersonen, ehemalige Ordensschwestern oder ehemalige Schülerinnen, Mitarbeiterinnen der Steyler Presse, jung und alt, (von 10 bis 76 Jahre alt) und P. Rüdiger Brunner (SVD), Sr. Michaela und Sr. Augustina (SSpS).
Wir versuchen, durch Gespräche, Meditation, Bastelarbeit, Gebet und Eucharistiefeier uns auszutauschen, gegenseitig zu ermutigen und zu unterstützen, gemeinsam unseren Weg im Glauben zu gehen. Wir haben die Taufe meines Mannes und auch unsere Trauung in diesem Kreis in Steyl gefeiert. Diese Gemeinschaft wächst immer zusammen und bedeutet uns allen sehr viel.
"Ich gehe wieder zu meiner Oase!" habe ich immer gesagt, wenn ich gefragt wurde, wohin und warum ich ins Kloster gehe…. Ja, ich finde in Steyl die Ruhe und schöpfe Kraft, um mich immer wieder neu zu orientieren und auf wichtige Werte zu besinnen. Und immer, wenn ich in Not gerate, weil meine Gebetsanliegen so schwer sind und ich mich alleine einfach ohnmächtig fühle, teile ich sie z.B. Sr. Margret oder Sr. Michaela mit. Und ich weiß, dass sie mit mir für meine Anliegen beten und mich in der Situation begleiten. Was gibt es für eine stärkere Unterstützung als das!? Denn oft können wir in der Tat Schicksale unserer Mitmenschen nicht konkret/direkt ändern. Aber wir können sicher sein, dass wir in der Liebe Gottes getragen sind und unser Leben ihm anvertrauen können.


Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft mit den Steyler Missionsschwestern?
Für meine Zukunft mit den Steyler Missionsschwestern wünsche ich mir, dass meine Verbindung zu ihnen nie abbricht und ich mich weiterhin an sie wenden kann. Auch mit unserer Steyler Weggemeinschaft verbringen wir immer sehr intensive, oft auch sehr emotionale, Wochenenden in Steyl. Ich wünsche uns, dass unser Treffen weiter bestehen bleibt, aus dem wir bereichert in unser Alltag zurückkehren können.
Für die Zukunft der Steyler Missionsschwestern wünsche ich, dass sie in ihren vielseitigen Aufgaben immer wieder Anerkennung und Unterstützung erhalten, nie den Mut verlieren, den Weg des Glaubens zu gehen und immer mehr junge Menschen begeistern, mit ihnen das Ordensleben zu teilen.

Zur Person

Ich heiße Chie Miyai und bin 54 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Töchter. Ich bin Japanerin, lebe seit meinem 12. Lebensjahr in Deutschland, davon die meiste Zeit im Raum Düsseldorf. Ich arbeite als kaufmännische Angestellte in der Personalabteilung, bin gleichzeitig ein Ersatzmitglied des Betriebsrates, um mich für meine Kollegen/-innen einzusetzen. In unserer Pfarrgemeinde St. Cäcilia in Düsseldorf-Benrath bin ich als Kommunion- und ehrenamtliche Caritashelferin tätig.
Ich reise gerne, um fremde Kulturen und Landschaften kennenzulernen. Außerdem koche und esse ich sehr gerne - Nach dem Motto: Essen ist ein Bedürfnis, Genießen ist eine Kunst!